Musikspektakel in Liverpool RHEINPFALZ Plus Artikel Great in Britain: Wer gewinnt den ESC 2023?

Bühne frei in Liverpool.
Bühne frei in Liverpool.

Beim Eurovision Song Contest gibt es wieder einige Lach- und Krachnummern. Und die Frage: Wird die Ukraine erneut die größte Musikshow der Welt gewinnen? Eine Prognose.

Schweden: Euphorie II

Bühne frei für Queen Loreen: Die Sängerin hat den ESC bereits 2012 mit ihrer Nummer „Euphoria“ gewonnen – und nun tritt sie für Schweden zum zweiten Mal an. Ihr Dance-Pop-Song „Tattoo“ ist zwar nur so lala, ihre mystische Performance wird jedoch ESC-Geschichte schreiben: Mit XXL-Kunst-Fingernägeln und in hautfarbenem Skinny-Fit-Fummel räkelt sie sich lasziv zur Musik. Ein Gesamtkunstwerk, das unter die Haut geht. Schweden könnte sich zum siebten Mal die gläserne Trophäe krallen – und wäre dann Rekordsieger, zusammen mit Irland. Loreen würde dann gleichziehen mit dem Iren Johnny Logan, der als bislang Einziger zweimal gewann (1980 und 1987). Alter Schwede. Euphorie!

Prognose: Platz 1

Queen Loreen singt für Schweden.
Queen Loreen singt für Schweden.

Finnland: Bauchfrei-Boy

Butterstampfende Blondinen, schwofende Omis, imposante Hamsterrad-Akrobatik – ohne Skurrilitäten wäre der ESC stinklangweilig. Dieses Jahr kommt der bizarrste Beitrag aus Finnland: Käärijä tanzt gewaltig aus der Reihe – und zwar mit „Cha Cha Cha“. Hört sich nach lateinamerikanischem Gesellschaftstanz an, heiter und unbeschwert, ist aber eher ein Berghain-Komplettpaket, hart und schrill. Mit neongrünem Bauchfrei-Fummel und Micro-Pony-Frise performt der 29-Jährige einen Song, der zunächst mit Metal-Rap startet und dann in Popschlager übergeht. Harte Schale, weicher Kern. Das begeistert vor allem das Publikum vor der Glotze. Hard-Pop ist der neue Hard-Rock. Hallelujah.

Prognose: Platz 2

Für Finnland singt Käärijä.
Für Finnland singt Käärijä.

Frankreich: Mit viel Stil

Oh, là, là – das war klar! Frankreich bedient alle Klischees – und verwandelt den Eurovision Song Contest in den „Grand Prix Eurovision de la Disco-Chanson“. Fatima Zahra Hafdi ist in Kanada aufgewachsen, hat marokkanische Wurzeln und sich den Künstlernamen La Zarra verpasst. Hört sich nach Fast Fashion an, geliefert wird jedoch gehobene Kunst, Haute Couture. Der Song „Évidemment“ („Offensichtlich“) der 25-Jährigen mutet zunächst sehr klassisch an, mutiert ab dem Refrain jedoch zum elektrobeatigen Uptempo-Chanson. Bravo! Schon einmal hat eine Kanadierin beim ESC mit „Ne partez pas sans moi“ abgeräumt: Céline Dion. Douze points. Évidemment.

Prognose: Platz 3

Frankreich schickt eine Sängerin mit viel Stil: Fatima Zahra Hafdi.
Frankreich schickt eine Sängerin mit viel Stil: Fatima Zahra Hafdi.

Israel: Keinhorn

In Israel ist Noa Kirel ein Popstar – und das will sie in Liverpool beweisen. Ihr Beitrag heißt „Unicorn“, Einhorn also. Klingt nach Zuckerwatte und Regenbogen, und der Refrain eignet sich hervorragend für jeden Kindergeburtstag: „I’m gonna stand here like a unicorn, out here on my own, I got the power of a unicorn!“ Ein bisschen Dance, ein bisschen R’n’B, ein bisschen Pop – alles andere als ein Flop. Mit ihrer Power-Performance und ihrem Tanz-Talent begeistert Noa Kirel auch die ganz Großen. Nebenbei schauspielert, moderiert und modelt die 22-Jährige. So einige Zuschauer dürften sich am Samstag die Finger wund wählen. Für den Sieg bräuchte Noa Kirel aber schon ein echtes Einhorn.

Prognose: Platz 4

Noa Kirel ist in Israel ein Star, jetzt versucht sie ihr Glück beim ESC.
Noa Kirel ist in Israel ein Star, jetzt versucht sie ihr Glück beim ESC.

Deutschland: Headbang-Gang

Die Ohren hören Rammstein, die Augen sehen Helene Fischer: Die Hamburger Metal-Gruppe Lord of the Lost tritt mit einem eigenwilligen Gesamtpaket für Germany an. Moin! In roten Glitzer-Outfits werden die fünf Bandmitglieder mit „Blood & Glitter“ auf der Bühne in Liverpool stehen. Wacken trifft auf den Fernsehgarten. Reichlich Erfahrung bringen die bunten Vögel bereits mit, schließlich waren sie schon mit Iron Maiden in 16 Ländern auf Europa-Tour. Headbang – bäm! Da regnet’s Blut und Glitzer – und bestimmt mal wieder Punkte für Deutschland. Am Samstagabend bebt der Käse-Igel auf dem Tisch, bei dieser Lach- und Krachnummer.

Prognose: Platz 5

Wilde Jungs aus Deutschland: die Metal-Gruppe Lord of the Lost singt beim ESC.
Wilde Jungs aus Deutschland: die Metal-Gruppe Lord of the Lost singt beim ESC.

Niederlande: Schmacht-Pracht

Manchmal sind es nicht die Gewinnersongs, die zu Ohrwürmern werden und im Radio rauf- und runterlaufen. „Calm After the Storm“ ist so ein Lied, 2014 von The Common Linnets gesungen: Das Duo aus den Niederlanden landete damit nicht nur auf dem zweiten Platz, sondern einen regelrechten Welthit. Auch dieses Mal schicken die Niederlande mit Mia Nicolai und Dion Cooper ein Duo mit einer ruhigen Nummer zum ESC: „Burning Daylight“ ist zum Träumen schön. So viel Gefühl zwischen Effekthascherei wie Konfettikanonen und Windmaschinen – das kommt an. Auch wenn das große Feuer ausbleibt, lodert wenigstens ein Flämmchen.

Prognose: Platz 6

Die Niederlande schickt ein Duo: Mia Nicolai und Dion Cooper .
Die Niederlande schickt ein Duo: Mia Nicolai und Dion Cooper .

Norwegen: Power-Prinzessin

Alessandra ist Norwegens „Queen of Kings“. Geboren wurde sie in Italien, jetzt lebt die 20-Jährige im Norden. Nach einer nicht ganz so erfolgreichen Teilnahme an der norwegischen Version von „The Voice“ trällert sie nun beim ESC ihren Power-Song „Queen of Kings“. Darin thematisiert sie ihre Bisexualität, mit der sie sich mit dem Umzug nach Norwegen traute, an die Öffentlichkeit zu gehen. Es geht darum, sich selbst zu akzeptieren und zu verwirklichen. Das Lied wird seit Monaten gestreamt – bei Spotify wurde es über sieben Millionen Mal gehört. Ohrwurmtaugliche Melodie mit modernen Beats. Stimmlich aber höchstens eine Prinzessin, keine Königin.

Prognose: Platz 7

In Italien geboren, jetzt lebt sie in Norwegen: die Sängerin Alessandra. Sie tritt für Norwegen an.
In Italien geboren, jetzt lebt sie in Norwegen: die Sängerin Alessandra. Sie tritt für Norwegen an.

Armenien: Soul Food

Brunette hat – Überraschung, Überraschung! – braunes Haar. Mit „Future Lover“ geht die 22-Jährige für Armenien ins Rennen. Bereits mit vier Jahren stand Brunette, die eigentlich Elen Yeremyan heißt, auf der Bühne. Und als Jugendliche hat sie begonnen, eigene Songs zu schreiben. Auch „Future Lover“ stammt aus ihrer Feder. Das Lied startet als Soul-Ballade, entwickelt sich dann aber zu einem dynamischen Midtempo-Song, inklusive Sprechgesang und ergreifendem Finale. Ob Armenien dieses Jahr feiern darf? 2022 landete das Kaukasus-Land ja nur auf Platz 20, allerdings ließ der weltweite Erfolg des Beitrags „Snap“ nicht lange auf sich warten.

Prognose: Platz 8

Die 22-jährige Brunette ist für Armenien auf der ESC-Bühne.
Die 22-jährige Brunette ist für Armenien auf der ESC-Bühne.

Was? Wann? Wo?

Der 67. Eurovision Song Contest steigt unter dem Motto „United by Music“ in England – kriegsbedingt nicht in der Ukraine, obwohl die Band Kalush Orchestra im vergangenen Jahr mit „Stefania“ gewonnen hatte, sondern in der Heimat des zweitplatzierten „Space Man“-Sängers Sam Ryder. Damit richtet zum ersten Mal seit 1980 nicht das Gewinnerland den Wettbewerb aus. Damals sah Israel sich aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, den ESC zweimal hintereinander auszurichten – also sprangen die Niederlande ein. 37 Länder machen mit. Russland darf wieder nicht dabei sein. Das Finale mit den 26 Teilnehmern wird am Samstag, 13. Mai, in der M&S Bank Arena in Liverpool gefeiert. Tickets kosteten bis zu 380 Pfund. Ausgestrahlt wird die Show ab 21 Uhr live im Ersten. Ein letztes Mal kommentiert Peter Urban.

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