Handball
Große „Vorliebe“ der Zweibrücker SV-Damen für Pfosten und Latte
Klack. Batsch, klack. Man mochte schon nicht mehr hinhören, geschweige denn hinschauen. Immer wieder Pfosten, Latte, Innenpfosten, raus. Das berühmt gewordene Zitat des Fußballers Jürgen Wegmann, dass zum fehlenden Glück auch noch Pech hinzukommt, durften die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken am Samstag getrost für sich in Anspruch nehmen. 3:1 führten die Gäste nach sieben Minuten. Dann traf zunächst Lucy Dzialoszynski die Latte, im nächsten Angriff warf Annalena Frank an den Pfosten. Statt 3:3 bot sich den Gästen die Chance, frühzeitig wegzuziehen.
Die nutzten sie. Die zehnfache Torschützin Kira Enders traf zum 4:1 und Maureen Werling über die zweite Welle zum 5:1. Das Wurfpech sollte den Zweibrückerinnen treu bleiben. Latte, Pfosten, Innenpfosten – das zog sich über die 60 Minuten als Muster durch. Und es war mit ein Grund dafür, warum das letzte Heimspiel 2021 mit einer deutlichen 22:36-Niederlage gegen den Tabellendritten TV Bodenheim endete. „Dass wir verlieren, damit war zu rechnen gewesen. Dass es so deutlich wird, damit habe ich ehrlicherweise nicht gerechnet“, bekannte SV-Trainer Rüdiger Lydorf.
SV-Team kann die Nahtstellen nicht schließen
So groß, wie es das Ergebnis letztlich anzeigte, war der Unterschied zwischen beiden Teams nicht. Aber Bodenheim war sehr effektiv. „Wir freuen uns, dass es mal nicht so knapp ausgegangen ist“, sagte Jona Reese, normalerweise Bodenheims Top-Torschützin, die vor allem Treffer vorbereitete. Zum ersten Mal in dieser Saison knackten die Bodenheimerinnen deutlich die 30-Tore-Marke.
Das hatte mehrere Gründe, nicht nur die „Vorliebe“ der Zweibrückerinnen für Pfosten und Latte. Körperlich war die SV-Abwehr nicht in der Lage, die Nahtstellen zu schließen. „Sie wird jedes Mal überlaufen“, analysierten Frank und ihre Nebenfrau Jasmina Zimmermann, als die vorgezogen deckende SV-Abwehrspielerin mal wieder nur zusehen konnte, wie Reese und Enders im Zusammenspiel die erste als Bastion gedachte SV-Abwehrreihe locker überwanden. Und Frank und Zimmermann schafften es nicht, die entstehende Lücke zu schließen. „Wir stehen im Moment nicht kompakt genug in der Abwehr“, bestätigte Lydorf. Er versuchte von außen die Defensive immer wieder lautstark zu ordnen. „Kompakt, kompakt stehen“, forderte er immer wieder. Was nur bedingt Erfolg zeigte.
Fehlende Effektivität der Zweibrückerinnen
Bodenheims Trainer hatte zudem eine weitere Schwäche der Zweibrückerinnen genau analysiert: die Anfälligkeit für Tore von der Außenbahn. „Ihr müsst vor den Kreis kommen und dann raus“, justierte er den Angriff ein. Die Offensive setzte seine Anweisung um, zog schon im ersten Abschnitt deutlich davon. Das trug in der Summe nicht dazu bei, einem Zweibrücker Team, das seine Grundordnung in dieser Formation nicht gefunden hat, mehr Sicherheit zu verleihen.
In der Spielanlage war das junge, personell schwer gebeutelte Zweibrücker Team – mit Kathrin Hoffmann versuchte eine erfahrene Stand-by-Spielerin immer mal wieder Ruhe reinzubringen – nicht schlechter aufgestellt als Bodenheim. In der Effektivität, sowohl was Abwehr als auch Angriff anbelangt, war es aber ein klarer Unterschied. Das führte zum hohen, letztlich zu hohen Bodenheimer Sieg. Ein Trost für die SV-Damen: Am Ende der weihnachtlichen Auszeit wird die Personaldecke wieder stärker sein. Das könnte dazu beitragen, dass aktuelle Probleme in Angriff und Abwehr überwunden werden.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Zahm, Huber (26. - 60.) - Baus (4), Dzialoszynski (4), Frank (8/2) - Bullacher, Zimmermann (3) - Müller – Luga (1), Hilz, Hoffmann (2)
TV Bodenheim: Schepky - Geiß (7), Tomaschek (5), Jona Reese (4) - Enders (10), Seil - Werling (1) – Sinsel, Emily Reese (6/4), Zimmermann (1), Arens, Sager (2)
Spielfilm: 1:5 (9.), 6:14 (22.), 10:19 (Halbzeit), 15:30 (48.), 22:36 (Ende) - Zeitstrafen: 1:0 - Siebenmeter: 4/2 - 5/4 - Beste Spielerinnen: Frank - Enders, Jona Reese, Tomaschek - Zuschauer: 40 - Schiedsrichter: Meyer/Hemmer (Pfälzer HV).