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Dienstag, 07. August 2018 Drucken

FCK

Ein weißer Ford 17 m mit roten Sitzen

Betze-Geflüster: Wie Fritz Walter Harald Braner zum FCK holte – Begegnungen mit Preußen Münster

Von Horst Konzok

6. Bundesliga-Spieltag 1963/64: Der Lauterer Harald Braner im Luftkampf mit Preußen Münsters Torhüter Herbert Eiteljörge. Das Spiel am 5. Oktober 1963 endete 0:0. Das Rückspiel gewannen die Preußen 1:0.

6. Bundesliga-Spieltag 1963/64: Der Lauterer Harald Braner im Luftkampf mit Preußen Münsters Torhüter Herbert Eiteljörge. Das Spiel am 5. Oktober 1963 endete 0:0. Das Rückspiel gewannen die Preußen 1:0. ( Foto: ARCHIV)

Die Preußen kommen! Heute (19 Uhr) am dritten Drittliga-Spieltag gastiert Preußen Münster im Fritz-Walter-Stadion beim 1. FC Kaiserslautern. Auf der Tribüne Platz nehmen wird – wie fast immer bei Heimspielen – Harald Braner. Der bald 75-Jährige hat zwischen 1963 und 1967 88 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern bestritten, zwölf Tore geschossen. Zweimal hieß der Gegner Preußen Münster. „Münster war in den Fünfzigerjahren eine bekannte Mannschaft, wie wir Gründungsmitglied der Bundesliga“, erinnert Braner. „Preußen hatte einen guten Namen, eine kompakte Mannschaft, aber sie haben zu wenig Tore geschossen“, sagt Braner beim Blick zurück auf jenen 5. Oktober 1963. Vor 17.000 Zuschauern hieß es am Ende 0:0. Der FCK spielte mit Horst-Dieter Strich im Tor und davor mit Roland Kiefaber, Werner Mangold, Gerd „Butzl“ Schneider, Dieter Pulter, Jürgen Neumann, Manfred Feldmüller, Willy Reitgaßl, Winfried Richter, Co Prins und Harald Braner. Das Rückspiel gewann Münster durch ein Tor von Klaus Bockisch 1:0 – und stieg als Vorletzter trotzdem ab.

Im Sommer 1965 kam Preußen-Torjäger Manfred Rummel zum FCK. Er blieb eineinhalb Jahre, schoss 15 Tore in 38 Bundesligaspielen und folgte dann Co Prins, dem filigranen Spielmacher und Paradiesvogel, in die USA. „Co Prins kam von Ajax zu uns, trug eine Halskette mit einem Europapokal dran – beeindruckend“, erzählt Braner.

„In unserer Historie spielt der FCK eine besondere Rolle. Wäre das Spiel an einem Samstag, wären bestimmt 1500 Leute mitgekommen. An einem Dienstag ist das nicht abzusehen“, sagte Preußen-Pressesprecher Marcel Weskamp gestern mit Blick auf das Finale um die deutsche Fußball-Meisterschaft 1951 in Berlin. Vor 85.000 Zuschauern hatte Felix „Fiffi“ Gerritzen die Preußen mit 1:0 in Führung geschossen, ehe Ottmar Walter das Spiel mit einem Doppelschlag drehte. Die Geschäftsstelle der Preußen in Münster ist im Fiffi-Gerritzen-Weg 1 angesiedelt.

„Die Bundesliga war totales Neuland für uns. Plötzlich spielten wir gegen Vereine und Spieler, die wir fast nur aus dem Fernsehen kannten“, erzählt Braner, der beim Bundesligastart am 24. August 1963 das FCK-Trikot beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt trug. Fritz Walter sieht er als „entscheidenden Mann“ für seinen Wechsel von Wormatia Worms zum FCK an. In einem Nebenzimmer des Alsenborner Sportheims wurden die Weichen gestellt. Günter Brocker, der damalige Trainer, „ein guter Typ“, war auch zugegen. „Mache mer ned groß rum, Bu’, du kummscht zu uns“, erinnert sich Braner noch heute an die Worte des „großen Fritz“. Braner, nicht mal 20, sagte zu und bekam auch „Handgeld“. „Schatzmeister Schickedanz sagte, geh’ mal runter zum Willy Reitgaßl, der hat was für dich.“ Reitgaßl, der Rechtsaußen des FCK, war Autoverkäufer und übergab das „Handgeld“. „Es war ein Ford 17 m, ganz in weiß mit roten Sitzen“, erzählt Braner lachend. Später spielte er für den SSV Reutlingen, VfL Osnabrück und Wormatia Worms, ist bis heute FCK-Mitglied. „Mich fasziniert dieser Verein“, sagt der Ex-Profi, der mit seiner Frau in Worms lebt, wo er lange Jahre einen Zeitschriftenladen mit Toto-Lotto-Annahmestelle führte, bis heute seine Versicherungsagentur hat. Bis vor zehn Jahren hat er in der FCK-Traditionself gespielt, war Trainer im Amateurbereich und bei der B-Jugend des FCK. In Bechhofen hat er den späteren FCK-Profi Tom Dooley entdeckt und zum TuS Landstuhl geholt. Beim 1:1 des FCK gegen die „Löwen“ sah man sich jüngst wieder. Braner macht gute Anlagen bei der neuen Mannschaft aus, sieht aber ein Manko. „Sie schießen nicht, sie schießen zu wenig aus der zweiten Reihe. Ich sag’ dann immer: Der Trainer hat’s ihnen verboten.“

Braner, Linksaußen und Mittelstürmer, war bekannt für seinen harten Schuss. Er hat auch schon mal einen Eckball direkt verwandelt. Ermuntert hat ihn Gyula Lorant, der Ungar, der als Trainer auf Brocker folgte. „Lorant sagte immer: Schieß aufs Tor – musst du die Bälle spielen wie Puskas mit links.“

Braner freut sich auf den heutigen Tag. Da ist erst die Einschulung seines Enkels Simon in Horchheim, wo der Junge beim örtlichen SVH das Tor hütet. Am Abend kommt der Ex-Profi mit Sohn Frank, einem promovierten Erziehungswissenschaftler und Pädagogen, der als Businesscoach und Mentaltrainer arbeitet, auf den Betze. Vater und Sohn drücken die Daumen. Und hoffen auf schussfreudige Rote Teufel.

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