Zweibrücken
Papierkram an langer Wartezeit bei Impf-Aktion schuld
Hans Prager, der Chef des Roten Kreuzes sagte, zwei Drittel der 508 Impflinge hätten sich ihre Drittimpfung geholt. Sie wird auch Booster- oder Auffrisch-Impfung genannt. Das übrige Drittel habe sich eine Erst- oder Zweitimpfung verabreichen lassen.
Am Mittwoch hatte ein von der Landesregierung entsandter Impfbus in Zweibrücken Station gemacht. In diesem Bus, der auf dem Alexandersplatz stand, sollte von 10 bis 17 Uhr jeder Interessent unangemeldet geimpft werden. Aber schon bevor der Bus seine Tür öffnete, hatte sich eine sehr lange Schlange gebildet – und es war absehbar, dass die Impfwilligen etwa zwei Stunden in der Kälte würden warten müssen, bis sie dran sind. Deshalb entschloss sich das Rote Kreuz kurzerhand, das stillgelegte Impfzentrum in der ehemaligen Kaufhalle aufzusperren, um die Menschen im Warmen impfen zu können. Obwohl das Rote Kreuz zusätzliches Personal herbeiholte, dauerte es bis nach 18 Uhr, bis jeder versorgt war, der eine Spritze haben wollte.
Wäre in vier Stunden machbar gewesen
Das hatte zwei Gründe: Erstens war der Andrang groß. Zweitens kostete der Papierkram viel Zeit. Prager sagte zur RHEINPFALZ: „Wenn nicht der endlose Schriftkram wäre, dann wären wir in vier Stunden durch gewesen.“ Prager sagte, der Papierkram, den das Land verlange, sei so aufwendig wie bei der Erst- oder Zweitimpfung im Impfzentrum. Auch eine neuerliche Aufklärung sei Pflicht. Prager kritisierte: „Wenn Sie sich gegen die saisonale Grippe oder gegen was anderes impfen lassen, dann entfällt dieser gesamte Papierkram. Warum kann man das bei der Drittimpfung gegen Corona nicht auch weglassen?“ Er verglich die Aktion am Mittwoch mit einem Impf-Einsatz bei der Kimmle-Stiftung vor Monaten. „Damals hatten wir in etwa genauso viele Menschen geimpft wie am Mittwoch, waren aber in vier Stunden durch, obwohl damals zum Teil schwerstbehinderte Menschen geimpft wurden.“ Warum ging’s damals schneller? Prager: „Weil kaum Verwaltungsarbeit anfiel.“
Prager beobachtete am Mittwoch, dass die Impfwilligen bunt gemischt waren: ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen Altersgruppen. Unter den Erstimpflingen seien auch recht viele gewesen, die einer Impfung zuvor skeptisch bis ablehnend gegenübergestanden hätten. Jetzt hätten sie sich doch impfen lassen. Wegen des gesellschaftlichen Drucks oder aus Angst vor einer Corona-Erkrankung? Prager dazu: „Mein Eindruck ist: eher aus Angst vor der Krankheit.“
Keine Signale empfangen
Der Geschäftsführer des Roten Kreuzes hatte am Mittwoch gefordert, das Zweibrücker Impfzentrum wieder zu öffnen, um alle Impfwilligen in der Region Zweibrücken zügig versorgen zu können. Hat die Landesregierung seinen Wunsch erhört? Prager dazu: „Wir haben keine entsprechenden Signale empfangen. Im Gegenteil: Das Gesundheitsministerium hat uns heute mitgeteilt, dass eine Öffnung der Impfzentren nicht geplant ist. Stattdessen soll die Anzahl der Impfbustermine verdoppelt werden. Damit werden wir der Nachfrage aber nicht gerecht.“ Am 1. November hatte Matthias Freyler, der Verantwortliche fürs Zweibrücker Impfzentrum, zur RHEINPFALZ gesagt, dass das Impfzentrum am Busbahnhof innerhalb einer Woche öffnen könnte, wenn aus Mainz grünes Licht käme.