Handball
Das Vollversagen der Eulen Ludwigshafen
Die treuen und vor allem lautstarken Eulen-Fans trauten beim Blick auf die Anzeigetafel vermutlich ihren Augen nicht.
16:5 stand da. Nach 24 Minuten.
Von 4:4 zog der TV Großwallstadt davon, was Eulen-Trainer Johannes Wohlrab zu der Schlussfolgerung führte: „In der ersten Halbzeit hatten wir ein 15-minütiges Vollversagen auf allen Ebenen. Das ist alles zusammengekommen, da hat nichts geklappt.“ Tenor: Nichts von dem, was sich die Eulen vorgenommen hatten, glückte. „Ein kollektiver Black-out“, resümierte der Coach.
Böse Erinnerungen werden wach
Es war ein desolater Auftritt – und die schwache Leistung erinnerte an die erste Halbzeit am Sonntag vor einer Woche, als der VfL Eintracht Hagen die Eulen in der Friedrich-Ebert-Halle auseinandernahm. Was für ein trauriges Déjà-vu. Johannes Wohlrab: „In der zweiten Halbzeit haben wir ziemlich viel richtig gemacht, wir haben sehr gut gespielt, die kämpferische Einstellung hat gestimmt.“ Er betonte, man dürfe jetzt nicht alles schlecht reden. „Die zweite Halbzeit war aus meiner Sicht sehr, sehr gut. Es kann nicht alles von heute auf morgen funktionieren. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, es ist aber auch nicht alles Asche.“ Und tatsächlich: Für einen Moment war sogar die Chance da, das Spiel noch zu drehen, aber Kian Schwarzer scheiterte beim Stand von 22:19 in der 45. Minute. Zwölf Tore standen am Ende für ihn zu Buche.
Erklärungsversuche
Aber wie ist das erneute Versagen in der ersten Halbzeit zu erklären? „Keine Ahnung wie das zustande kommt. Es läuft dann nichts, wir sind wieder in so einer Abwärtsspirale. Es sind technische Fehler, die wir machen. Fehlwürfe. Jeder lässt sich da mit reinziehen. Es ist schwierig, wenn das wieder so passiert. Wir müssen uns jetzt aufraffen“, sagte Linksaußen Kian Schwarzer. Er ergänzte: „Wir müssen so, wie in der zweiten Halbzeit gegen Hagen und gegen Großwallstadt, so müssen wir anfangen. Wenn wir so zwei Halbzeiten spielen wie nach der Pause, dann gewinnen wir mit sechs, sieben Toren.“
Selbstbewusstsein fehlt
Jannek Klein resümierte: „Wir sind irgendwie nicht so selbstbewusst. Man hat ja gegen Lübbecke gesehen, dass wir es können. Jeder in der ersten Halbzeit hatte mit sich selbst zu tun. Dann kommen die Pässe von denen gut an. Dann haben wir keinen Zugriff, und dann fängt jeder ein bisschen an, nachzudenken und macht doofe Aktionen.“ Er skizzierte die Aufgabe für das Spiel am nächsten Montag beim VfL Lübeck-Schwartau: „Wir müssen es hinkriegen, dass wir direkt ins Spiel so reingehen, dass wir uns keine Gedanken machen. Wir müssen uns wieder Selbstvertrauen erarbeiten, wie gegen Lübbecke.“
„Wir verpennen komplett die erste Halbzeit. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Wir waren schlecht, die zweite Halbzeit war okay. Aber das bringt jetzt auch nichts“, folgerte Rechtsaußen Alexander Falk, wie Maximilian Haider viermal erfolgreich. Auch er hatte keine Erklärung. „Wir sind keine schlechte Mannschaft. Wir kämpfen uns immer wieder ran. Wir müssen einen anderen Fokus haben in den ersten Minuten“, meinte er.
Michael Roth, der Trainer des TV Großwallstadt, frohlockte. Die Mainfranken unterstrichen ihr Ziel, zu Hause unbesiegt zu bleiben. Das war schon der vierte Erfolg in der Untermain-Halle. In Kreisläufer Dino Corak hatte das Team den besten Spieler des Abends, er warf acht Tore, war kaum zu bremsen. Roth würfelte die Anfangsformation durcheinander, setzte auf kleinere Spieler – und hatte mit seinem taktischen Konzept Erfolg.