Terrorismus RHEINPFALZ Plus Artikel Hintergründe zum mutmaßlichen IS-Anhänger in Römerberg: ein alter Bekannter

Festnahme in Römerberg
Festnahme in Römerberg

Polizisten stürmen am Montag in Römerberg die Wohnung eines mutmaßlichen IS-Anhängers. Den Ermittlungsbehörden geht damit ein alter Bekannter ins Netz, der wohl schon vor Jahren für Al-Qaida arbeitete.

Es sind Momente, die am Montagmorgen unter den Anwohnern in Römerberg (Rhein-Pfalz-Kreis) Aufsehen erregen. Vermummte Spezialeinheiten sperren die Straße ab, dringen in die Wohnung eines Mannes ein und nehmen ihn fest. So schildern es Augenzeugen der RHEINPFALZ. Die Sorgen in dem Ort sind groß. Was war geschehen? Am Dienstag veröffentlicht die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe eine Pressemitteilung. Sie verdächtigt den Mann der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland.

In Römerberg mag niemand etwas von den Plänen des Festgenommenen gewusst haben. Den Ermittlern ist der Mann indes kein Unbekannter. Laut RHEINPFALZ-Informationen handelt es sich dabei wohl um den 60-jährigen Aleem N. (ganzer Name der Redaktion bekannt). Der gebürtige Pakistaner lebte zuvor unter anderem in Freiburg und Germersheim, bis ihn das Oberlandesgericht Koblenz im Jahr 2009 wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu acht Jahren Haft verurteilte. Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Nachfrage zur genaueren Identität des Mannes nicht äußern. Nach seiner Zeit im Gefängnis zog N. offenbar nach Römerberg, wo er sich weiterhin für terroristische Gruppierungen im Ausland engagierte.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Spitzname „Emir“

Wie aus damaligen Prozessunterlagen hervorgeht, sammelte der Deutsch-Pakistaner über Jahre hinweg Geld und Ausrüstung für terroristische Gruppen in Pakistan und Afghanistan – darunter auch Al-Qaida. Jahrelang reiste N., Spitzname „Emir“, als wichtiger Logistiker zwischen Geldgebern und Anhängern in Europa und Terroristen im Mittleren Osten hin und her. Im Jahr 2007 nahmen ihn Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes fest, ehe er nach Verhören und Folter 2008 nach Deutschland abgeschoben wurde.

Als Kronzeuge in dem Prozess gegen N. trat später dessen Stiefsohn auf. Ihn hatte N. Anfang der 2000er Jahre gemeinsam mit seiner Frau und seinen leiblichen Kindern nach Pakistan gebracht. Der Stiefsohn sollte in einem Terrorcamp selbst zum Kämpfer ausgebildet werden. Jedoch brach der junge Mann mit seiner Familie und lieferte den Ermittlern wichtige Erkenntnisse über die Machenschaften seines Vaters.

Nach der Haft folgte der Kontakt zum IS

2015 endete die Haft für N., der wohl stets fest zu seiner radikal-islamischen Ideologie stand. Bis zu seinem letzten Tag im Gefängnis verweigerte er jeglichen Dialog mit den Behörden. Nach seiner Zeit in Haft wurde N. vermutlich wieder für terroristische Gruppen, wie den Islamischen Staat (IS), in Deutschland aktiv. So geht es aus der Mitteilung der Bundesanwaltschaft hervor. Die Ermittlungsbehörden hatten den Mann dabei vermutlich stets im Blick.

Seit wann die Bundesanwaltschaft N. wieder ins Visier nahm, dazu möchte sie sich nicht äußern. Aus den öffentlich zugänglichen Ermittlungsergebnissen geht bisher hervor, dass N. spätestens im September 2020 über die Türkei ins IS-Gebiet nach Syrien reisen wollte. Dort habe er sich militärisch ausbilden lassen wollen, um in dem Bürgerkriegsland für den IS zu kämpfen und an Anschlägen mitzuwirken. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Ende Oktober 2020 kehrte N. nach Deutschland zurück.

Zwei Reisen nach Syrien scheiterten

Da N. nicht die Möglichkeit hatte, in Syrien zu kämpfen, versuchte er laut Bundesanwaltschaft stattdessen, in Deutschland für den IS zu arbeiten. Spätestens ab April 2021 habe er umfangreiche Propagandatätigkeiten ausgeführt: „Seine Aufgabe bestand vor allem darin, offizielle Texte, Videos oder Audiobotschaften des IS aus dem Arabischen ins Deutsche zu übersetzen und auf verschiedenen Kanälen des Messenger-Dienstes Telegram im deutschsprachigen Raum zu verbreiten.“ Über den Umfang und die Inhalte der Werke machen die Ermittler bisher keine Angaben.

Seinen Wunsch, aktiv für den IS in Syrien zu kämpfen, gab N. jedoch wohl nicht auf. Denn noch im Spätherbst 2021 habe der Mann aus Römerberg an einer telefonischen Befragung durch Verantwortliche des IS teilgenommen. Dabei soll die „Zuverlässigkeit des Beschuldigten“ durch die IS-Männer überprüft worden sein. Jedoch ohne Erfolg. Ein zweiter Ausreiseversuch ins IS-Gebiet scheiterte im Januar 2022 erneut.

Alle diese Bestrebungen reichten der Bundesanwaltschaft für eine Verhaftung aus. Am Montag folgte schließlich der Zugriff. Mittlerweile sitzt N.in Untersuchungshaft.

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