Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Flensburgs Jim Gottfridsson: „Wir spielen Schach mit den Deckungen“

Der Triumphator: Jim Gottfridsson holte mit Schweden im Januar den EM-Titel.
Der Triumphator: Jim Gottfridsson holte mit Schweden im Januar den EM-Titel.

Jim Gottfridsson von der SG Flensburg-Handewitt ist einer der besten Spielmacher der Welt. Mit Schweden erlebte er im Januar bei der Handball-Europameisterschaft seinen bisherigen Höhepunkt. Warum der herausragende Spieler des EM-Turniers und der Bundesliga 2021 seinen Gegnern oft einen Schritt voraus ist.

Herr Gottfridsson, Sie waren am Mittwoch noch in der Champions League im Einsatz: Ihre Meinung zum 25:21-Erfolg im Hinspiel gegen Pick Szeged?
Unser Ziel war es, das Hinspiel zu Hause zu gewinnen, daher sind wir sehr stolz, dass uns das gegen eine Topmannschaft wie Szeged gelungen ist. So haben wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in Szeged erarbeitet. Dort wird uns ein sehr intensives Spiel mit viel Druck von den Rängen erwarten, aber genau solche Spiele mag ich sehr.

Die SG Flensburg-Handewitt scheint diesmal früh aus dem Meisterrennen zu sein. Warum ist das so?
Unsere Ansprüche an uns sind die allerhöchsten, daher sind wir mit dem bisherigen Verlauf in der Liga so nicht zufrieden. Einige Spiele in dieser Saison waren verdammt eng. In unserer Meistersaison 2019 haben wir diese engen Spiele nur knapp gewonnen. Die Liga rückt immer näher zusammen. In der Hinrunde haben uns einige Verletzungssorgen geplagt, es war eine große Herausforderung für uns als Team. Dennoch halten wir an unseren Zielen fest.

Sie sind zusammen mit Andy Schmid der dominierende Regisseur in der Bundesliga der letzten Jahre. Sehen Sie das genauso?
Andy macht einen überragenden Job in all den Jahren, mit einer enormen Konstanz. Er versteht es, seine Spieler mit ihren Stärken in Szene zu setzen. Mir bringt es sehr viel Spaß, ein Spiel zu lesen und die richtigen Lösungen zu finden. Ich möchte gemeinsam mit meiner Mannschaft gewinnen, das hat für mich Priorität. Aber ich möchte mich nicht selbst bewerten, das überlasse ich gerne den Journalisten.

Wie kann ein Spieler, der nicht „stark, nicht schnell und nicht explosiv ist“, wie Kollege Johannes Golla meinte, so ein herausragender Handballer werden? Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich glaube dafür, dass das so ist, bekomme ich es sehr gut hin. Gedanklich bin ich in vielem zwei Schritte voraus. In den vergangenen Jahren haben wir mit unserem Coach Maik Machulla das Videostudium derart intensiviert, dass alle in den Besprechungen davon profitieren. Im Spiel finde ich dann den Schlüssel, die gegnerische Abwehr zu knacken. Wir probieren viel aus und spielen ein bisschen Schach mit der Deckung. Das macht mir großen Spaß.

War der EM-Titel im Januar der Höhepunkt in Ihrer Karriere? Wie erklären Sie sich die Steigerung der schwedischen Mannschaft im Turnier?
Wir haben es geschafft, eine Mannschaft zu bilden und als Einheit auf der Platte aufzutreten. Wir haben nie den Glauben an uns verloren und haben uns an unseren Plan gehalten. So viele Jahre waren wir immer knapp dran, daher bedeutet mir der Titel Europameister sehr viel. Er zeigt auch die langjährige intensive Arbeit unserer Mannschaft.

Niklas Landin hat Sie bei der Welthandballer-Wahl gerade knapp geschlagen. War das in Ordnung so?
Das Ergebnis war wirklich denkbar knapp. Niklas Landin ist ein Ausnahmetalent und ein herausragender Torhüter. Ich bin nun der beste Feldspieler der Welt, das sehe ich als große Anerkennung meiner Arbeit an, und es erfüllt mich mit Stolz. Dies ist aber nur in einer Topmannschaft mit ebenso starken Mitspielern möglich.

Beenden Sie irgendwann in Flensburg Ihre Karriere? Oder könnten Sie den Drang verspüren, irgendwann noch einmal zu wechseln?
Ich habe bis jetzt neun sehr gute Jahre hier in Flensburg und ich fühle mich hier sehr wohl. Aber man weiß auch nie, was in einer Karriere passiert. Dafür bin ich auch offen für die Zukunft.

Zur Person

Jim Gottfridsson kam im Jahr 2013 von Ystads IF HF zur SG Flensburg-Handewitt. Der heute 29-Jährige gewann 2014 mit dem Team die Champions League, 2015 den DHB-Pokal und 2018 die deutsche Meisterschaft. Mit Schweden ist er auf Erfolgskurs, die Auswahl wurde 2021 Vize-Weltmeister und Europameister.

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