Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Eulen siegen im Kellerduell: Wahnsinn im Essener Hexenkessel

Durchbruch: Dominik Mappes (Eulen) kommt gegen die Essener Tim Zechel (links) und Felix Klingler zum Wurf.
Durchbruch: Dominik Mappes (Eulen) kommt gegen die Essener Tim Zechel (links) und Felix Klingler zum Wurf.

Die Eulen Ludwigshafen können weiter auf den Ligaverbleib hoffen. Im Kellerduell bei Tusem Essen gewann das Team am Samstagabend 29:27 (13:16). Ein Kraftakt.

Von Abstiegsfrust war am Samstagabend in Essen nichts zu spüren. 478 Zuschauer waren in der Sporthalle „Am Hallo“ dabei. Die Tickets wurden an Sponsoren und Dauerkarteninhaber vergeben. Erstmals seit 456 Tagen konnten die Essener somit wieder in einem Pflichtspiel vor ihren Fans spielen. Und diese machten mächtig Lärm. Eine Atmosphäre aus einer gefühlt anderen Zeit.

Seit der 25:37-Niederlage bei THW Kiel vergangene Woche ist der Abstieg des Aufsteigers besiegelt. Noch in Kiel rief Tusem-Trainer Jamal Naji den direkten Wiederaufstieg als Ziel aus. „Es ist kein verlorenes Jahr, denn wir haben unfassbar viele Eindrücke gewonnen. Alles, was wir gelernt haben, wollen wir mit in die Zweite Liga transportieren“, sagte Naji.

Gastgeber drehen auf

Eulen-Trainer Ben Matschke ist angetan vom Spielstil des einstigen Europacupsiegers, von der schnellen Spielweise der Essener, die das Hinspiel in Ludwigshafen mit 26:25 gewannen. „Ich habe vor diesem Spiel einen unfassbaren Respekt. Tusem spielt einen tollen Ball. Das wird eine Nuss, die du erst einmal knacken musst“, sagte Matschke.

Und in der Tat: Die Gastgeber drehten von Beginn an auf, führten nach neun Minuten mit 4:2. Die Eulen wiederum fanden nicht ins Spiel. Da scheiterte Pascal Durak (10.) mit einem Siebenmeter am starken Tusem-Torhüter Lukas Diedrich. Hendrik Wagner traf in der ersten Halbzeit gar nichts. Als der wie aufgedreht agierende Linksaußen Noah Beyer zum 6:3 traf (13.), tobte die Halle.

Eulen verkürzen, lassen dann aber wieder ziehen

Dominik Mappes, der beim 27:22-Sieg vergangene Woche gegen HBW Balingen-Weilstetten eine leichte Gehirnerschütterung erlitten hatte, konnte in Essen dabei sein. Der 26-Jährige musste aber bereits in der ersten Minute nach einem Schlag wieder vom Spielfeld. Gut, dass er zurück kam. Der Spielmacher (14.) und Maximilian Neuhaus verkürzten auf 6:7 (18.). Doch statt die Partie zu drehen, ließen die Ludwigshafener die Gastgeber wieder ziehen.

Essens Spielmacher Justin Müller und seine Kollegen fanden immer wieder Lücken in der Eulen-Abwehr. Martin Tomovski konnte sich im Tor nicht so wie zuletzt auszeichnen. Matschke brachte in der ersten Halbzeit zweimal Gorazd Škof. Die Eulen kamen durch Yessine Meddeb noch einmal zum 12:13 ran (26.), mussten dann aber in einer hektischen Partie mit einem 13:16-Pausenrückstand in die Kabinen. Eine Hypothek.

Wagner dreht nach der Pause auf

Unmittelbar nach dem Wechsel traf Wagner zum 14:16 (31.) und 15:17 (32.). Der Start einer Aufholjagd? Azat Valiullin erzielte das 16:17 (33.), doch Alexander Falk und Maximilian Haider vergaben den Ausgleich, scheiterten an Diedrich und der Latte (34.). Essen zog wieder davon, Lucas Firnhaber traf zum 20:17 (38.), ließ dann aber leichtfertig die Chance zum 21:17 (38.) liegen. Die Eulen verteidigten nun besser. Wagner gelang das 21:21 (47.). Den Ausgleich, ihn hatte Matschke zuvor in der Auszeit gefordert. Immer wieder war es nun Wagner, er traf per Siebenmeter zum 22:22 (48.) und aus dem linken Rückraum zum 23:23 (50.).

Dann war Škof gegen Beyer zur Stelle (52.). Wagner traf per Siebenmeter zum 24:23 für die Eulen (53.). Die erste Gästeführung an diesem Abend. Jan Remmlinger erzielte das 26:25 (55.). Ein Krimi. Wagner erzielte das 28:26 (58.). Škof parierte. Wahnsinn im Hexenkessel!

Wagner: „Kopf freimachen“

„Wir mussten in der Pause runterfahren, den Kopf freimachen. Als ich direkt nach der Pause getroffen habe, hat mir das Selbstvertrauen gegeben“, sagte Wagner, der zehnmal erfolgreich war. Dominik Mappes betonte: „Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird, dass wir hier auch mal mit zwei Tore im Rückstand liegen können.“ Trainer Ben Matschke musste nach Spielende erst einmal durchschnaufen: „Das war das schwerste Spiel in dieser Saison. Essen ist immer dann gut, wenn sie nichts zu verlieren haben. Sie hatten hier heute Spaß, vor Zuschauern zu spielen. Wir waren in der ersten Halbzeit ein stückweit beeindruckt.“

So spielten sie

Tusem Essen: Diedrich (ab 53. Bliß) - Firnhaber (4), Müller (4), Maldonado (3) - Klingler (1), Beyer (8/4) - Zechel (3) – Szczesny, Rozman, Durmaz, Seidel, Kluth, Ignatow (4)

Eulen Ludwigshafen: Tomovski (18.-20. 22.-23., 40. Škof) - Wagner (10/3), Mappes (4), Dietrich (1) - Falk (3), Remmlinger (4) - Haider – Neuhaus (3), Bührer, Klein, Valiullin (3), Scholz, Meddeb (1), Klimek

Spielfilm: 4:2 (9.), 6:3 (13.), 10:9 (20.), 13:12 (25.), 16:13 (Hz.), 18:17 (35.), 20:19 (42.), 21:21 (46.), 23:24 (53.), 26:28 (58.), 27:29 (Ende) - Zeitstrafen: 8:5 - Siebenmeter: 4/4 - 3/5 - Beste Spieler: Diedrich, Beyer - Mappes, Wagner - Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah/Suresh Thiyagarajah (Gummersbach).

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