Tennis
Djokovic: Der König drängt zurück auf den Thron
Das Gefühl sollte Novak Djokovic nicht täuschen. Im Oktober sagte der serbische Tennis-Star, dass er „positive Signale“ über den Stand der Bemühungen erhalten habe, sein Verbot, nach Australien einzureisen, aufzuheben. Australien hat im Juli eine Vorschrift abgeschafft, nach der internationale Reisende ihren Covid-Impfstatus angeben mussten.
Am Montag bei den ATP-Finals in Turin wurde dann offiziell bestätigt, dass der neunmalige Australian-Open-Rekordsieger, beim ersten Grand-Slam des Jahres starten darf. „Das ist eine absolute Bereicherung“, sagt Patrick Kühnen, früherer deutscher Davis-Cup-Spieler aus dem saarländischen Püttlingen.
Djokovic wird in Australien abgeschoben
Djokovic wollte im Januar mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung am Grand-Slam-Turnier teilnehmen. Der 35-Jährige ist nicht geimpft gegen das Coronavirus. Bei der Einreise war ihm das Visum annulliert worden, weil ihm Belege für die Sondererlaubnis fehlten. Es folgte ein Streit vor Gericht. Am Ende wurde Djokovic abgeschoben.
Solche Schlagzeilen wird es nun nicht geben. Djokovic, der 373 Wochen die Nummer eins der Weltrangliste war und damit den Rekord hält, will eine andere Bestmarke zunächst einstellen und dann brechen. Er will den 22. Grand-Slam-Titel gewinnen und damit mit Rekordhalter Rafael Nadal gleichziehen. Das könnte Djokovic gelingen, denn die Australian Open sind eines seiner Lieblingsturniere. Mit neun Titeln hält er den Rekord. Wimbledon gewann der Serbe sieben Mal, Rekordsieger Roger Federer acht Mal. Der Schweizer hat seine Laufbahn beendet und Rafael Nadal schwächelt.
Nadal fliegt schon in Gruppenphase raus
Der Spanier flog vorzeitig bei den ATP-Finals in Turin raus. In seinem letzten Gruppenspiel feierte der 36 Jahre alte Nadal den ersten Sieg am Donnerstag gegen den Norweger Casper Ruud mit 7:5, 7:5. Nadal hatte nach seinen beiden Auftaktniederlagen schon zuvor keine Chance mehr auf den Einzug ins Halbfinale. Ruud stand nach zwei Siegen bereits vor der Neuauflage des French-Open-Finales als Halbfinalist beim Saisonabschluss der acht besten Tennisprofis des Jahres fest. Mit seinem Jahr war Nadal nach den Grand-Slam-Titeln bei den Australian Open und French Open trotz langwieriger Verletzungsprobleme zufrieden. „Ich hatte 2022 schwierige sechs Monate, zwei Grand-Slams und einen guten Abschluss in der Weltrangliste. Ich kann mich also nicht beschweren“, sagte Nadal, der vor Kurzem Vater wurde.
Für Djokovic könnte das Jahr noch versöhnlich enden, nachdem er wegen seines Impfstatus keine Australian- und US-Open hatte spielen dürfen. Am Freitag ging sein Siegeszug in Turin weiter. Er gewann 6:3, 6:7 und 7:6-Sieg gegen Daniil Medwedew. Zwischendurch strauchelte der Top-Star. „Ich wollte aber unbedingt gewinnen“, betonte er nach dem über dreistündigen Match.
Djokovic kann Rekord bei ATP Finals einstellen
Im Halbfinale trifft Djokovic, der übrigens im Alter von zwölf Jahren nach München in die Niki-Pilic-Akademie ging, heute überraschend auf Taylor Fritz. Der US-Amerikaner nimmt zum ersten Mal an den ATP-Finals teil. Die Bilanz spricht für den Serben. In fünf Aufeinandertreffen gewann er fünf Mal. Fünf Mal gewann Djokovic, der bislang 154 Millionen Dollar an Preisgeld gewann, die ATP-Finals. Mit einem Sieg in Turin würde er mit Rekord-Champions Federer gleichziehen. Und: Er würde Punkte in der Weltrangliste gewinnen. Für den Finalsieg gibt es 500, für einen Halbfinalsieg 200 Zähler. Die Punkte werden bei den ATP-Finals kumuliert. Ein Turniersieger kann ohne Niederlage 1500 Punkte gewinnen.
Für den Sieg in Turin kassiert der Gewinner um die zwei Millionen Dollar – ein nobles Weihnachtsgeschenk.