Sparen mit der Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Secondhand-Läden: Wo sogar gebrauchte Schuhe ihren Käufer finden

„Villa Kunterbunt“ in Bad Dürkheim: Ulrike Monath findet die ökologischen Aspekte der Weiterverwendung gebrauchter Ware wichtig.
»Villa Kunterbunt« in Bad Dürkheim: Ulrike Monath findet die ökologischen Aspekte der Weiterverwendung gebrauchter Ware wichtig.

In vielen Kleiderschränken hängen Sachen, die noch nie getragen wurden. Wer bei seinen Klamotten nicht nur sparen, sondern ein paar Euro zusätzlich verdienen möchte, für den kann sich der Gang zum Secondhand-Laden lohnen. Getragene Kleidung zu kaufen, hat viele Vorteile.

Secondhand-Läden gibt es in fast jeder Stadt. Schätzungsweise 12.000 sind es bundesweit. Für Schnäppchenjäger kann es sich lohnen, hier zu stöbern. Und wer eigene Kleidung in Zahlung gibt, kann sogar noch an seinen abgelegten Sachen verdienen.

Olga Zirken liebt ihre kleine Kommissionsboutique „Ideal“ in Bad Dürkheim, die sie vor mehr als 15 Jahren am Kurpark eröffnet hat. Die 63-Jährige kommt aus der Ukraine. Eigentlich ist sie Ingenieurin, fand aber in Deutschland keine Stelle in diesem Beruf. „Ich wollte, dass die Menschen ein bisschen Geld sparen können“, erzählt sie. Für viele sei das Einkaufen in den Modeläden zu teuer: „Und sie sollen sich bei mir wohlfühlen. Das hat funktioniert.“

Markenkleidung könne man in ihrem Laden günstig einkaufen, so Zirken. Die Sachen seien ungefähr um die Hälfte billiger als Neuware. Im Moment verkauft sie Herbst- und Wintermode, aber auch Schuhe und Handtaschen. Für ausrangierte Stücke bietet sie zwischen zehn und 20 Prozent ihres Verkaufserlöses. Dies werde vorher festgelegt. Nach der eher flauen Coronazeit hofft Zirken, dass es jetzt wieder so wird wie vor der Pandemie, denn das Beraten macht ihr Spaß. Sie freut sich, dass auch viele junge Männer gerne in ihrer Boutique einkaufen.

Waren Klamotten früher hochwertiger?

Ein anderes Konzept verfolgt Sami Rehifi in seinem Vintage-Moden-Geschäft „Archiv 32“ in Landau am Rande der Fußgängerzone. Er sucht bei Großhändlern gezielt nach qualitativ hochwertigen Einzelstücken aus früheren Jahrzehnten – beginnend mit den 1930er Jahren. Bei ihm gilt: Je älter, umso besser. „Jedes Kleidungsstück erzählt eine Geschichte“, sagt der 27-Jährige, der sich während des Studiums in die Pfalz verliebt hat. „Neben meinem Interesse für Sozialwissenschaften, Volks- und Betriebswirtschaft habe ich mich schon immer für Mode begeistert“, erzählt er.

Rehifi plädiert dafür, den Konsum einzuschränken und nachhaltiger einzukaufen. Er findet, dass früher jede Marke ihren eigenen Stil hatte, dass Klamotten individueller, haltbarer und schöner verarbeitet waren. „Für jedes Teil gibt es die passende Person“, sagt er. Daher freue er sich stets, wenn jemandem etwas wie angegossen passe. Seinen Laden hat er im Juni 2021 eröffnet und ein turbulentes Jahr erlebt: „Das war eine gute Feuerprobe durch das Auf und Ab mit den wechselnden Corona-Bestimmungen.“ Rehifi will Kunden eine Alternative zu den Billig-Handelsketten bieten: „Die produzieren nur für den Verschleiß. Wer bei mir für fünf bis zehn Euro ein getragenes T-Shirt aus reiner Baumwolle kauft, kann sicher sein, dass es noch lange hält.“

Gehnt nicht ein, verfärbt nicht

Auch Anna Stalter ist der Ansicht, dass nicht alle Kleidungsstücke, die man kauft, neu sein müssen. „Nur neuwertig“, betont sie. In ihrem Secondhand-Laden „Stil-Echt“ in der Neustadter Innenstadt nimmt sie nur Markenware in Kommission. Hochwertige Sachen können ihrer Erfahrung nach länger getragen werden. Stalter findet es schlimm, wenn makellose Sachen im Altkleidercontainer landen. Teilweise werde das ja geschreddert. „Bei uns bleiben die Kleider im Umlauf. Das war vor sechs Jahren meine Motivation, das Geschäft zu übernehmen.“ Der Laden war zu dieser Zeit bereits etabliert, 17, 18 Jahre gibt es ihn schon in der Stadt. Was nach drei Monaten noch nicht verkauft wurde, müssen die Besitzer wieder abholen.

Sehr gut verkaufen sich laut Stalter neben Blusen und Hosen auch Markenhandtaschen und Geldbeutel: „Da bleibt nichts liegen.“ Noch einen anderen Vorteil sieht die Ladenbesitzerin bei gebrauchter Kleidung. Da sie schon mehrfach gewaschen sei, laufe sie weder ein noch verziehe sie sich.

Auch ausgelatschte Treter haben Fans

Witzig findet Anna Stalter, dass auch getragene Schuhe boomen. Von dieser Sparte wollte sie sich eigentlich trennen, musste dann aber feststellen, dass Leute mit breiten Füßen oder anderen Problemen gezielt nach bereits eingelaufenen Schuhen suchen. Stalter ist optimistisch, dass sich ihr Laden trotz steigender Energiekosten halten wird. Er habe Corona überstanden, also schaffe er das jetzt auch noch.

In der „Villa Kunterbunt“ in Bad Dürkheim, die es seit 15 Jahren gibt, stehen die ökologischen Aspekte der Waren aus zweiter Hand im Vordergrund. Hier gibt es Baby- und Kinderkleidung sowie gebrauchtes Spielzeug. „Viele meiner Kunden sind schon als Kinder mit ihren Müttern in den Laden gekommen“, erzählt Mitinhaberin Ulrike Monath. Für Kinder mit Allergien sei es vorteilhaft, dass die Kleider schon oft gewaschen worden seien: „Da sind keine Chemikalien mehr drin.“

Wie Monath sagt, lässt sich bei ihr im Vergleich zum Neukauf mehr als die Hälfte an Geld sparen. Dies gelte zum Beispiel für Playmobil und Lego. „Für anderes Spielzeug bezahlt man oft nur noch ein Drittel. Das ist schon interessant für viele Leute.“ Monath nimmt die Sachen für vier bis fünf Monate in Kommission, damit das Sortiment regelmäßig wechselt. Der Verkäufer bekommt einen Preis genannt, in der Villa wird darauf noch ein Aufschlag erhoben.

Sami Rehifi setzt in Landau auf Mode früherer Tage.
Sami Rehifi setzt in Landau auf Mode früherer Tage.
x