FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Rote Teufel vor dem Derby: Von Druck keine Spur?

Einer der wenigen Beständigen: Boris Tomiak.
Einer der wenigen Beständigen: Boris Tomiak.

Der sportlich angeschlagene 1. FC Kaiserslautern empfängt im Fußball-Drittliga-Derby Waldhof Mannheim. Für FCK-Innenverteidiger Boris Tomiak ist es ein besonderer Tag, nicht allein wegen des Spiels. Trainer Marco Antwerpen verweist auf die Frühphase der Saison – und versucht, Dampf aus dem Kessel zu lassen.

Druck. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Last auf den Schultern der Roten Teufel ruht, wenn sie an diesem Samstag kurz vor 14 Uhr auf den Rasen des Fritz-Walter-Stadions marschieren, um sich mit dem SV Waldhof Mannheim zu messen (live bei SWR, Magenta Sport und im Liveblog auf rheinpfalz.de). Noch ist es früh in der Saison, aber nach nur fünf Punkten aus sieben Spielen und fünf Partien ohne Torerfolg beginnt es rund um den Betzenberg zu rumoren. Trainer Marco Antwerpen jedoch versucht vor dem Südwestderby, ein wenig Dampf aus dem Kessel zu lassen: „Es gibt ja keinen internen Druck, wir haben vor der Saison schließlich nicht das Ziel ausgegeben, unbedingt aufsteigen zu müssen.“

Noch keine FCK-Heimniederlage unter Antwerpen

Nach sieben Partien von beginnendem Abstiegskampf zu sprechen, hält er für erheblich zu früh. Es gehe nun erst einmal darum, sich zu positionieren. Von Druck könne man erst in der finalen Phase einer Runde reden. Wirklich? Auch Antwerpen wird wissen, dass eine Abfuhr, es wäre im Übrigen die erste Liga-Heimniederlage unter seiner Ägide, Konsequenzen haben könnte. Womöglich auch für ihn.

Boris Tomiak macht den Eindruck, als sei er gefeit vor schlotternden Knien und wackelnden Hosen. Im RHEINPFALZ-Gespräch präsentierte der Innenverteidiger sich selbstbewusst und geerdet.

Neuzugang Tomiak einer der weniger Ruhepole

Ein Ruhepol, auf und neben dem Rasen. In jedem Spiel marschierte der von Fortuna Düsseldorf gekommene Sommerzugang 90 Minuten durch, er ist neben Matheo Raab der einzige FCK-Spieler mit einer konstant annehmbaren Leistung. „Ich hätte es mir besser nicht träumen können“, sagt Tomiak, „aber das rückt in den Hintergrund, weil man sehen muss, dass wir als Mannschaft erfolgreich werden und nicht, dass jeder seine persönlichen Ziele erreicht.“

An diesem Samstag feiert er sein 23. Wiegenfest. Der 11. September ist seit 2001 und den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York negativ besetzt. Tomiak wird jedes Jahr darauf angesprochen. Doch er hat vor, seinen 23. Geburtstag für ihn persönlich zu einem erfreulichen Tag werden zu lassen. „Den Geburtstag hatte ich die Woche über gar nicht im Kopf, nur das Spiel, weil man sich darauf konzentriert. Es wäre doppelt schön, wenn man den Abend mit einem Sieg genießen könnte“, sagt er.

Tomiak: Wir haben alles hinterfragt

Familie und Freunde werden im Stadion sein und mitfiebern. Das sind sie allerdings auch an „normalen“ Spieltagen. Tomiak lässt Optimismus walten, natürlich. „Wir haben uns das alle ein bisschen anders vorgestellt, aber die Saison ist noch lang, man kann noch vieles wiedergutmachen“, sagt er. „Es gilt, jetzt mal eine Serie zu starten.“ Alles sei hinterfragt und offen ausdiskutiert worden, in Gesprächen mit und ohne Trainer. Ein Muss, denn die Leistungen geben Rätsel auf. Viele Fragen, bis jetzt keine Antworten.

Wie kommen „Klinges“ markige Worte an?

„Ob wir die Lösung gefunden haben, werden wir am Samstag auf dem Platz sehen“, sagt Tomiak. „Klar, man muss als Team funktionieren, aber jeder muss erst mal darauf achten, dass er seine Position auf den Platz bringt. Wir sind davon überzeugt, dass wir viel Potenzial haben und alles wieder wenden können. Wir sind schon gut genug, um das wieder hinzukriegen.“

Tomiak weiß um die Besonderheiten von Derbys. Mit Rot-Weiss Essen hat er gegen Oberhausen gespielt, in der Jugend mit Schalke gegen Dortmund. Teamkollege René Klingenburg, ein Kind des Potts und einst auch Schalker, kritisierte nach dem 0:1 in Magdeburg die Einstellung manch eines Kollegen mit markanten Sätzen. Marco Antwerpen gewinnt dem etwas Positives ab: „Solche Worte aus der Emotion heraus zu wählen, ist nicht grundlegend falsch. Ich kann das verstehen.“ Dennoch dürfte es auch ihm lieber sein, hätte Klingenburg am Samstag gegen 15.50 Uhr Grund zu loben.

Waldhofs Sorgen um Russo

Die 955 Karten, die dem SV Waldhof für das Südwestderby auf dem Betzenberg zugewiesen wurden, waren schnell weg: Die Mannheimer Anhänger sind heiß auf den Vergleich mit dem FCK. Das geht allerdings nicht nur den Fans so.

Die Emotionen werden auf dem Platz hochkochen, weshalb Patrick Glöckner ein klares Ziel umschreibt. „Wichtig wird sein, das Spiel zu elft zu beenden.“ Der Trainer ist guter Dinge, dass seine Mannschaft kühlen Kopf behält und baut auf den Einfluss der Routiniers Marc Schnatterer sowie Marco Höger.

Sorgen bereitet der Ludwigshafener Stefano Russo. Der defensive Mittelfeldspieler, seit dem Ende der vergangenen Spielzeit Stammkraft bei den Mannheimern, verpasste das Abschlusstraining. Ob der 21-Jährige auflaufen kann, entscheidet sich kurzfristig, es stehen noch medizinische Untersuchungen an.

So spielen sie

1. FC Kaiserslautern: Raab - Hercher, Tomiak, Kraus (Senger), Zuck - Ritter, Klingenburg - Zimmer, Wunderlich, Redondo - Kiprit – Ersatz: Spahic, Winkler, Schad, Gibs, Niehues, Kleinsorge, Hanslik, Sessa – Es fehlen: Bakhat (Kniebinnenschaden), Ciftci (Muskelverletzung), Götze (Haarriss im Schädel), Hippe (Fußverletzung), Röser (Kreuzbandriss), Spalvis (Reha/Trainingsrückstand)

SV Waldhof Mannheim: Königsmann - Sommer, Verlaat, Seegert, Rossipal - Russo (Saghiri), Höger - Boyamba, Lebeau, Schnatterer - Martinovic – Es fehlen: Jurcher (muskuläre Probleme), Just (Infekt).

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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