Zweibrücken
Zwillenschüsse: Polizei hat zwei Männer in Verdacht
Am Mittwochmorgen haben Ermittler gegen 10 Uhr die Wohnungen zweier Männer im Zweibrücker Stadtgebiet durchsucht. In einer davon wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Dieses könnte auf die Täterschaft in der bislang rätselhaften Serie von Attacken mit runden Stahlgeschossen auf Fahrzeuge und Gebäudefenster schließen lassen.
Wie die Zweibrücker Polizei am 29. September in einer Presseerklärung mitteilte, sind den Ordnungshütern bei einer nächtlichen Kontrolle zwei Männer im Alter von 40 und 22 Jahren aufgefallen. Dem Jüngeren hätten die Beamten vor Ort eine Zwille abgenommen. Daraufhin habe die Zweibrücker Staatsanwaltschaft später beim Ermittlungsrichter am Amtsgericht Durchsuchungsbeschlüsse für die Wohnungen der beiden Tatverdächtigen erwirkt. Ermittelt werde wegen einer – so verlautete wörtlich – „Sachbeschädigungsserie mit acht Taten“. Öffentlich bekannt waren bis dato nur sechs Vorkommnisse, bei denen im September in Zweibrücken mit Zwillen, womöglich auch Luftdruckwaffen, geschossen wurde. Auf Nachfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass inzwischen acht einschlägige Anzeigen vorlägen. Nähere Angaben zu den beiden weiteren Fällen machte sie aber nicht.
Polizei findet Zwillen, viele Kugeln und Leder
Wie die Polizei in ihrer Mitteilung weiter ausführt, wurden am Mittwochvormittag beim Durchsuchen der Wohnung des 22-Jährigen folgende Beweismittel sichergestellt: „Zwei gebrauchsfertige Zwillen, davon eine aus Metall und eine aus Kunststoff, 18 Stahlkugeln à vier Millimeter, 54 Stahlkugeln à sechs Millimeter, 21 Stahlkugeln à acht Millimeter, 64 Kunststoffkugeln à acht Millimeter sowie mehrere Gummibänder – bereits verbunden mit Aufnahmematerial aus Leder zum Verschießen von Geschossen – und loses Ledermaterial.“
In den früheren Polizeiberichten nach den bislang bekannten Einzeltaten war von Stahlkugeln mit fünf Millimeter Durchmesser die Rede.
In der Wohnung des 40-jährigen zweiten Mannes hätten die Ermittler hingegen „keine verfahrensrelevanten Gegenstände aufgefunden“, heißt es. Die beiden Verdächtigen sollen bestreiten, dass sie die Sachbeschädigungen begangen haben. Die Ermittlungen dauern an. Die Männer sind zurzeit auf freiem Fuß.
Kontrolle erfolgte bereits am 17. September
Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Matthias Mahr, Leiter der Polizeiinspektion Zweibrücken, dass der Text der Presseerklärung vom Donnerstag mit der Zweibrücker Staatsanwaltschaft abgestimmt sei. Daher könne er derzeit über die Inhalte dieser Mitteilung hinaus keine weiteren Angaben zu dem möglichen Fahndungserfolg und den bislang gewonnenen Erkenntnissen machen.
Die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt deutete am Donnerstag gegenüber der RHEINPFALZ an, dass die sichergestellten Beweismittel „grundsätzlich“ zu den an den Tatorten aufgefundenen Stahlkugeln passen könnten. Auf Nachfrage ergänzte Weingardt, dass die genannte nächtliche Kontrolle der beiden Männer „ausweislich der bisher vorliegenden polizeilichen Unterlagen“ bereits am Samstag, 17. September, erfolgt sei. Also zu einem Zeitpunkt, an dem die Serie mit Stahlkugel-Schüssen noch am Laufen war. Den kontrollierenden Polizeibeamten, so die Oberstaatsanwältin weiter, sei die Serie damals noch nicht bekannt gewesen.
Bislang bekannte Zwillenschüsse
- 8. September: In der Landstuhler Straße werden Glasscheiben zweier fahrender Linienbusse beschädigt. Die Fahrer bemerken die Schäden erst später. In den Bussen werden keine Geschosse gefunden. Auch die Insassen scheinen nichts bemerkt zu haben. Der Sachschaden wird auf 2500 Euro geschätzt.
- 16. September: Eine Stahlkugel durchschlägt um 15.30 Uhr die Windschutzscheibe eines Kran-Lastwagens, der wegen Bauarbeiten auf dem Schlossplatz steht. Der Fahrer hört einen Knall; im Laster findet sich eine Kugel mit einem halben Zentimeter Durchmesser. Der Schaden soll 1000 Euro betragen.
- 16. September: Mittags wird die Beifahrertür eines Ford-Personenwagens eingebeult, der in der Bleicherstraße parkt. Offenbar steckt auch hier eine Stahlkugel dahinter. Schaden: etwa 1500 Euro.
- 21. September: Gegen 21 Uhr zertrümmert eine Stahlkugel das Fenster einer Wohnung in der Virginiastraße. Die Wohnungsinhaberin vernimmt einen lauten Knall, kann aber keinen Täter mehr sehen. Schaden: 1000 Euro
- 23. September: Mit Stahlkugeln wird mittags die Eingangstür zu einem Geldautomatenschalter der Sparkasse Südwestpfalz auf dem Kreuzberg beschossen. Hier beträgt der Schaden 2500 Euro.