Fussball
Amateurklubs wünschen sich Planungssicherheit
Der Südwestdeutsche Fußballverband hat seine Vereine um Rückmeldung bis 4. Mai gebeten. „Uns ist diese Meinungsbildung wichtig“, betont Präsident Hans-Dieter Drewitz. Für Rudi Brendel, Trainer des Landesligisten SV Geinsheim, ist die Idee einer Aussetzung „ein Unding“. „Sollen die Spieler, die uns nach der Runde 2019/2020 verlassen, für uns die Saison zu Ende spielen? Und die Spieler, die zu uns kommen, bleiben in ihren alten Vereinen?“, fragt er sich. Der Geinsheimer Coach plädiert dafür, „die Runde zu kappen, und es gibt pro Liga nur einen Aufsteiger und keine Absteiger“.
Kein Verständnis für die SWFV-Idee hat auch Marco Stoll, der für den gesamten Jugendbereich des TSV Königsbach als Sportlicher Leiter zuständig ist. „Wenn Spieler weiterhin in jüngeren Mannschaften spielen müssen, ist das für deren Entwicklung nicht förderlich“, schreibt er unter anderem.
„Jeder will etwas anderes“
Beim SV Südwest Ludwigshafen, Tabellenführer der Bezirksliga Vorderpfalz, spricht sich Trainer Frank Wieschalla für einen Abbruch der Runde aus. „Es gibt viele Meinungen, jeder will etwas anderes. Deshalb muss der Verband eine Entscheidung treffen, bei der es möglichst wenige Unzufriedene gibt“, fordert der Coach. „Bei uns im Verein glauben die meisten, dass in diesem Jahr nicht mehr gespielt werden kann“, sagt Toni Maric, Trainer des VfR Friesenheim (A-Klasse Rhein-Pfalz). Sein Vorschlag: Die ausstehenden zehn Spieltag könne man im Frühjahr 2021 abwickeln. Wobei er sich auch einen Abbruch vorstellen kann.
Der VfR Frankenthal steht in der Bezirksliga Vorderpfalz auf einem Abstiegsplatz und hat beim Verband für einen Abbruch gestimmt, wie der Vorsitzende Salvatore Mauro mitteilt: „Wir plädieren dafür, dass es dann zwar Aufsteiger, aber keine Absteiger gäbe.“ In der A-Klasse Rhein-Pfalz hat der ASV Heßheim als Tabellendritter noch Aufstiegschancen. „Wir wollen die Saison grundsätzlich sportlich zu Ende führen, haben aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen“, sagt Spielleiter Thorsten Hick.
„Unzumutbare Hängepartie“
Auf wenig positive Resonanz stieß der Vorschlag des SWFV-Präsidiums bei den Vereinen in der Region Pirmasens. Michael Roos, Vorsitzender des SV Hochstellerhof (Titelkandidat in der B-Klasse), sprach gar von „absolutem Quatsch“, Bernd Metzmann, Spielleiter von C-Klasse-Tabellenführer SV Erlenbrunn, von einer „unzumutbaren Hängepartie“. Und der FK Pirmasens erntete für seinen offenen Brief an den DFB-Präsidenten Fritz Keller, in dem sich die in Regional- und Verbandsliga spielenden Südwestpfälzer klar für ein Saisonende am 30. Juni aussprechen, nach FKP-Angaben von über 30 Vereinen aus dem SWFV-Gebiet Zustimmung – nur ein Verein habe sich dem FKP gegenüber für eine Saison-Verlängerung ausgesprochen.
Im Raum Zweibrücken plädiert Daniel Preuß, der Sportvorstand des Verbandsligisten SG Rieschweiler, für einen Saisonabbruch. „Dann hätte man einen klaren Schnitt.“ Sein Vorschlag: Man könne die Hinrundentabelle als Abschlusstabelle hernehmen. Beim Bezirksligisten SG Knopp/Wiesbach hofft man ebenfalls auf einen Abbruch. „Alles andere ist nur sehr schwer umzusetzen“, meint Knopps Vorstand Steffen Mayer. Planungssicherheit habe man als Verein nur, wenn die Saison 2019/20 zum 30. Juni beendet würde. „Der jeweils Erste steigt auf, keiner steigt ab“, sagt Mayer. Der SVN Zweibrücken belegt in der A-Klasse Pirmasens-Zweibrücken den zweiten Tabellenplatz. Vorstand Rainer Seibert spricht sich für eine Fortsetzung der eingefrorenen Saison aus. Die kommende Saison könne man dann verkürzt spielen lassen, damit sie terminlich nicht mit der EM kollidiere.
Wunsch: Kein Aufstieg am „grünen Tisch“
Im Donnersbergkreis sprechen die Vereinsverantwortlichen momentan von großen Unsicherheiten und Ungewissheiten. Viele finden es auch noch zu früh, um eine Entscheidung zu treffen. Sollte es zu einem Abbruch kommen, plädiert Alexander Raab vom Bezirksligisten SG Finkenbach/Mannweiler/Stahlberg dafür, „die aktuelle Tabelle zu nehmen, für jede Mannschaft einen Punktequotienten zu ermitteln und diesen bis auf den letzten Spieltag hochzurechnen.“
In einem sind sich viele Coaches im Raum Kusel einig: Es gibt keine Lösung, mit der alle Vereine zufrieden sind. Die Ansichten derer, die sich für einen Abbruch aussprechen, decken das gesamte Spektrum ab: Für Eric Moosmann (SG Breitenbach/Dunzweiler, Elfter der A-Klasse KUS-KL) gehören zu einer kompletten Spielzeit auch Absteiger dazu, Marcel Fauß (SG Theisbergstegen/Etschberg, Dritter der C-Klasse KUS-KL Nord/Süd) spricht sich sogar gegen Aufsteiger aus: „Am grünen Tisch würde ich nicht aufsteigen wollen.“ Jens Kirchen, Trainer des VfB Waldmohr (A-Klasse KUS/KL), befasst sich – obgleich er die Saison gerne fortsetzen würde – mit einer ganz anderen Frage: Wie geht es eigentlich weiter, wenn in den kommenden zwölf Monaten überhaupt kein Fußball gespielt werden kann?
„Fußball nur Nebensache“
Fünf Vereine, fünf Meinungen: Die Region Kaiserslautern ist uneins. Während der A-Klassenvertreter SV Alsenborn für eine Fortsetzung der Saison plädiert, wünscht sich Landesligist TuS Hohenecken einen Abbruch mit zwei Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Dagegen wirbt der SV Mölschbach (B-Klasse) für einen Abbruch, aber mit je einem Aufsteiger und einem Absteiger. In der A-Klasse am Start ist der SV Wiesenthalerhof, der sich für eine komplette Annullierung der Saison ohne Auf- und Absteiger ausspricht.
Im Raum Grünstadt ist Florian Schwertl, Trainer des Landesligisten TuS Altleiningen, für den Abbruch der Liga, obwohl seine Mannschaft als Tabellendritter theoretisch sogar noch aufsteigen könnte. Er befürchtet ein Mannschaftssterben und sagt: „Die Lebenssituation vieler hat sich geändert, da ist der Fußball momentan einfach nur Nebensache.“ Ähnlich sieht dies auch Christian Rutz, Trainer des Landesligakonkurrenten VfR Grünstadt: „Das Gesundheitsministerium empfiehlt aktuell ein Abstandsgebot von 1,5 Metern, da kann mir keiner erzählen, dass das nicht auch für den Fußball gilt.“ Sascha Gerber, Trainer der Damenmannschaft des SV Obersülzen, findet: „Ein Saisonabbruch ist das Einzige, was Sinn macht. Jede andere Entscheidung ist zu weit weg von der Basis.“