WALPORZHEIM / KAISERSLAUTERN
Eine Brücke aus der Pfalz für das Ahrtal
Eine Stelle zu finden, an der nicht abgetragen, weggeräumt, das Gröbste gereinigt wird, ist derzeit schwierig in Bad Neuenahr-Ahrweiler, das von der Hochwasser-Katastrophe schwer getroffen wurde. Im Ortsteil Walporzheim, nur ein paar Schritte vom Stadtzentrum flussaufwärts, gibt es eine solche Stelle. Hier wurde am Donnerstag und Freitag neben Bergen von Schutt und Schlamm sogar eine neue Brücke gebaut. Als Lieferant der Brücke mittendrin: das Kaiserslauterer Unternehmen General Dynamics European Land Systems (GDELS), vormals Eisenwerke Kaiserslautern.
Brückenbauer Georg Früh von GDELS ist mit einem Kollegen aus Kaiserslautern angereist, das übrige Personal auf der Baustelle stellen hauptsächlich das THW und eine Baufirma aus dem Saarland. Früh und sein Kollege leiten die Männer an. Gegen 10 Uhr am Freitag geht es los. Der Transporter mit den vier Hauptmodulen – eins pro Spur und Brückenhälfte – fährt sich erstmal im allgegenwärtigen Schlamm fest. Die Baustelle liegt unterhalb einer langgestreckten Zwischendeponie für Schutt und Trümmer aus dem Ahrtal, die hier gelagert werden, bis sie zu einer Spezial-Sortieranlage gebracht werden können. Der Weg zur Baustelle führt mitten durch die Schuttberge.
Präzisionsarbeit am Bagger-Steuerknüppel
Dass der Transporter dem Schlamm nicht gewachsen ist, ist keine große Sache für Früh und Marcus Zintel, den Bauunternehmer aus St. Ingbert, dessen Leute die benötigten Bagger fahren und die Brückenköpfe aufgeschüttet haben. Die Module werden einfach an Ort und Stelle mit den großen Baggern – die auch für den eigentlichen Aufbau gebraucht werden – vom Transporter gehoben und zur Baustelle gebracht.
Präzisionsarbeit müssen Zintels Baggerfahrer mehrmals am Tag leisten. Mit ruhiger Hand am Steuerknüppel balancieren sie die Module vom Abladeplatz am Ahr-Ufer entlang zur Baustelle, helfen beim Zusammenfügen, wofür die Module etwas angehoben werden müssen, legen sie auf die Brückenköpfe, rücken sie zurecht, damit das THW die Einzelteile sauber miteinander verschrauben kann.
Etwas weniger als zweieinhalb Tonnen wiegt jedes der vier Brückenteile, zusammen mit den benötigten Zusatzteilen bringt die Brücke also am Ende etwa zehn Tonnen auf die Waage. Sämtliche Teile sind gebraucht und in Kaiserslautern ertüchtigt worden; auf zwei der Module prangt an der Seite noch das Bundeswehr-Kreuz.
Provisorium für mindestens zwei Jahre
Tragen kann eine solche Konstruktion, die komplett aus hochfestem Aluminium besteht, das dreizehnfache ihres eigenen Gewichts, rund 130 Tonnen – sie ist schließlich für Panzer gemacht. Das ist die Theorie. In der Praxis wird die Brücke wesentlich geringere Lasten aushalten müssen, aber dennoch einen gewissen Verschleiß haben. Früh wird deshalb in regelmäßigen Abständen wieder nach Walporzheim kommen und nach dem Rechten sehen.
Der Aufbau dauert mit rund dreieinhalb Stunden etwas länger als geplant, doch der Brückenbauer ist zufrieden. Bundeswehr-Pioniere sind schneller, weiß er. Die haben allerdings auch andere Möglichkeiten und nicht so hohe Ansprüche. „Die haben die Brücke auf dem Panzer liegen. Die fahren hin, legen sie in drei Minuten und nehmen sie in sechs Minuten wieder weg“, erklärt Früh. Dafür haben die Behelfsbrücken dann keinen Mittelstreifen, sondern bestehen praktisch nur aus zwei Fahrspuren, und ein Geländer gibt es auch nicht. Und sie bleiben auch normalerweise keine zwei Jahre liegen. So lange, schätzt Früh, wird die Behelfsbrücke wohl mindestens gebraucht, bis an dieser Stelle oder in der Nähe wieder eine dauerhafte Brücke gebaut werden kann.
Eine eindrucksvolle Demonstration
Bei einem der letzten Arbeitsschritte befährt einer der großen Bagger die Brücke. Das ist kein absichtlicher Belastungstest. Das Gerät wird gebraucht, um eins der beiden Mittelstücke an Ort und Stelle zu rücken. Und doch ist die Szene eine eindrucksvolle Demonstration, dass das neue Bauwerk die Erwartungen offenbar zu erfüllen vermag.
GDELS ist hauptsächlich ein Militär-Ausrüster, doch die Produkte der Firma sind auch im zivilen Bereich begehrt, und zwar vor allem, wenn es darum geht, bisher schwer erreichbare Stellen für schwere Fahrzeuge zugänglich zu machen. Das ist beispielsweise beim Bau von Windrädern oder Stromtrassen oft der Fall, erklärt Früh, weil bestehende Brücken verstärkt oder ergänzt werden müssen, um schwere Bauteile an Ort und Stelle bringen zu können.
Auch Mayschoß bekommt eine
Die Kaiserslauterer hatten dem Land ihre Hilfe eine ganze Weile lang erfolglos angetragen. Schon eine Woche nach der Katastrophe war über den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Christian Baldauf, der Kontakt zwischen Landesregierung und der Firma hergestellt worden. Mitte August ging es dann schnell: Montags habe er den Anruf der ADD erhalten, ob das Angebot noch gilt, erzählt Früh; dienstags habe er die entsprechende Stelle besichtigt, donnerstags begann die an dem Projekt beteiligte Baufirma aus St. Ingbert, die Brückenköpfe aufzuschütten.
Die Brücke von Walporzheim wird wohl nicht das einzige Bauwerk mit Hilfe aus Kaiserslautern bleiben: In Mayschoß ist Früh zufolge bereits der nächste Brückenschlag mit GDELS-Modulen geplant.