HAUENSTEIN
Neue Initiative startet Projekt: Leckeres aus Pfälzer Walnüssen
Es ist goldgelb, duftet und schmeckt typisch nussig: kaltgepresstes Öl aus Walnüssen. Bisher wird erst wenig davon in der Wasgau Ölmühle im südwestpfälzischen Hauenstein aus heimischem Schalenobst erzeugt. Aber das soll sich ändern. Denn die im Sommer ins Leben gerufene Initiative „Pfalz Walnuss“ hofft, dass ihr Aufruf an Nussbaum-Besitzer in der Region Resonanz findet. Sie bietet diesen an, Walnüsse von ihnen zur Verarbeitung anzukaufen oder gegen Entlohnung in verschiedene Spezialitäten zu verwandeln.
Dazu zählt neben Öl auch Mehl, außerdem soll es Nudeln geben. In Entwicklung sind des Weiteren Walnussbier, -pesto und -mus, wie Timo Keller, Mitinhaber der Wasgau Ölmühle, erklärt. Während die zwei erstgenannten Produkte dort erzeugt werden, könnten die anderen in Partner-Manufakturen entstehen. Denn das Projekt soll gemeinschaftlich angepackt und auf breite Beine gestellt werden. Das gilt auch für die Bereiche von den Vorbereitungsarbeiten bis zur Bewerbung und Vermarktung.
Viele mit von der Partie
Zu den Initiatoren von „Pfalz Walnuss“ gehören neben der Wasgau Ölmühle die Lebenshilfe Südliche Weinstraße, das Haus der Nachhaltigkeit in Trippstadt, das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen sowie Culinary Heritage und Slow Food Pfalz. Als Ziel gesetzt hat man sich nicht nur die vollständige Be- und Verarbeitung von aus der Region stammenden Walnüssen und all ihrer Bestandteile samt Schalen, sondern auch, regional vorhandene Rohstoffe zu nutzen sowie regionale Wertschöpfungsketten zu schaffen.
Vorbereitet werden die Nüsse fürs weitere Verarbeiten in der Südpfalzwerkstatt der Lebenshilfe in Offenbach: Dort sollen sie gewaschen, getrocknet, nach Größe sortiert und geknackt, dann von der Schale getrennt werden. Für all das können von der Ölmühle neu angeschaffte kleine Maschinen eingesetzt werden, welche in den nächsten zwei Wochen aufgestellt werden sollen, wie Keller sagt.
Durch Anfragen auf Idee gekommen
Auf die Idee zu dem Vorhaben gekommen war der Wirtschaftsingenieur – der vor seiner nebenerwerblichen Tätigkeit bei der Ölmühle mit seiner Frau bereits 2015 in der Nähe den Hofladen „Hollerbusch“ gegründet hat – durch Anfragen von einzelnen Kunden und Bekannten. Diese hätten sich erkundigt, ob sie vielleicht einen Teil ihrer Walnussernte zur Ölherstellung bringen könnten.
Erfahrung mit dem Walnussöl-Erzeugen hat man in der Wasgau Ölmühle durchaus schon. Nach dem Beginn mit kleinen Sammelmengen wurden dafür bisher vor allem bio-zertifizierte Früchte aus Moldawien bezogen, wie Keller erklärt. Denn seines Wissens gibt es in Deutschland bisher keinen professionellen Walnussanbau – und keine Möglichkeit, heimische Walnüsse für die Weiterverarbeitung aufbereiten zu lassen. Durch das entsprechende Angebot in der Pfalz könne vielleicht auch verhindert werden, dass viele Nüsse unnötig verrotten, da sie nicht aufgelesen werden, meint Keller.
All diese Überlegungen fanden auch Anklang bei jenen, die sich dann an der kurzfristigen Gründung der Initiative „Pfalz Walnuss“ beteiligten. Diese kann sich mittlerweile auch über finanzielle Unterstützung zum Anschub freuen: Im September kam auf Antrag die Zusage, dass es aus EU-Fördermitteln zur Entwicklung des ländlichen Raumes einen Zuschuss von 40 Prozent zu den rund 11.000 Euro Investitionskosten gibt.
Reger Zuspruch erhofft
Die Initiative hofft nun sehr, auf ihren Aufruf genug Walnüsse aus der Region zu bekommen. Wobei Keller betont, dass man die Leute „keinesfalls animieren“ wolle dazu, unerlaubt welche einzusammeln von Bäumen, die ihnen nicht gehören. Für Lieferungen gibt es wahlweise Geld oder Naturalien. Wichtig ist dabei, dass die Früchte frei von Krankheiten und Schimmel und luftig verpackt sind, so Keller. Als Mindestmenge wären jeweils „ab fünf bis zehn Kilo pro Anlieferung wünschenswert“. Abgegeben werden können die Nüsse nach Absprache direkt bei der Ölmühle, gegebenenfalls sei auch eine Abholung möglich.
Erste Partien sind bereits da: Etwa 250 Kilogramm habe man inzwischen schon erhalten, berichtet Keller erfreut. Wünschenswert wäre, wenn im ersten Jahr eine Gesamtmenge von „gut einer Tonne“ heimischer Walnüsse zusammenkäme. Für die Ölgewinnung sind die knackigen Kerne – die durch ihren Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralien als sehr gesund gelten – übrigens recht ergiebig. Laut Timo Keller „reichen etwa zwei Kilo für einen Liter Öl“.
Feines auch aus Walnussdorf
Spezialitäten aus heimischen Walnüssen gibt es im Übrigen insbesondere auch in Großbundenbach (Kreis Südwestpfalz), das sich angesichts entsprechenden Baumbestandes sogar „Walnussdorf“ nennt. Die dortige „Pfälzer Genusswerkstatt“ offeriert in ihrem Onlineshop und auf Märkten neben Öl aus dem Schalenobst unter anderem ebenso Walnussnudeln und -likör.
Info
Mehr zum Thema: Plädoyer für Nussbäume und Sorgen um diese
Sehr begrüßt wird das Projekt der Initiative „Pfalz Walnuss“ auch von Werner Ollig, dem Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt. Nicht nur, weil ihm die Idee der besonderen Verarbeitung heimischer Früchte gefällt, sondern ebenso, weil ihm Nussbäume generell am Herzen liegen.
„Die Walnuss ist einmal ein landschaftsprägender Baum der Region gewesen“, betont er. Früher habe an vielen Wingert- und Ackerrändern einer gestanden – heute sehe man leider nur noch ein paar wenige. Und der Bestand sei zum Großteil überaltert und anfällig.
Ollig plädiert daher dafür, wieder mehr Walnussbäume anzupflanzen. Jedem, der genug Platz in seinem Garten oder Feld habe, könne er dies nur empfehlen – gerade auch mit Blick auf den Klimawandel: „Ein Walnussbaum kommt mit Trockenheit gut zurecht und ist durch sein dichtes Laubwerk ein wunderbarer Schattenspender und Sauerstoffproduzent.“
Der Fachmann appelliert außerdem an Besitzer von Walnussbäumen, sich die Freude daran auch nicht verderben zu lassen, wenn Pflanzenkrankheiten oder Schädlingsbefall zu Ertragsverlusten führen. Für derartigen Verdruss sorgen leider insbesondere die vor einigen Jahren in die Pfalz eingewanderte Walnussfruchtfliege und die pilzliche Marssonina-Blattfleckenkrankheit. Beides kann zur Folge haben, dass sich die Fruchthülle schwarz verfärbt und teils zudem der Nusskern geschädigt wird. Dagegen wirksame Pflanzenschutzmittel sind im Haus- und Kleingartenbereich nicht zugelassen. Die Gartenakademie kann jedoch einige Ratschläge zur Vorbeugung geben (Informationen unter www.gartenakademie.rlp.de).