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Montag, 07. Mai 2018 Drucken

Kultur

Hofmusik zwischen den Zeiten

Schwetzinger Konzert mit Unbekanntem

Von Sigrid Feeser

Mit der Schwetzinger Hofmusik-Akademie erinnern die Schwetzinger Festspiele an die große Zeit der Musikpflege am Hof des Kurfürsten Carl Theodor. Die war 1778 mit dem Umzug des Hofes nach München zu Ende. Geblieben sind Komponisten, die sich neu orientieren mussten. Davon erzählte musikalisch ein Konzert der Camerata Villa Musica im Rokokotheater des Schlosses.

Zwischenstopp in Schwetzingen. Zwischen dem 3. (Schloss Engers Neuwied) und dem 6. Mai (Congressforum Frankenthal) gab es mit laut Ankündigung möglicherweise etwas verändertem Programm Mannheimer „Hofmusik“ satt. Die Anführungszeichen sind berechtigt, denn seit der Neujahrsnacht 1778 war es aus mit der Musikblüte am Mannheimer Hof. Kurfürst Carl Theodor musste nach München, und in Mannheim begann unaufhaltsam der Abstieg der höfischen und der Aufstieg die bürgerlichen Zeit im Musikbetrieb. Mit der Ouvertüre zu Shakespeares „Hamlet“ von Georg Joseph „Abbé“ Vogler hatte die von Werner Erhardt ebenso kompetent wie leidenschaftlich befehligte Camerata Villa Musica so ein Werk des Übergangs im Angebot. Ende 1778 in Mannheim uraufgeführt, macht die laut Programmheft „erstmalig“ auf Shakespeares Drama zugeschnittene Einleitung, sozusagen, Musikgeschichte. Aber keinen Eindruck, den man als nachhaltig notieren möchte.

So die weiteren Stücke im Programm der Gäste. Die 18 02 in Offenbach gedruckte „Sinfonie à grand orchestre“ von Johann Evangelist Brandl (Hofkapellmeister in Bruchsal, ab 1808 badische Hofkapelle in Karlsruhe) ist ordentliche Handwerkskunst, aber nicht mehr. Gleiches und noch mehr gilt für die von Joseph Aloys Schmittbauer angefertigte Sinfonia „bey Gelegenheit der Höchsten Vermählung“ (gemeint ist die zweite Eheschließung von Maximilian Joseph von Zweibrücken- Birkenfeld mit der badischen Prinzessin Karoline), die sich sehr um Originalität bemüht, aber ihre musikwissenschaftlich erfolgte Exhumierung wohl besser nicht erlebt hätte. Heißt, das in Zusammenarbeit von Landesstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz, der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik und dem Mainzer Studienkolleg „Barock vokal“ organisatorisch und wissenschaftlich sauber abgesicherte Konzert konnte nicht wirklich für jene zwischen Hofkunst und Aufbruch fokussierte Epochenwende sensibilisieren.

Rühmenswert: Zwei Sopran-Arien aus Niccolò Jommelis „Didone abbandonata“ (mit eindrucksvollem Engagement gesungen von Mayan Goldenfeld) und eine Es-Dur-Sinfonie von Anton Fils, der als Cellist in die Mannheimer Hofkapelle aufgenommen wurde und 1760 mit 26 Jahren starb. Was er der Musikwelt noch hätte geben können, sein früher Tod hat es vereitelt.

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