Kommentar Fußball ohne Fans: Dann lieber Abbruch

Mit Mundschutz: Spieler vor dem Anpfiff.
Mit Mundschutz: Spieler vor dem Anpfiff.

Es ist vollbracht: Der Ball in der Fußball-Bundesliga rollt wieder. Aber hat’s Spaß gemacht?

Die erzwungene „neue Normalität“ ist ein Schreckgespenst für jeden echten Fußballfan. Sie sah in zehn Erst- und Zweitligastadien gestern wahrlich gruselig aus: keine Zuschauer, keine Stimmung, keine Emotionen, keine laute Musik, kein Duft von fettigen Bratwürsten. Dort, wo sonst Hunderttausende Fans für das besondere Erlebnis Fußball sorgen, dort herrschte gespenstige Stille. Emotionale Langeweile. Gefühlskälte.

Fußball ohne Fans, das ist wie Sommer ohne Sonne, Wald ohne Bäume, Nudeln ohne Soße. Profiligen weltweit leben von ihren Anhängern, Choreografien, Gesängen, von proppevollen Stadien und nicht von einer Atmosphäre wie beim Feierabendkick auf der Nachbarschaftswiese. Wer will das denn sehen? Welcher Sport tut sich ohne seine treuen Fans einen Gefallen?

Skurril und surreal

Es war also völlig surreal, was da in den Stadien abging. Skurril, neu, anders, absolut gewöhnungsbedürftig, wobei wir uns lieber nicht daran gewöhnen wollen, dass Spieler mit Mundschutz in die Arenen spazieren, Bälle desinfiziert werden und Torjubel einem Totentanz gleichen. Da machten übrigens unter anderem die Spieler von Hertha (das sind die mit dem Kalou-Video aus der Kabine) eine Ausnahme: Sie jauchzten entgegen der Regel verbotenerweise in der Traube.

Ein Saisonabbruch wäre die bessere Alternative für den Fußball gewesen. Deckel drauf auf die ersten 25 Spieltage, eine Lösung für die Wertung finden, an Plänen arbeiten, um eventuell im Herbst auf die Bühne Bundesliga zurückkehren zu können. Den allermeisten Fans hätte nichts gefehlt. Sie hätten Verständnis dafür gehabt, dass, wenn sie ihre Großeltern nicht besuchen dürfen, der Urlaub auf der Kippe steht, drei Kinder nicht gemeinsam schaukeln können, dass dann auch König Fußball eine Auszeit nimmt. Es wäre ein Segen gewesen. Zeit zum Durchatmen in der Hektik des Geschäfts mit den übervollen Terminkalendern. Zeit zum Nachdenken über die horrenden Spielergehälter. Aber nein, die DFL hat ihre Fortsetzung gegen alle Widerstände, gegen die gesellschaftliche Akzeptanz und allein fürs Fernsehgeld durchgepeitscht. Mal sehen wie lange das gut geht und ob das Schreckgespenst „neue Normalität“ nun Woche für Woche die echten Fans erschreckt – und dann vergrault.