Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Amateur-Fußballklubs befürchten: „Wir könnten auf der Strecke bleiben“

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Hintergrund: Das Coronavirus wirbelt alles durcheinander. Auch im Sport ist nichts mehr, wie es mal war. Die Spiele der Amateurfußballer im Südwesten sind bis einschließlich 20. April abgesetzt. Die RHEINPFALZ hat sich bei einigen Vereinen im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken umgehört, wie sie mit der neuen Lage umgehen.

„Existenz-Angst in der Bundesliga“ lautete dieser Tage im Internet eine Überschrift. Das Schicksal der Vereine, die in den unteren Amateurklassen aktiv sind, wird eher von den regionalen Medien beleuchtet, die Corona-Krise wirkt sich auch auf den 200-Mitglieder-Klub um die Ecke verheerend aus. Der Stopp des Spielbetriebs bedeutet Einnahmeverluste, die Spielstätten müssen aber trotzdem gewartet und gewässert werden.

Wendel: Kein Schrank voller Geld

„Das ist existenziell.“ Wolfgang Wendel, Vorstand des B-Klassisten SV Hornbach, macht sich ernsthaft Gedanken ums Überleben seines Vereins. „Seit Dezember haben wir nur ein Spiel ausgetragen“, sagt er, der SVH sei jetzt im vierten Monat fast ohne Einnahmen. „Und im Januar kommen immer die Abbuchungen und Rechnungen. Da läuft finanziell einiges auf“, beklagt Wendel eine erhebliche Schieflage im Verhältnis der Einnahmen zu den Ausgaben. Der Hornbacher Vorstand hat „keinen Schrank voller Geld“, wie er sagt. Nennenswerte Rücklagen könne man als Vertreter in einer der unteren Amateurklassen kaum bilden. „Unsere Anlagen müssen unterhalten werden“, sagt Wendel weiter, zu den Kosten für Strom und Heizung kämen auch noch die Trainergehälter. Konkrete Zahlen will Wendel nicht nennen. Die Trainergehälter werde man in der trainings- und spielfreien Zeit womöglich aussetzen.

Der SVH-Vorstand kann als einzige Einnahmequelle derzeit lediglich die Mitgliedsbeiträge nennen, die würden vierteljährlich fällig. Sie könnten aber höchstens als „kleine Spritze“ betrachtet werden. Dass der Verband den notleidenden Klubs hilft, wagt Wendel kaum zu hoffen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass davon in der A-, B- und C-Klasse etwas ankommt. Wir könnten auf der Strecke bleiben.“

SG Knopp/Wiesbach at zwei Plätze zu unterhalten

Auch Knopps Vorstand Steffen Mayer zeichnet ein trübes Bild der Situation. „Für jeden Verein geht’s ums Ganze“, sagt er. Der FC Knopp, der in Spielgemeinschaft mit dem SV Wiesbach in der Bezirksliga und der zweiten Mannschaft in der C-Klasse aktiv ist, müsse den großen Rasenplatz am Wieselbornerhof und zusätzlich den kleinen Platz in der Dorfmitte bewässern und unterhalten. Ob auf letzterem das traditionelle Sportfest an Pfingsten stattfinden kann, zweifelt Mayer stark an. Es sei denn, die Lage entspanne sich bis Ende Mai, die Infektionszahlen sprächen aber eine andere Sprache.

„Von der Saison haben wir uns schon verabschiedet“, bedauert der Knopper Vorstand. Bis wieder einigermaßen Normalität herrsche, werde es wohl eine ganze Weile dauern. Auf staatliche Hilfe könne ein Verein sicher nicht hoffen, die öffentliche Hand unterstütze mit Zuschüssen eher kleine Betriebe und die Gastronomie. Dabei sei auch ein Sportverein kulturell wichtig. Mayer glaubt als Hilfe höchstens an Steuerstundungen und ähnliche Maßnahmen.

Contwig: 100-Jahr-Feier fraglich

Peter Ehrmantraut, Vorstand des SV Palatia Contwig, hätte mit seinem Verein dieses Jahr gerne in Ruhe das 100-jährige Bestehen der Palatia gefeiert. Für Anfang Juli war ein großes Jubiläumssportfest geplant, hinter der Veranstaltung stehen wegen der Corona-Krise derzeit mehrere sehr dicke Fragezeichen. Ehrmantraut sieht mittelfristig Finanzierungsprobleme auf den Traditionsverein zukommen, momentan seien der Vorstandschaft aber die Hände gebunden. Dass man beispielsweise das große Sportheim nicht nutzen könne, sei ein mächtiger Schlag ins Kontor. Peter Ehrmantraut verfolgt derzeit genau, welche Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung es gibt. Eine Möglichkeit sei vielleicht, für eine Weile nicht alle Beiträge an den Südwestdeutschen Fußball-Verband (SWFV) abführen zu müssen, auch steuerliche Erleichterungen wären seiner Auffassung nach dringend nötig: „Dass man uns beispielsweise bei der Körperschaftssteuer entgegenkommt.“

TSC: Reserven können draufgehen

Auch beim TSC Zweibrücken hofft man auf Unterstützung durch den Verband, wie Vorstandsmitglied Stephan Heidenreich sagt. Man habe nicht den Vorteil, auf städtischem Gelände Fußball zu spielen, müsse für die Unterhaltung der Anlagen selbst aufkommen. „Die Reserven gehen drauf, wenn die Krise lange anhält“, sagt er.

Der Sportclub habe die Spielerprämien und Trainergehälter ausgesetzt, das gleiche gelte für die Raten, mit denen das Darlehen für den Sportplatzumbau bezahlt wird. „Aber Strom, Wasser und Versicherungen laufen weiter“, unterstreicht Heidenreich. Dass das Sportheim bislang bis 18 Uhr öffnen konnte, sei noch ein positiver Aspekt gewesen. Bei den jetzt verkündeten noch strengeren Maßnahmen werde die wirtschaftliche Situation noch schwieriger.

FCK: Versammlung abgesagt

Der FC Kleinsteinhausen hat vorsorglich seine für Ende April angesetzte Jahreshauptversammlung abgesagt. „Wir haben viele ältere Mitglieder“, verdeutlicht Vorstand Alexander Pfeifer, auf deren Gesundheit müsse man Rücksicht nehmen. Pfeifer geht nicht davon aus, dass der C-Klassen-Verein durch den ruhenden Spiel- und Sportheimbetrieb in den Ruin getrieben wird. „Es ist eine schwierige Situation, das Geld fehlt. Aber wir werden es überleben“, glaubt er. Seine Einschätzung sei in zwei, drei Monaten aber noch mal zu überprüfen, man könne nicht vorhersagen, wie sich die Lage entwickle. „Und dass im Juli unser Sportfest stattfindet, wage ich derzeit nicht zu hoffen“, sagt Pfeifer. Besagtes Sportfest sei jedes Jahr ein Umsatz-Höhepunkt seines Vereins.

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