Handball
35:28 gegen Ungarn: Deutschland wahrt bei Heim-EM die Chance aufs Halbfinale
Der Traum vom Halbfinale lebt. Die deutsche Nationalmannschaft bezwang am Montagabend Ungarn mit 35:28 (18:17) und würde mit einem Sieg gegen Kroatien in die Runde der letzten Vier bei der Heim-EM einziehen. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit zog das Team nach der Pause davon. Ungarn hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Bundestrainer Alfred Gislason bescheinigte seiner Mannschaft nach dem Spiel eine „phänomenale Leistung“, aber auch einen „Kraftakt“.
Die deutsche Auswahl tat sich 30 Minuten lang schwer, das Angriffsspiel der Ungarn einzuengen. Die Leistung in der Defensive wurde besser, als sich Jannik Kohlbacher um den Halbrechten Gabor Ancsin kümmerte, der ganz früh in seiner Karriere mal bei den Eulen Ludwigshafen aktiv war. Die Ungarn – das ist eine ganz ausgebuffte Mannschaft mit viel Routine auf allen Positionen. Mate Lekai ist schon 35 Jahre alt. Aber in der zweiten Halbzeit konnten die Ungarn nicht mehr mithalten.
Torhüter lange kein Faktor
Bis zur 22. Minute lief das deutsche Team einem Rückstand hinterher, dann gelang zum ersten Mal wieder eine Führung seit dem 1:0. „Wir haben anfangs die Kreisläufer nicht in den Griff bekommen, wollten weiter körperlich spielen“, sagte Gislason. Sebastian Heymann warf das 13:12, der Rückraumspieler von FA Göppingen machte zunächst ein klasse Spiel, genau so wie Julian Köster, beide teilten sich den Job im halblinken Rückraum. Köster zeigte eine großartige Leistung. Der junge Mann ging wieder voran, avancierte zum besten Feldspieler. Er blickt bereits auf das „Endspiel“ am Mittwoch: „Gegen Kroatien wird es wieder ein Kampf“, sagte er. „Es ist ein unfassbar starkes Team.“ Er wurde zum besten Spieler der Partie gewählt und betonte: „Das ist ein Highlight, das man nicht so schnell vergisst.“
Lange kein Faktor gegen Ungarn: die deutschen Torhüter. Andreas Wolff musste nach 13 Minuten weichen, er hielt keinen der acht ungarischen Würfe. „Er war immer in der richtigen Ecke“, sagte Bundestrainer Gislason später, „aber irgendwie sind sie doch immer reingegangen.“ David Späth parierte einen Ball. Nach der Pause kam wieder Wolff. Und später war er da!
Jannik Kohlbacher war der Mann der letzten Minuten in der ersten Halbzeit. Nach einem Fehlwurf gelangen dem Kreisläufer innerhalb von drei Minuten drei Treffer. Alles in allem war die Chancenverwertung der deutschen Mannschaft wieder ausbaufähig. Johannes Golla scheiterte beispielsweise kurz vor der Halbzeitsirene. Nach der schwachen Leistung samt Unentschieden gegen Österreich am Samstag brauchten die Deutschen wieder eine Weile, um ins Spiel zu kommen. „Wir hatten drei oder vier Sitzungen und haben alles besprochen“, sagte Gislason, „wir haben nicht trainiert.“
Ein bisschen Genugtuung
Die ausgiebige Analyse zahlte sich offenbar aus, wie sich nach der Pause zeigte. Gut der Start: Juri Knorr erzielte zwei schnelle Tore. Und er verwandelte den zweiten Siebenmeter für die deutsche Mannschaft. 21:18. Wichtig: Kai Häfners Solo, das einen Siebenmeter und eine Zwei-Minutenstrafe zur Folge hatte. Da Juri Knorr zuvor eine Strafe kassiert hatte, waren beide Teams wieder mit je sechs Spielern auf dem Feld. „Wir haben nach dem Österreich-Spiel sehr viel geredet“, sagte Knorr, „es ist schon eine Genugtuung, das war ein Spiel, das uns nicht viele zugetraut haben.“ Kai Häfner sagte: „Der Sonntag war nicht so schön. Wir haben die Kurve gekriegt.“
Die deutsche Auswahl war jetzt auf Kurs. Torhüter Andreas Wolff verbuchte in der 39. Minute seine erste Parade, der prompt die zweite folgte und die dritte. Klasse das Anspiel auf Jannik Kohlbacher, doch diesmal traf er nur die Latte. Aber die deutsche Auswahl war jetzt nicht mehr zu stoppen. In der 39. Minute betrug der Vorsprung erstmals sechs Tore. Auch wenn es die eine oder andere Nachlässigkeit gab – das war ein souveräner Auftritt in Halbzeit zwei. Das deutsche Team hat die Nervenprobe bestanden. Und am Ende wurde sogar ein bisschen gezaubert: Vorlage Kai Häfner, Julian Köster verwandelte im Sprung, ein gelungener Kempa-Trick.
Erstmals im Kader war Lukas Zerbe. Er reiste am Montag im Laufe des Tages an, weil sich Stammrechtsaußen Timo Kastening wegen eines Infekts abmeldete. Schützenhilfe für Deutschland leistete Frankreich, das Österreich mit 33:28 besiegte. Da war klar: Das deutsche Team hat es wieder in der eigenen Hand, ins Halbfinale einzuziehen. „Wenn dieser Sieg kein Selbstvertrauen für Kroatien gibt“, sinnierte Jannik Kohlbacher. Wie auch immer: Gegen Kroatien muss am Mittwoch ein Sieg her. „Der Druck war riesig, mit einer Niederlage wäre das Halbfinale weg gewesen“, sagte Gislason. „Jetzt haben wir quasi das Achtelfinale gewonnen, nun kommt das Viertelfinale.“