Kirchwald RHEINPFALZ Plus Artikel Hunde töten 15 Schafe bei einer Treibjagd

Moderne und zeitgemäße Jagd sei ohne den Einsatz von Hunden weder tierschutzgerecht noch möglich, betont der Jagdverband.
Moderne und zeitgemäße Jagd sei ohne den Einsatz von Hunden weder tierschutzgerecht noch möglich, betont der Jagdverband.

Das ist das Ergebnis einer unkontrollierten Treibjagd in der Vordereifel. Während die Tierschutzpartei ein Verbot der umstrittenen Methode fordert, verteidigt der Jagdverband sie als zeitgemäß.

Treibjagden werden schon lange von Tierschützern kritisiert. Eine solche ist in Kirchwald (Landkreis Mayen-Koblenz) aus den Fugen geraten. Bereits Anfang Dezember rückte eine Jagdgesellschaft am Ortsrand der weniger als 1000 Einwohner zählenden Gemeinde an. Bei einer Treibjagd – auch Drückjagd genannt – wird das Wild durch Hunde aufgescheucht, um es anschließend erschießen zu können. Die Jagdhunde bewegen sich dabei in der Regel frei, fernab von ihren Besitzern. Genau das wurde 15 Schafen zum Verhängnis.

Gerhard Degen war an diesem Morgen mit seiner Ehefrau Margot und den gemeinsamen Hunden am Kirchwalder Ortsrand spazieren. Sie mussten hastig die eigenen Vierbeiner anleinen, weil zwei große Jagdhunde auf sie zustürmten. „Gott sei Dank ging ihre Fährte anscheinend kurz vor uns ins Feld“, so Margot Degen. Die Treibjagd sei zu diesem Zeitpunkt Hunderte Meter entfernt gewesen. Als sie schon wieder an ihrem Auto ankamen, fiel den Degens ein, dass ihr ehemaliger Nachbar Oliver Hefele im Treibjagdgebiet Schafe hält. Schon von weitem habe das Paar beobachten können, dass zwei Jagdhunde Schafe gerissen haben. „Es lagen schon tote und schwer verletzte Schafe dort“, berichtet Margot Degen. Einer der Jagdgäste habe das Geschehen von einer Wiese aus untätig beobachtet. „Das fand ich am allerschlimmsten“, sagt die Augenzeugin.

„Nur das Nötigste besprochen“

Auch Gerhard Degen erinnert sich noch gut an den Morgen des 3. Dezember. Er habe früher selbst Schafe gehalten und habe schon Ähnliches erlebt. Weil er seinen früheren Nachbarn Hefele nicht erreichen konnte, rief Degen die Polizei. „Der Jagdhüter kam als erster, etwas später noch die Hundebesitzer und der Jagdpächter“, erzählt er. Die Polizei habe die Personalien der Hundebesitzer aufgenommen. „Da wurde nur das Nötigste besprochen, dann sind sie wieder gegangen. Unter den Jagdgästen war selbst ein Polizist“, so Degen. Der Jagdpächter, der die Treibjagd veranstaltete, war trotz mehrfacher Nachfrage nicht bereit, sich gegenüber der RHEINPFALZ zu dem Vorfall zu äußern.

Schafsbesitzer Oliver Hefele kam etwas später zu seiner Herde. „Da lagen schon vier tote Schafe da“, berichtet er. Mit den Jägern habe er sich mittlerweile geeinigt, sodass er zumindest den finanziellen Schaden von der Versicherung erstattet bekommt. Damit sei das Thema für ihn beendet, wie Hefele sagt: „Ich möchte keinen Streit mit der Jägerschaft, das wäre schlecht für das Klima im Dorf. Es macht die Tiere nicht wieder lebendig, wenn ich ein Fass aufmache.“ Die Hundehalter sowie der Jagdpächter sollen sich mehrmals bei ihm gemeldet und entschuldigt haben. Ein Gutachter soll nun darüber entscheiden, wie hoch die Entschädigung ausfallen soll. Pro Schaf rechne er mit etwa 350 Euro, so Hefele, was bei 15 toten Tieren 5250 Euro ergibt. Besonders traurig für Hefele: Einige der gerissenen Schafe waren trächtig. „Ich habe später Embryos in den toten Tieren gefunden“, erinnert sich der Tierbesitzer. Er hofft, dass der Vorfall zum Nachdenken anregt: „Ich glaube nicht, dass es noch einmal so eine Jagd in Kirchwald geben wird.“

Partei fordert Jagdstopp

Die Treibjagd an sich wird schon lange von Tierschützern kritisiert. So auch von Barbara Schwarz, zweite Vorsitzende der Tierschutzpartei Rheinland-Pfalz. Die Südwestpfälzerin fordert ein komplettes Jagdverbot, weiß aber, dass das unrealistisch ist. Stattdessen soll zumindest ein Jagdstopp in allen Naturparks gelten. Schwarz und ihre Partei kritisieren insbesondere die Art und Weise der Jagd. „Wir fordern ein komplettes Verbot von tierquälerischen Jagdmethoden – Fallenjagd, Baujagd, Bogenjagd – und des Einsatzes von Hunden zur Jagd, denn auch zivilrechtlich sind Kämpfe Tier gegen Tier verboten.“

Dagegen stellt sich der rheinland-pfälzische Jagdverband. Treibjagden seien eine zeitgemäße Art der Jagd, verteidigt Verbandssprecher Ron Lux das Vorgehen. „Moderne und zeitgemäße Jagd ist ohne den Einsatz von Jagdhunden weder tierschutzgerecht noch möglich“, ergänzt er.

Den Vorfall in Kirchwald erklärt Lux mit einem Kommunikationsproblem: „Der Pächter hat nach Möglichkeit die Landwirte vor Ort zu informieren. Ob dies passiert ist, können wir Ihnen nicht beantworten. Die Treibjagd birgt wie hier im Fall Konfliktpotenzial, das nur durch zielführende Kommunikation einzufangen ist.“ Ähnliche Fälle bei dieser Form der Jagd seien dem Verband nicht bekannt. Aber: Im Oktober wurden zwei Schafe in der Erdekaut bei Eisenberg von ausgebüchsten Jagdhunden attackiert – ebenfalls während einer Treibjagd. Trotz Bissen in den Schwanz und ins Gesicht überlebten dort allerdings die Schafe.

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