Zweibrücken
„Mittagessen und Bringservice will man nicht mehr missen“
„Das Datum reimt sich sogar. Zweiter Mai 2003.“ Seit diesem Tag zeigt Wolfgang Krähe in und um Zweibrücken regelmäßig mit seinem Infostand Präsenz, an dem er für die RHEINPFALZ wirbt und Abonnements akquiriert. Seit der Corona-Pandemie schlägt der 69-Jährige seine Zelte meist in der Hallplatz-Galerie auf. Dort kommt er Tag für Tag mit Passanten ins Gespräch, die sich zum Mittagessen oder für eine Tasse Kaffee im Bistro niederlassen, die etwas Neues zum Anziehen kaufen, ihren Lottoschein abgeben oder ihre Einkäufe im Cap-Markt erledigen.
„Gerade der Cap-Markt ist derzeit in aller Munde“, stellt Wolfgang Krähe fest. Seit der Supermarkt – ein Integrationsbetrieb der Heinrich-Kimmle-Stiftung – wegen angekündigter Mietforderungen von der Schließung bedroht ist, „gibt es hier in der Hallplatz-Galerie kaum noch ein anderes Gesprächsthema“.
Unterschriftenliste liegt aus
Tatsächlich: Soeben räumt eine ältere Dame mit Rollator an der Kasse des Cap-Markts ihre Einkäufe in die Tasche. Und jetzt muss sie den jungen Mann am Kassenband aber doch mal fragen. „Ich hab’ gehört, ihr macht zu. Stimmt das?“ Als Antwort erhält sie ein bedauerndes Schulterzucken und den Hinweis, dass auch die Beschäftigten im Markt noch nicht so recht wissen, ob und wie es weitergeht. Der Kassierer deutet auf die Unterschriftenliste, die am Ausgang des Supermarkts ausliegt. Knapp 2800 Kunden sollen es inzwischen sein, die mit ihrer Signatur Solidarität mit dem Cap-Markt und dessen Personal bekundet haben. Die Frau schüttelt den Kopf und setzt ihre Unterschrift auf die Liste.
Wenige Schritte weiter in der Galerie, am RHEINPFALZ-Infostand, geht es Wolfgang Krähe ganz ähnlich. „Mich sprechen auch laufend die Leute an. Die Enttäuschung ist riesengroß“, beobachtet der Dellfelder. „Gerade bei der älteren Generation herrscht das reinste Entsetzen. Die kommen ja jeden Tag hierher, um sich im Cap-Bistro ihr Mittagessen abzuholen. Und den Bringservice, dass das Team vom Cap-Markt die Einkäufe auf Wunsch nach Hause liefert, wollen viele ältere Leute nicht mehr missen.“
Gedrückte Stimmung
„Die Kundschaft hofft halt, dass sich am Ende eben doch noch alles zum Guten wendet“, beobachtet Krähe bei den Passanten, aber auch bei den betroffenen Mitarbeitern „große Unsicherheit. Richtig Bescheid weiß hier ja keiner. Auch die Leute vom Cap-Markt sagen mir, dass sie nicht richtig informiert sind.“ Die Stimmung unter dem Kuppeldach der Galerie sei gedrückt. „Man hofft, dass es weitergeht. Aber so richtig daran glauben können die Leute nicht.“ Immerhin: Seit bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung Gespräche mit den Vermietern – dem Berliner Immobilienfonds Mimco – aufgenommen hat, „konnte sich die Stimmung in den letzten Tagen ein bisschen beruhigen. Jetzt ist man gespannt, ob dabei eine gute Lösung herauskommt.“
Wie Wolfgang Krähe berichtet, hätten manche Kunden Kritik daran geäußert, „dass der Immobilienfonds in der Hallplatz-Galerie die Mieten schon erhöht, bevor hier überhaupt renoviert worden ist“.
Bistro ein wichtiger sozialer Treffpunkt
In den Augen des Dellfelders spielt der Cap-Markt in der Hallplatz-Galerie „eine entscheidende Rolle bei der Nahversorgung hier in der nördlichen Innenstadt. Die Kundschaft hat jetzt regelrecht Angst. Das sagt hier so gut wie jeder. Und für die Mitarbeiter im Geschäft wäre das ja auch ganz schlimm.“ Gleiches gelte für das Bistro im Innenraum der Galerie, das ebenfalls von der Heinrich-Kimmle-Stiftung betrieben wird. Wolfgang Krähe: „Das Bistro ist ein ganz wichtiger sozialer Treffpunkt für diese Zweibrücker Gegend. Das haben mir auch die Ärzte bestätigt, die hier ansässig sind.“