Sportplauderei
Der Ex-Lauterer Marco Haber über seinen Job bei 1860 München
Herr Haber, wie läuft es bei 1860? Ist es so, wie Sie sich es vorgestellt haben?
Leicht ist es nie, gerade bei so Traditionsvereinen. Ich kenne das auch aus Kaiserslautern noch. Bei den Löwen ist die Aufgabe immer mit viel Erwartungen und Ansprüchen verbunden, weil es hierzulande immer noch eines der besten Nachwuchsleistungszentren ist, was die Durchlässigkeit angeht. Und wenn man sieht, wie viele Spieler der Klub in den letzten Jahren herausgebracht hat.
Das heißt ...
... da ist ein gewisser Maßstab vorhanden. Aber die Stelle in Verbindung mit dem Kerngebiet Leistungsbereich ist maßgeschneidert für mich, es macht super Spaß und ich habe sehr gute Mitarbeiter und Kollegen, gute Trainerteams. Es ist eine spannende, herausfordernde Aufgabe. Das ist eine Top-Aufgabe in einem super Verein, sehr emotional.
1860 München hat sehr viele gute junge Spieler herausgebracht, die Bender-Zwillinge, Benjamin Lauth, um nur drei zu nennen. Ist es eine große Herausforderung, mit Blick auf die Vergangenheit, an das Niveau heranzukommen?
Diese Top-Top-Talente, die es geschafft haben in der Bundesliga und sogar Nationalspieler wurden, da muss man realistisch sein nach den Abstiegen. Das ist noch nicht zehn Jahre her, das war vor fünf sechs Jahren, da wurde einiges zurückgeworfen. Viele Mannschaften spielen nicht mehr in der höchsten Liga. Deswegen muss man geduldig sein und die Jungs Schritt für Schritt wieder heranführen. Es gibt immer wieder den einen oder anderen, aber natürlich ist es schwierig, so wie damals, regelmäßig diese richtig großen Talente in die Profi-Abteilung einzugliedern. Wir spielen mit 1860 wie Kaiserslautern Dritte Liga, das bedeutet andererseits auch, dass es für Junioren leichter ist, den Sprung zu den Aktiven zu schaffen. Es ist jedes Jahr so, dass der Profikader junge Leute aus dem eigenen Nachwuchs hat. Vom aktuellen Kader wurde die Hälfte bei den „Löwen“ ausgebildet. Das ist schon ein Zeichen, dass eine gute Ausbildung gemacht wird und die Jungs, wenn sie mal kurzzeitig woanders waren, wieder gerne zurückkommen.
Wie schwer ist es, im Schatten des übermächtigen FC Bayern Jugendarbeit zu machen?
Das spielt natürlich eine Rolle, weil man sich in allen Jahrgängen misst und Konkurrent ist. Es ist ja nicht nur der FC Bayern in Bayern, um uns herum sind einige andere Vereine, es gibt die SpVgg Unterhaching, FC Augsburg, FC Ingolstadt. Rivalität zwischen den Roten und den Blauen ist sowieso vorhanden. Aber: Im Nachwuchsbereich müssen wir uns nicht verstecken. Und wenn es in die höheren Jahrgänge geht, da will ich uns gar nicht vergleichen, weil Bayern ganz andere Ansprüche hat.
Wie ist Ihr Radius, in dem Sie scouten?
In ganz Bayern. Wir haben nicht die Kapazitäten, deutschlandweit oder in Europa uns umzugucken. Wir konzentrieren uns auf regionale Spieler. Wir wollen in erster Linie die eigenen Spieler übernehmen und fördern.
Ein kurzer Rückblick: Die Trennung vom FCK 2017 war abrupt ...
Ja, das war eine abrupte Trennung. Die emotionale Bindung an den Klub ist ein bisschen abgeflacht. Ich konnte auch nicht zum Spiel gegen die Würzburger Kickers, ich hatte andere Dinge zu tun. Trotzdem ist es so, dass ich den Verein immer verfolge und schaue, was passiert. Sich mit Fritz Fuchs und Rainer Keßler am Abend des Fan-Treffens zu unterhalten, damit hatte ich überhaupt keine Probleme, das war total offen, das war nett, das war ein guter Austausch. Aber ich habe keine Kontakte in den Verein. Ich spreche nicht regelmäßig mit jemandem vom Verein, da ich in München wohne, bin ich ja auch räumlich ein Stück weit weg.
