Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Frauenkabarett im Saalbau

 Fünfgezackter Angriff aufs Mannestum: das Homburger Frauenkabarett.
Fünfgezackter Angriff aufs Mannestum: das Homburger Frauenkabarett.

Wie ist das, wenn fünf Frauen die Hütte abreißen? Um das zu erfahren, musste man am Samstagabend in den Homburger Saalbau gehen. Dort bot das Homburger Frauenkabarett mit „Treffer in der Nachspielzeit“ eine sehr schöne Show. Mittendrin: zwei geschwätzige Darmbakterien, gehässige Altenheimbewohner, Udo Lindenberg - und 700 Besucher.

Es war ein Glückstag, als zwei Ärztinnen, eine Sozialarbeiterin, eine Grundschullehrerin und eine Erzieherin sich entschlossen: Was raus muss, muss raus - und zwar in immer verschiedenen Verpackungen. Die haben sich in den letzten 20 Jahren munter angehäuft. Weil die Kostüme keinen Staub ansetzen sollen, spielte das Quintett ein „Best of“ der letzten zwei Jahrzehnte. Gisela Walter, Silke Müller, Heidi Hennen, Birgit Schöndorf und Ursula Pfeiffer-Anslinger sind wie Alltagsstaubsauger der kuriosen Momente. Ihre Themen sind jedem bekannt – auch den Männern, von denen ebenfalls ein paar da sind.

Das „Wabbel“-Lied ist ein Liebessong für den „erhöhten Anteil an Unterfettgewebe“: „Wenn wir zusammen in die Badewanne steigen, brauch ich nur ein Drittel der Füllmenge. Wenn ich hetze, bist du mein Entschleuniger. Du wirst dafür sorgen, dass ich kein längerer Pflegefall werde“, heißt es im Lied. Nachdem der Wabbel das gehört hat, „ist er vor Rührung geschmolzen“.

Greisinnen dürfen das

Sie nehmen sich auch selbst aufs Korn, seien sie doch „vergreiste Frauen“: „Aber wenn Biden und Trump ihr Polit-Kabarett dürfe, dürfe die aach“. Es geht um toxische Männlichkeit und botoxische Weiblichkeit. Aber die Schönheit, stellt Frau Schnabbel fest, kommt ja von innen. „Do kannsch du aussiehn wie e Haufe gefrorener Batsch.“ Batsch ist es nicht, der untersucht wurde, um Frau Schnabbel künstlich befruchten zu lassen. Um zu gewährleisten, dass sie das beste Kind bekommt, wurden die Spermatiden von der Samenflüssigkeit getrennt „und nach dem aussichtsreichsten Chromosom gefahndet“.

Mal sorgen Sketche, mal Lieder für Abwechslung. Udo Lindenberg wird – samt augenscheinlich schlaganfallgeschädigter, herabhängender Lippe, Hut und Sonnenbrille – parodiert; oder die Talkshow „Hart aber leer – Bart im Verkehr“. Immer wird man(n) in neue Szenarien geworfen. Manchmal ist man fast überrascht, dass man noch beim gleichen Kabarett ist. Im Lauf der über drei Stunden kommt es einem so vor, als hätte man drei Programme gehört. Die Waffen der Frau(en) sind die Vielfalt ihres Programms und ihre unterschiedlichen Charaktere. Jede fügt den Sketchen und Liedern etwas Anderes bei. So entsteht ein Abend, der Theater, A-cappella-Konzert und Comedyshow zugleich ist. Sie sind die Homburger Wundertüten, die einen immer wieder überraschen.

Garderobenwechsel öfter als bei Helene Fischer

Sie ziehen sich öfter um als Helene Fischer während ihrer Konzerte. Sie verwandeln sich in skrupellose Unternehmerbosse („Lügen haben lange Beine, Wahrheit ist für arme Schweine“) oder mimen gehässige Altenheim-Bewohnerinnen, die es alle auf den jungen Pfleger abgesehen haben: „Den würd’ ich auch nicht von der Bettpfanne stoßen.“ Es ist ein Abend, der kein Drumherum braucht. Nur fünf Frauen, die, wie sie sagen und singen, wissentlich altern und - wie das Publikum erkennt - trotzdem immer noch taufrisch sind.

Nicht mehr ganz so frisch dürften die Darmbakterien sein, die in Lebensgröße erscheinen und miteinander reden. Das eine Bakterium erzählt von der ganz schlimmen Schicht, es gab nämlich einen „Crémant-Tsunami. Die ganze Population ist im Arsch. Das ist ein echtes Opfer der Klobalisierung.“ Die Frage aller Fragen: Gibt es ein Leben hinter dem Rektum? Also ein Life After? Damit es keine Nahkloerfahrung erleben muss, rät das eine Bakterium dem anderen zum Urlaub im Nierenbecken: „Dazu musst du dich einfach nur in die Blutbahn setzen und bis zum Ende fahren.“

Sie sezieren die Sprache, spalten die Worte auf und schaffen daraus gute Wortspiele. Aber Halt: Wo bleiben die fiesen Sprüche zu den Männern im Frauenkabarett? Das vermeintlich stärkere Geschlecht bekommt sein Fett am Ende weg. Beispiel gefällig? „Männlichkeit ist fast gar nicht nur schlecht.“

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