Eishockey
Adler siegen 5:1 gegen Frankfurt: Eine Derby-Lektion
Drei Minuten vor Spielende entrollten die Anhänger der Adler Mannheim das Banner mit der Aufschrift „Derbysieger“, doch Trainer Bill Stewart wäre trotz des 5:1 (2:1, 2:0, 1:0) gegen die Löwen Frankfurt am liebsten gleich zur Tagesordnung übergangen. Zunächst lobte er die Gäste als Überraschungsmannschaft der Liga, dann freute er sich über den Charakter in seiner Mannschaft und dann wollte er sich gleich auf das Spiel am Sonntag konzentrieren, bei dem die Adler um 14 Uhr bei den Nürnberg Icetigers antreten müssen. „Das Spiel ist vorbei und in dieser Liga ist jeder Tag ein Test“, sagte er.
Dabei hätte es so viel zu erzählen gegeben. Über Matthias Plachta zum Beispiel, dem erstmals seit vier Jahren wieder einmal vier Torvorlagen in einem Spiel gelungen waren, zwei Pässe auf Stefan Loibl (10./18.), eine Vorbereitung für Borna Rendulic (40.) und auch an einer Musterkombination über Loibl auf David Wolf, der zum 5:1 Endstand traf (50.), war er beteiligt. Oder auch über Ersatztorhüter Arno Tiefensee, der kurzfristig für den erkrankten Stammtorhüter Felix Brückmann zwischen den Pfosten stand. Und natürlich über die Fans in der ausverkauften SAP-Arena, die dem Eishockey-Festtag einen würdigen Rahmen gaben. Zumindest Tiefensee kam auf Nachfrage zumindest zu so etwas wie einem Sonderlob: „Wir bringen die jungen Spieler in Positionen, in denen sie wachsen müssen. Er hat einen guten Job gemacht.“
Lust auf mehr
Satte zwölf Jahre mussten die Adler Mannheim warten. Beim letzten Derby in der SAP-Arena am 19. März 2010 waren sie den damaligen Lions Frankfurt noch mit 2:3 unterlegen, nun war allen Mannheimern der Wille zur Revanche deutlich anzumerken. „Das gesamte Umfeld hat sich riesig auf dieses Spiel gefreut. So ein Spiel in so einem Rahmen macht einfach riesigen Spaß“, sagte Matthias Plachta. Das galt auch für den Doppeltorschützen Loibl: „Ein schnelles, hartes Spiel, das Lust auf mehr macht“, sagte er. Sein Tor zum 1:0 war dabei der Dosenöffner, denn drückend überlegen spielten die Adler schon vorher, trafen schon nach 40 Sekunden durch Verteidiger Thomas Larkin den Pfosten und hatten gleich ein halbes Dutzend guter Chancen, ehe Plachta seinen Sturmkollegen mit einem sehenswerten Pass auf die Reise schickte und er zur Führung traf. „Wir verstehen uns in der Reihe eben immer besser“, kommentierte Plachta so trocken wie sein Zuspiel zum 2:0, dass Loibl in Überzahl unhaltbar für Torhüter Jake Hildebrand abfälschte. Ärgerlich aus Sicht der Gastgeber nur, dass Dominik Bokk eine Minute nach dem 2:0 wieder verkürzte. Hier war die Adlerdeckung nicht aufmerksam genug. Ansonsten war allen Spielern deutlich anzumerken, dass sie ihrem Youngster Tiefensee im Tor unbedingt helfen wollten.
Und geholfen hat dabei das zweite Drittel, in dem Nigel Dawes (30.) und Rendulic (40.) zum beruhigenden 4:1 trafen. Löwen-Trainer Gerald Fleming fasste zusammen: „Wir haben heute viele wertvolle Lektionen gelernt. Uns wurden unsere Defizite und die Dinge, an denen wir arbeiten müssen von den Mannheimern aufgezeigt.“ Denn auch für ihn geht die Liga weiter, daheim gegen Schwenningen. Bis zum nächsten Derby dauert es aber keine zwölf Jahre, Adler und Löwen sehen sich am bereits 29. November in Frankfurt wieder.