Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel 44 Sitzenbleiber an Gräfenauschule: Ministerium zeigt sich „überrascht“

An der „Gräfenau“ haben 98 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund.
An der »Gräfenau« haben 98 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund.

Das Mainzer Bildungsministerium zeigt sich „überrascht“, dass an der Gräfenauschule im Ludwigshafener Hemshof erneut so viele Kinder die erste Klasse wiederholen müssen. Stand heute könnten es laut Schulleiterin Barbara Mächtle insgesamt 44 sein. Die Ursachen für diese Entwicklung will das Ministerium nun in engem Kontakt mit der Schulleitung und dem Kollegium erörtern.

Angesichts der „massiven Unterstützung“, die an der Gräfenauschule angekommen und seit einem Jahr noch einmal deutlich ausgebaut worden sei, „überrascht uns die Ankündigung der Schulleitung in den Medien, dass möglicherweise erneut mehr Kinder die erste Klasse wiederholen werden“. So teilt es ein Sprecher des Ministeriums mit. Bemerkenswert ist diese Einschätzung vor allem deshalb, weil es in derselben Pressemitteilung heißt, „das Ministerium, die Schulaufsicht und das Pädagogische Landesinstitut haben die Situation der Ludwigshafener Grundschulen im Allgemeinen und jene der Grundschule Gräfenau stets im Blick behalten“.

Im Zuge der aktuellen Situation hat das Bildungsministerium nach RHEINPFALZ-Informationen nun angefangen, deren Begleitumstände abzufragen: Wann sind die betroffenen Kinder zugezogen, wie lange waren sie in der Kita, wie viele Stunden Deutsch als Zweitsprache pro Woche wurden unterrichtet und welche Förderpläne wurden seitens des Kollegiums erstellt. Man sorge an der Gräfenauschule für eine „sehr gute Personalausstattung“, die weit über den Pflichtbedarf hinausgehe, teilt das unter der Leitung von Stefanie Hubig (SPD) stehende Bildungsministerium mit. „An anderen vergleichbaren Schulen sehen wir, dass Unterstützungsmaßnahmen trotz der Herausforderungen positive Effekte haben. Warum dies an der Grundschule Gräfenau offensichtlich bisher nicht gelingt, werden wir intensiv analysieren und gegensteuern.“

Verband der Gymnasiallehrer kritisiert Bildungsministerium

Dass sich am bildungspolitischen Kurs des Ministeriums etwas Grundlegendes ändern könnte, ist dabei aktuell nicht erkennbar. Nach Schulleiterin Barbara Mächtle hatte sich zuletzt auch der Philologenverband – er vertritt die Interessen der Gymnasiallehrkräfte – für vorgeschaltete Deutschklassen ausgesprochen, in denen zunächst die Sprache intensiv gelernt wird. „Am besten in verpflichtenden Vorschuljahren“, wie die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz mitteilte. Vorschulklassen fordert auch die CDU im Land. Wer Integration nicht völlig gegen die Wand fahren lassen wolle, der müsse die entsprechenden Ressourcen bereitstellen. „Die weiterführenden Schulen bemerken schon jetzt einen rapiden Niveauverlust in den Eingangsklassen, der sich in beunruhigender Weise fortsetzt“, so Schwartz.

Das Bildungsministerium will hingegen an seiner bisherigen Strategie festhalten: „Für Kinder mit Aufholbedarf in der deutschen Sprache setzen wir auf eine Kombination aus intensiver Sprachförderung sowie Spracherwerb durch Teilhabe in den Regelklassen.“ Der Anteil der Elemente Intensivförderung und Regelklassenbesuch richte sich dabei nach der Sprachkompetenz des Kindes.

Die derzeitige Prognose bezüglich der Gesamtsituation der Gräfenauschule im kommenden Schuljahr sieht vor diesem Hintergrund wie folgt aus: Von erwarteten insgesamt 490 Schülerinnen und Schülern werden rund 440 einen Förderbedarf in Deutsch haben, davon werden zirka 170 Kinder in die Kategorie „nahezu ohne Deutschkenntnisse“ fallen.

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