Sport FCK: Tag fünf in Belek geht auch Skarlatidis an die Substanz

Jubel nach dem entscheidenden Treffer: Simon Skarlatidis im Spiel beim FC Bayern II.
Jubel nach dem entscheidenden Treffer: Simon Skarlatidis im Spiel beim FC Bayern II. Foto: KUNZ

Die Müdigkeit macht sich bemerkbar. Doch der Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern weiß, dass die Plackerei sich lohnt: „Bei uns ist Feuer drin.“

Termine in einem Trainingslager sind streng getaktet. Verschiebt sich das gewünschte Gespräch mit einem Spieler also um eine Dreiviertelstunde nach hinten, hat das gute Gründe. Oder schlechte. Eine Verletzung zum Beispiel, die einer sofortigen Behandlung bedarf. Doch nein, im Falle von Simon Skarlatidis war das am Dienstagmorgen nicht so. Trainer Boris Schommers hatte ihn und seine Teamgefährten vor dem freien Nachmittag nur noch mal ordentlich schuften lassen, und da die Muskulatur am fünften Vorbereitungstag in Belek langsam Signale der Erschöpfung sendet, hüpfte Skarlatidis in den ungeheizten Pool der Hotelanlage, um die Regeneration zu forcieren. Auch das nahe gelegene Meer hat der 28-Jährige dazu schon genutzt, den fünfminütigen Fußweg wollte er sich aus Zeitgründen aber sparen. „Sehr intensiv“ sei die Einheit gewesen, erzählte Skarlatidis schließlich, er sei „sehr müde“, wie alle. Umso erfreulicher sei es, wie die Truppe auch an diesem Morgen gearbeitet habe. „Wenn man die Körpersprache sieht, da war richtig Feuer drin“, es scheppere auch schon mal in einem Zweikampf, aber „wenn alle gesund rausgehen, ist alles gut“.

Trotz der Belastung: „Bin topfit“

So war es. Keine Verletzten, keine Kranken. Auch Skarlatidis fühlt sich „topfit“, abgesehen von dem akuten, der Belastungssteuerung geschuldeten Loch. Das war in dieser Saison nicht immer so. Unmittelbar nach seinem Wechsel von den Würzburger Kickers an den Betzenberg legte ihn ein Haarriss im Wadenbeinköpfchen auf Eis, „du kommst mit großer Euphorie zu diesem Verein und wirst ausgebremst“. Beim Pokalcoup gegen Mainz setzte er nach seiner Einwechslung eine erste Duftmarke, indem er das entscheidende 2:0 vorbereitete. 13 Mal stand er in Ligapartien auf dem Rasen, einmal nur spielte er durch. Skarlatidis ist ein offener Typ, freundlich, positiv. Fast rührend erzählt er von daheim, seiner Freundin, der Sandkastenliebe, die er bald heiratet, der Tochter, die im Mai zur Welt kommen soll. Dann strahlt er über das ganze Gesicht, das Glück springt ihm aus den Augen. Die Familie sei seine Basis, sagt er. Doch er ist auch ehrgeizig. Ein Wettkämpfer. „Ich will immer auf dem Platz stehen, alles andere wäre gelogen“, und seit zwei, drei Monaten sei er wieder „der Simon, der einem Team helfen“ könne. Einem Team, das ihm wichtiger ist als persönliche Schlagzeilen. „Was helfen mir 15 Tore, wenn wir keinen Erfolg haben?“ Beim 3:1 gegen den FC Bayern II bereitete er das 2:1 durch Christian Kühlwetter vor, das 3:1 erzielte er selbst. In Köln gelang ihm beim 4:2-Erfolg ein Traumtreffer, der als „Tor des Monats“ nominiert war. Skarlatidis selbst war ein anderes Spiel wichtiger: das 1:0 gegen den Halleschen FC. Mit welchem Kraftaufwand er da rund 70 Minuten habe ackern können, imponierte ihm selbst.

Kaffee, Eis oder Kuchen als Belohnung

Den freien Nachmittag werde er vermutlich mit Kollegen im gut 40 Kilometer entfernten Antalya verbringen, sagte Skarlatidis, schlendern, Kaffee trinken, ein schönes Eis oder ein Stück Kuchen essen, das reiche ihm als Belohnung. Ein schwäbischer Sparfuchs eben. Der griechische Teil in ihm wolle zwar das Gegenteil („eine gefährliche Mischung“), setze sich aber nicht durch. Den Hinweis von FCK-Pressechef Stefan Roßkopf, Skarlatidis möge bitte seine Gucci-Tasche nicht am Tisch vergessen, ist zweifelsfrei ein Scherz. Wenn Skarlatidis etwas nicht braucht, dann teuren Humbug. Einsätze eher. Und Siege. In Belek gießt der FCK das Fundament. Wie sagte Skarlatidis doch: „Bei uns ist Feuer drin.“ Am 27. Januar gegen Großaspach wollen die Roten Teufel noch ein paar Briketts auflegen.