Zweibrücken
Warum der Hornbach für 430.000 Euro wieder ein wenig von seinem früheren Zustand bekommt
Schreitbagger heißt das Gerät, das seine Teleskop-Beine im Gewässer verankern kann. Es half mit, den Hornbach wieder natürlicher fließen zu lassen. Bis zum Jahr 2027 sollen europaweit alle Fließgewässer ökologisch deutlich verbessert werden. „Das hat jetzt nichts mit gutem oder schlechtem Trinkwasser zu tun, wenn ich sage, der Status Quo in der Westpfalz ist immer noch betrüblich, und es gibt sehr viel zu tun“, hob Hannes Kopf, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, am Dienstagnachmittag bei einer Baubesichtigung hervor. Die SGD Süd ist bei uns zuständig für diese Projekte.
Regelrecht in ein Korsett gezwängt
Dass sich am Hornbach etwas tut, sei auch dringend notwendig, da er sich aktuell an vielen Stellen sehr akkurat darstelle. „Da hat man es, ich möchte es mal so ausdrücken, in den 1920er Jahren gut gemeint und ordentlich aufgeräumt“, skizzierte Kopf die verloren gegangene Natürlichkeit durch die Menschen. Das Gewässer sei regelrecht in ein Korsett gezwängt worden. Alles wurde damals begradigt, Seitenwände inklusive Flussbett. Man wollte einen möglichst ständigen und zusätzlich flotten Durchfluss haben, um die Ortslagen vor Hochwasser zu schützen. Darüber hinaus sollte das eingeleitete Schmutzwasser von Gewerbetreibenden schnell wegfließen.
Konstantin Kempf von der SGD Süd Regionalstelle Wasserwirtschaft in Kaiserslautern, der für den 1,8 Kilometer langen, aufgewerteten Abschnitt in Zweibrücken zuständig war, sieht diese Maßnahmen von damals, „aus purer Not heraus gemacht“. Die damaligen bayrischen Hochwasserbau-Ingenieure sahen in dem natürlichen Verlauf des Bachs und den naturnahen Seitenwänden erhöhtes Hochwasserpotenzial. Man griff zu Schaufel und Eimerkettenbagger und räumte auf. Dass dies eine Fehleinschätzung war, das könne man an zwei massiven Überschwemmungen in Zweibrücken festmachen. Kempf erinnerte an die verheerende Hochwasserflut vom 12. Januar 1920, die gleichzusetzen sei mit der Überflutung vom 21. Dezember 1993. Die Begradigung des Verlaufs sei ein Fehler gewesen: „So, wie man den Hornbach heute kennt, hat das nichts mehr mit naturbelassenem Gewässer zu tun“, zeigte der Bauleiter bei der Bauabnahme auf.
„Schlimmer geht nimmer“
Mit Kategorie 7 ist der Hornbach auf der höchsten Stufe der Strukturgüterklassifizierung eingeteilt, was bedeutet, dass er vollständig verändert ist. „Ganz profan ausgedrückt: Schlimmer geht nimmer.“ Die Nähe zur Autobahn und zum Gewerbe- und Wohngebiet auf der gegenüberliegenden Bach-Seite, hätten die Arbeiten erheblich erschwert. Wären keine Häuser dagewesen, hätte man ein paar Schlingen eingebaut. Dafür war aber kein Platz, und man musste sich an die vorgegeben Maße halten.
Dafür bekam der Bach sogenannte Buhnen, die man als kleine Dämme bezeichnen kann, die meist rechtwinklig zur Fließrichtung eingebaut werden. Auch der Untergrund wurde verändert, etwa mit Kies, so dass sich die Strömung verändert und kleine Wirbel entstehen. So entsteht für die Wassertiere wieder ein hochwertigerer Lebensraum. Unterstände für die zwölf im Hornbach beheimateten Fischarten – zum Ablaichen und zum Schutz vor natürlichen Feinden – wurden ebenfalls eingebaut. Zuvor war sichergestellt worden, dass diese Maßnahmen nicht zu Überschwemmungen führen. 430.000 Euro hat alles zusammen gekostet. Ein Zehntel zahlt die Stadt, der Rest kommt aus EU-Fördertöpfen.
Auch eine Panzerfaust gefunden
Wie beim Ausbau von Straßen oder Baugebieten muss auch bei Gewässern sichergestellt sein, dass keine Blindgänger aus dem Krieg mehr im Bachbett liegen. Alleine diese Kosten beliefen sich auf 50.000 Euro. Gefunden wurden dabei zwei, drei kleinere Munitionsreste und eine Panzerfaust, wie der Bauleiter berichtete. Im übernächsten Jahr wird die Renaturierung fortgesetzt. Dann ist der Schwarzbach bis zur Landesgrenze und zur Einmündung in den Hornbach dran.