1. FC Kaiserslautern
Kraus, Tomiak, Bormuth – einer aus dem Trio muss auf die Bank
Für Dirk Schuster ist es eine durchaus komfortable Situation. Der Trainer des 1. FC Kaiserslautern betont immer wieder, dass er auf jeder Position in der Mannschaft einen Konkurrenzkampf haben will. Bis auf den Sturm und im Tor ist das auch der Fall. Kaum ein Spieler kann von sich behaupten, unangefochtener Stammspieler zu sein. Andreas Luthe im Tor und Terrence Boyd im Sturm bilden die Ausnahme.
Der Kampf um die Positionen sorgt dafür, dass gehörig Zug in den Trainingseinheiten ist. Beim 1:1 (0:0) im Testspiel am Sonntag gegen 1860 München liefen zwei verschiedene Mannschaften auf – jeweils eine in der ersten und eine andere in der zweiten Halbzeit. „Es gibt bei uns keine Hierarchie, keine Reihenfolge und auch keine Bemerkungen, wer die Nase vorne hat“, sagte Schuster nach dem zweiten und letzten Testspiel im Trainingslager.
Konkurrenzkampf auf fast allen Positionen
In Belek ist die Intensität hoch, seitens des Trainerteams, aber auch von den Spielern her. Sie wissen, dass das Rennen um die Pole Position in vollem Gange ist. Am 28. Januar wird dann Gewissheit herrschen. Dann startet der FCK bei Hannover 96 in die Rückrunde der Zweiten Fußball-Bundesliga. Dann wird Schuster unangenehme Entscheidungen fällen müssen. Er wird Spieler aus der Startelf streichen, die bislang eine gute Saison gespielt haben und auch gut trainieren. Das ist aber ein normaler Prozess im Profigeschäft. Im defensiven Mittelfeld wetteifern Marlon Ritter, Nicolai Rapp, Julian Niehues und Hikmet Ciftci um zwei Plätze.
In der Innenverteidigung ist es ähnlich. Kevin Kraus, Robin Bormuth, Boris Tomiak und Lars Bünning duellieren sich um zwei Plätze. Wobei Bünning in der Vorrunde nur einmal spielte. Aus dem Quartett ist also ein Trio geworden, aus dem wiederum einer auf die Bank muss. „Das gehört doch dazu“, sagt Bormuth: „Welcher Spieler weiß denn schon, dass er die Nummer eins ist?“
Zwischen den Stühlen
Bormuth hat zwar mit neun Spielen die wenigsten in der Hinrunde für den FCK bestritten – Tomiak alle 17, Kraus 13 –, doch ist Bormuth mit seinen 27 Jahren schon ein erfahrener Akteur in der Mannschaft. 13 Bundesliga-Einsätze und 87 Spiele in der Zweiten Liga stehen in seiner persönlichen Statistik. „Ich habe gezeigt, was ich kann“, sagt Bormuth, dessen Stärke das Spiel gegen den Ball ist. Aber auch in der Spieleröffnung hat der 1,95 Meter lange Bormuth seine Vorzüge.
Er ist von Paderborn bis Saisonende ausgeliehen. Seine Situation ist etwas vertrackt. „Ich kann es mir nicht aussuchen, ob ich beim FCK bleiben darf. Erst einmal müssen sich beide Vereine einig werden. Ich sitze als dritte Partei dazwischen“, sagt Bormuth, ein Mensch mit klaren Gedanken, bodenständig, redegewandt und jemand, der über den Tellerrand im Leben hinausschaut.
Schritt zurück zahlte sich aus
Über seine Zukunft beim FCK muss Boris Tomiak sich keine Gedanken machen. Er hat seinen Vertrag verlängert. Tomiak kam 2021 aus der Regionalliga von Fortuna Düsseldorf II. Er lehnte bewusst das Vertragsangebot der Fortuna ab, in den Zweitliga-Kader aufzurücken. Er ging zum FCK in die Dritte Liga. Da bestritt er 35 Partien und gehörte zu den Leistungsträgern. Mit Kevin Kraus bildete er ein starkes Innenverteidigerduo. Tomiak passte sich nahtlos an das Zweitliga-Niveau an. In der Hinrunde war er die Konstante in der Innenverteidigung. Beim 2:1 in Düsseldorf überzeugte er aber auch im defensiven Mittelfeld. Gegen 1860 München spielte Tomiak an der Seite von Julian Nieheues auf der „Sechs“. Seine Zukunft sieht er aber in der Innenverteidigung.
„Der Konkurrenzkampf ist doch gut so. Er ist auch vom Trainer so gewünscht“, sagt Tomiak. Der 24-Jährige sieht die Situation als Ansporn. „Wenn man im Training wüsste, dass man ohnehin spielt, dann wäre das nicht gut für die Qualität des Trainings, aber auch nicht gut für die Mannschaft“, sagt Tomiak.
Klausel im Kraus-Vertrag
Kevin Kraus ist der erfahrenste Spieler in der Innenverteidigung. Kraus, seit 2018 beim FCK, ist sehr stark im Stellungsspiel. In Belek wird das im Training und in beiden Spielen immer wieder deutlich. Kraus steht wie ein Fels in der Brandung. Er redet viel, lobt seine Mitspieler für gute Aktionen – wie auch Bormuth. „Wir wissen, was wir an Krausi haben“, sagt Schuster: „Es gab Trainer, die wollten ihn nicht mehr in der Mannschaft haben, wir schätzen seine Stärken.“
Doch der Vertrag des 30 Jahre alten Kraus endet diese Saison. Er will nicht über seine Vertragssituation sprechen, doch nach RHEINPFALZ-Informationen verlängert sich der Kontrakt von Kraus automatisch um ein weiteres Jahr, wenn er eine gewisse Anzahl an Spielen absolviert. „Klar will jeder spielen, aber ich fahre seit Jahren mein Konzept, und das heißt, ich schaue nur auf mich und gebe in den Testspielen und im Training Vollgas. So sieht der Trainer, was er an mir hat“, erläutert Kraus.
In Belek drücken Bormuth, Kraus und Tomiak aufs Gaspedal. Doch einer aus dem Trio wird am 28. Januar vorerst ausgebremst.
