Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Juri Knorr hat sein bislang größtes Spiel vor sich

Juri Knorr versucht, den Norweger Harald Reinkind zu überlisten.
Juri Knorr versucht, den Norweger Harald Reinkind zu überlisten.

Regisseur Juri Knorr bedauert die Niederlage gegen Norwegen, will aber im WM-Viertelfinale gegen Frankreich wieder da sein. Wie er mit dem Rummel um seine Person umgeht.

Juri Knorr war wie immer: der Letzte. Seine Kameraden saßen schon längst in der Kabine, da beantwortete der neue Star der deutschen Handball-Nationalmannschaft immer noch Fragen der Journalisten nach der 26:28-Niederlage gegen Norwegen. Der Interview-Reigen begann für ihn auch nach der Niederlage direkt am Spielfeldrand bei den Fernsehjournalisten.

Leidenschaftlicher Kampf

Juri Knorr war enttäuscht, wie seine Kameraden, dass es der Mannschaft nicht gelang, den Konkurrenten Norwegen in die Knie zu zwingen, trotz eines leidenschaftlichen Kampfes. Norwegen, eines der Handball-Schwergewichte, hielt dem Druck stand, bei den deutschen Spieler schlich sich der Fehlerteufel ein.

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Nun wartet Frankreich im Viertelfinale (Mittwoch, 20.30 Uhr, ARD). „Wahrscheinlich ist das das größte Spiel meiner Karriere. Da muss man nicht drum herum reden, es aber auch nicht größer machen als es ist. So eine Chance hatte ich, hatten viele aus unserer Mannschaft noch nicht. Auch wenn die Beine schwerer werden, wir werden da sein. Wir müssen mental besser sein. Wir haben die Möglichkeit, ins Halbfinale einzuziehen und um Medaillen zu spielen“, sagte der 22-Jährige.

Sicher ein Gewinner

Egal wie die Sache am Mittwoch ausgeht: Juri Knorr ist der große Gewinner im deutschen Team, vielleicht sogar der ganzen Weltmeisterschaft. Beobachter der Rhein-Neckar Löwen wussten, was der junge Könner zu leisten imstande ist, er übertrug seine Leistungen tatsächlich 1:1 von der Bundesliga auf das internationale Parkett. Deutschland hat wieder einen Weltklasse-Regisseur. Seine Kameraden verlassen sich schon auf ihn. „Die Verantwortung übernehme ich gerne. Trotzdem haben auch bei mir in der zweiten Halbzeit die letzten Körner gefehlt. Schade, dass wir die Chance nicht genutzt haben.“

Auf ihn ist viel eingeprasselt

Vom einen auf den anderen Moment rückte Juri Knorr in den Fokus. Mit den Testländerspielen gegen Island startete er durch. Seine außergewöhnlichen Leistungen riefen ein großes Echo hervor. Er war das Thema in allen Zeitungen, in Nachrichtenmagazinen, manchmal auch mit seltsamen Überschriften. Viel prasselte, ach was, stürmte auf den begnadeten Spielmacher ein. Wie hat er das verkraftet? „Ich weiß, dass die Lupe sehr auf uns und meine Person gerichtet ist. Ich probiere, mich dem Ganzen möglichst zu entziehen, nicht viel zu konsumieren. Das ist mir sehr gut gelungen. Ich weiß im Endeffekt auch, dass viel von dem, was geschrieben wird, Schall und Rauch ist. Das sind Momentaufnahmen. Das kann sich von Spiel zu Spiel ändern. Ich weiß, dass ich mir selbst treu bleiben kann. Wenn ich bei mir bin, dann kann ich am besten spielen. Mit darf es nicht passieren, was mir in der Vergangenheit schon passiert ist, dass ich mich von öffentlichen Meinungen oder den Medien hoch oder runterziehen lasse. Ich habe damit meine Erfahrungen gemacht und kann ein bisschen besser damit umgehen. Ich probiere einfach, die Spiele für mich zu genießen“, sagte Knorr der RHEINPFALZ.

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Für den einen oder anderen deutschen Spieler haben französische Akteure gar den Charakter eines Vorbilds. Auch für Juri Knorr? „Nikola Karabatic ist für mich mit Abstand der größte Handballer aller Zeiten, ich habe ihn meine ganze Kindheit verfolgt. Da sind noch ein paar andere dabei, die ich aus meinem Jahr bei Barcelona, wo ich als 18-Jähriger ein bisschen mitlaufen durfte, kenne. Ich weiß, wie gut die Jungs sind, und natürlich schaue ich mir bei ihnen einiges ab“, sagte er.

Frankreich der Favorit

Frankreich ist fraglos der Favorit im Spiel gegen die deutsche Mannschaft. Im Turnier ließ sich der Olympiasieger bislang nicht beirren, das Team nahm auch die knifflige Auftakthürde gegen den Gastgeber Polen im ersten Spiel souverän. Dika Mem, neben Mathias Gidsel der beste Halbrechte der Welt, war einige Spiele verletzt, kam in der letzten Hauptrundenpartie gegen Spanien zurück. Es sind nach wie vor die alten Asse, die das Spiel prägen: Senior Nikola Karabatic, Kentin Mahé, Ludovic Fabregas oder Torhüter Vincent Gérard. Frankreich – ausgebuffter geht es kaum.

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