Handball
Frauen-Nationalmannschaft: Wer beim WM-Start Pluspunkte sammelt
Es gab Momente, in denen die deutschen Spielerinnen gegeneinander um den Ball kämpften – und eben diese Momente zeigten, wie sehr die Mannschaft des Deutschen Handballbundes bereit für den Start in die Weltmeisterschaft in Spanien war. Einmal warfen sich Julia Maidhof und Meike Schmelzer gleichzeitig einem Ball hinterher, als eine gegnerische Spielerin ihn zuvor in den deutschen Block geworfen hatte. Es fehlte nicht an Einsatz, Leidenschaft und Willen bei den Deutschen. Ursächlich für den klaren 31:21-Sieg gegen Tschechien im ersten Gruppenspiel war darüber hinaus, dass es dem Team von Henk Groener ebenso wenig an Klasse fehlte.
Mit- und Füreinander gekämpft
Der Bundestrainer wirkte während der 60 Minuten entspannt, denn er hatte schon nach wenigen Augenblicken gespürt, dass seine Spielerinnen der ersten Aufgabe dieser für den Niederländer so wichtigen WM gewachsen sein würden. Immer wieder applaudierte Groener seinen Schützlingen, die zwischenzeitlich mit zwölf Treffern führten, ehe eine kurze Schwächephase Mitte der zweiten Halbzeit ein kleiner Wermutstropfen war. „Das war ein Auftakt nach Maß“, urteilte der Bundestrainer und sah über die wenigen Schwächen hinweg. Groener steht in den Tagen in Spanien mehr noch als seine Mannschaft im Fokus der Aufmerksamkeit, denn die Verbandsspitze und er selbst einigten sich darauf, erst nach dem Turnier über eine Verlängerung seines Vertrages entscheiden zu wollen. Es braucht deshalb mindestens starke Leistungen der Deutschen, besser noch den Sprung ins Halbfinale für eine Weiterbeschäftigungsgarantie.
Neuer Innenblock überzeugt
Die Grundlage für den klaren Erfolg gegen die Tschechinnen waren der Einsatzwillen und die Aggressivität in der Abwehr – und der harmonierende Innenblock. Emiliy Bölk und Schmelzer bildeten über weite Strecken der Partie das Herzstück der deutschen Defensive und agierten dabei derart gut miteinander, dass in Vergessenheit geriet, dass dieses Duo noch nicht lange zusammenspielt. Bei der EM vor einem Jahr waren Kim Naidzinavicius und Julia Behnke das Innenblock-Paar Nummer eins, ehe sie nach dem Turnier ihren Rücktritt erklärten. Die Kapitänin und ihr „Co“ waren mit dem Führungsstil von Groener nicht einverstanden, zogen sich deshalb aus dem DHB-Team zurück und hinterließen eine Lücke – die Schmelzer und Bölk gegen Tschechien stark ausfüllten.
„Es ist als Torhüterin immer schön, wenn die Abwehr so arbeitet wie heute. Fokussiert, aggressiv, in die Zweikämpfe rein“, lobte Dinah Eckerle ihr Kolleginnen. Die Torfrau profitierte von der (Vor)Arbeit und zeichnete sich mit Paraden aus. Ein Beleg für das formidable Tun der Defensivreihe war die Tatsache, dass in den ersten 30 Minuten nur 14 Bälle in Richtung von Eckerle flogen – das ist außergewöhnlich wenig. Die Tschechinnen wirkten in vielen Phasen überfordert gegen die starke deutsche Abwehr, so dass die DHB-Auswahl über den Gegenstoß zu vielen so genannten einfachen Toren kam. Letztlich gelang den Deutschen ein ungefährdeter Sieg gegen ein Team, das allerdings nicht zu den stärksten Mannschaften im Turnier zählt. Wirkliche Herausforderungen kommen erst noch auf die Deutschen zu.
Slowakei ist ein schlagbarer Gegner
Die Slowakei, die am Samstag (18 Uhr) der zweite Vorrundengegner sein wird, gehört ebenfalls nicht zur ersten Garde, so dass ein Erfolg zur Pflicht zählt, sofern die hoch gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Bei einem Vorbereitungsturnier in Madrid am vergangenen Wochenende gelang der DHB-Auswahl gegen die Slowakei ein ungefährdeter Sieg – den Anspruch auf ein ähnliches Resultat wie beim 34:27 haben die Deutschen jetzt wieder. „Wir kennen die Spielerinnen schon ein bisschen und können das für die Vorbereitung nutzen“, sagte Eckerle. Die Torhüterin wirkte überzeugt davon, dass dem ersten guten Spiel der eigenen Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft direkt das zweite folgen wird.
Henk Groener strahlte diese Zuversicht ebenfalls aus. Der Niederländer weiß aber gleichzeitig, dass die schweren Prüfungen, die über seine Zukunft entscheiden werden, erst noch auf seine Mannschaft und ihn zukommen.