Rheinland-Pfalz
Rettet Wasserstoff den Flughafen Hahn?
Mit ihrer Idee, den im vorläufigen Insolvenzverfahren steckenden Flughafen Hahn zum ersten klimaneutralen Frachtflughafen in Deutschland zu entwickeln, stießen die Freien Wähler am Donnerstag im rheinland-pfälzischen Landtag auf verhaltene Zustimmung. Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte, die Ansiedelung einer Anlage zur Herstellung von grünem Kerosin könne allenfalls ein privater Investor vornehmen, nicht das Land.
Vorbilder in Bayern und Niedersachsen
Grünes Kerosin ist Treibstoff für Flugzeuge, der synthetisch hergestellt wird. Grundlage ist Wasserstoff, der mittels regenerativer Energiequellen erzeugt wird. Joachim Streit, Vorsitzender der Freien-Wähler-Fraktion, verwies auf zwei Wasserstoffprojekte in Deutschland als Vorbilder. In Bayern arbeiten Siemens, die Lufthansa und die Technische Universität München bereits an alternativen Treibstoffen für die Flugzeugindustrie, eine weitere Pilotanlage steht in Niedersachsen.
Am Flughafen Hahn könne nicht nur Wasserstoff für die Luftfahrt produziert werden, auch die Industrie in Rheinland-Pfalz benötige diesen Energieträger der Zukunft, sagte Streit. Über Investoren oder Partner sagte Streit jedoch nichts. Die Idee habe Charme, bestätigte der CDU-Abgeordnete Helmut Martin dem Vorstoß der Freien Wähler. Aber das sei ein langer Weg.
AfD kritisiert Kosten für grünes Kerosin
Die AfD kritisierte dagegen, das Konzept führe in den nächsten 20 Jahren nicht zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Jan Bollinger, rechnete vor, dass ein Liter synthetisches Kerosin 4,50 Euro koste, erdölbasiertes dagegen nur 40 Cent.
Für die Grünen-Abgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler war ein anderer Aspekt wichtig. „Die Zeiten, in denen man dachte, der Hunsrück sei strukturschwach, die sind vorbei“, sagte sie mit Blick auf die Arbeitslosenquoten in der Region von zwei bis drei Prozent. Sie befürworte eine Entwicklung in Richtung flugunabhängiges Gewerbe und setze auf die Reaktivierung der Hunsrückbahn. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Marco Weber, sagte im Widerspruch zur Koalitionspartnerin, es sei wichtig, die fliegerische Nutzung zu erhalten.
Razzia der Staatsanwaltschaft
Die jüngsten Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft Koblenz bei der Betreiberin des Flughafens Hahn, einer Tochter der chinesischen HNA-Gesellschaft, wurden nur am Rand erwähnt. Die Razzia steht im Zusammenhang mit einem seit einem Jahr laufenden Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung. Lewentz verteidigte den Verkauf der Landesanteile an den HNA-Konzern vor vier Jahren. Das sei damals eines der weltweit führenden Luftfahrtunternehmen gewesen. Jetzt sei der vorläufige Insolvenzverwalter am Zug.