Sommerbiathlon
Deutsche Starparade unter sonnigem Himmel
Warum gibt es im Biathlon auch eine Sommer-WM?
In den Staaten Osteuropas hat Sommer-Biathlon in Form einer Weltmeisterschaft schon lange einen deutlich höheren Stellenwert als etwa in Skandinavien, in Mitteleuropa oder in Italien. Mit der Vergabe der WM an bei den Fans beliebte Weltcupstandorte wie Nove Mesto und Ruhpolding bemühte sich die Internationale Biathlon-Union (IBU) zuletzt verstärkt, der Sommervariante einen Schub zu verleihen.
Seit wann gibt es diese Titelkämpfe ohne Schnee?
Die erste Sommer-WM im Biathlon fand 1996 im Hochfilzen in Tirol statt. Häufigstes Gastgeberland war in der Folge Russland, das mit Chanty-Mansijsk, Ufa, Tjumen und Tschaikowski im Lauf der Jahre gleich vier verschiedene Austragungsorte bot. Neben Ufa, 100 Kilometer westlich des Ural gelegen, richteten auch Minsk (Belarus), Osrblie (Slowakei), Duszniki-Zdroj (Polen), Forni Avoltri (Italien), Otepää (Estland) und Nove Mesto (Tschechien) die WM bereits jeweils zwei Mal aus. In den ersten Jahren kürten die Doppelwettkämpfer ihre Weltmeister über einen Crosslauf. 2006 wurden auch die Rollski-Biathleten in das Programm aufgenommen. Seit 2010 werden die Titelträger nur noch über die Wettkampfkombination aus Skirollern und Schießen ermittelt.
Wo findet die WM statt?
Erstmals ist die Chiemgau Arena in Ruhpolding Austragungsort einer Sommer-WM. Die etablierte winterliche Variante der Sportart empfing die 7000-Einwohner-Gemeinde in Oberbayern schon viermal zu Weltmeisterschaften, zuletzt 2012. Die Sommer-Premiere in Ruhpolding war bereits vor zwei Jahren vorgesehen. Wegen der Corona-Pandemie musste der – wie jetzt – für Ende August vorgesehene Termin damals aber abgesagt werden.
Welchen Anklang findet der sommerliche Termin im Chiemgau?
Von den internationalen Topstars haben unter anderem die Italienerin Dorothea Wierer, Lisa Theresa Hauser aus Österreich, die Schwedin Elvira Öberg und ihr Teamkollege Sebastian Samuelsson ihr Kommen angekündigt. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit 400 Athletinnen und Athleten aus 28 Nationen. Sollten diese Zahlen erreicht werden, würden die Titelkämpfe in der Chiemgau Arena einen neuen Teilnehmerrekord aufstellen. Bei der letzten WM Ende August 2021 in Nove Mesto waren 250 Sportlerinnen und Sportler aus 25 Nationen am Start.
Welche deutschen Skijäger sind dabei?
Mit Ausnahme von Franziska Preuß, die bis zum Winter noch einen Trainingsrückstand aufholen muss, und Benedikt Doll, der wegen familiärem Nachwuchs passt, bietet der Deutsche Skiverband sein bestes Personal auf. Das Team der Männer führt Johannes Kühn an. Ebenfalls am Start sind Roman Rees, Philipp Nawrath, David Zobel, Lucas Fratzscher, Philipp Horn und Justus Strelow. Zugpferd im Frauen-Team ist Olympiasiegerin Denise Herrmann. Ihre Mitstreiterinnen sind Vanessa Voigt, Vanessa Hinz, Janina Hettich-Walz, Franziska Hildebrand, Anna Weidel, Marion Wiesensarter und Juliane Frühwirt.
Welche Disziplinen gibt es?
Jeweils ein Satz Medaillen vergeben wird im Super-Sprint, Sprint und im Massenstart. Bei den Juniorinnen und Junioren stehen die Disziplinen Super-Sprint, Sprint und Verfolgung auf dem Programm.
Gibt es konkurrierende Veranstaltungen?
Eine Woche nach der Sommer-WM in Ruhpolding veranstaltet der frühere Weltklasse-Biathlet Martin Fourcade die dritte Auflage des nach ihm benannten „Nordic Festival“. Mit dabei in Annecy ist unter anderen Norwegens Superstar Marte Olsbu Röiseland. Es können aber auch Amateure und Sportbegeisterte teilnehmen. Bereits seine 17. Auflage erlebte Anfang August das Blink Festival im südwestnorwegischen Sandnes, mit französischen, schwedischen und norwegischen Spitzenathleten am Start. Im April 2022 traf die IBU mit den Organisatoren der beiden Festivals eine Vereinbarung: Ab nächstem Jahr soll es eine anerkannte Sommerbiathlon-Serie geben, mit der WM als deren Finale. Die Veranstaltungen in Annecy und Sandnes behalten dabei ihre Unabhängigkeit.