Handball
Frauen der SV 64-Dritten werden nach einer Mammutsaison Meister
An einem Donnerstagabend im Mai, nach 22 Uhr, jubelten die jungen Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken. Was sich alle gewünscht hatten, stand nach dem Spiel gegen den TuS Wiebelskirchen fest: Mit dem 35:17-Sieg gegen den TuS hatten sich die Nachwuchshandballerinnen des SV 64 im U21-Team zum Meister der Bezirksklasse Ost gekrönt. Vorzeitig. Jubeln erlaubt, und beim aktuellen Pfingstzeltlager der Zweibrücker wird dieser Erfolg sicher noch mal gebührend gefeiert.
„Ich habe mich sehr für die Mädels gefreut“, sagt Trainerin Dunja Bullacher. Der gemeinsame Abschluss der Jugendzeit war dem Team, das im Kern seit der D-Jugend zusammen spielt, bedingt durch die Corona-Pandemie, versagt geblieben. „Wir wollten aber, dass die Mannschaft diesen gemeinsamen Abschluss bekommt. Und wir wollten, dass die Spielerinnen Spielpraxis bekommen“, sagt Bullacher zu der vor Saisonstart getroffenen Entscheidung, das U21-Team – die Spielerinnen stammen aus den Jahrgängen 2002 bis 2004 – als dritte Frauenmannschaft zu melden.
Teilweise bis zu 50 Saisonspiele
Dass sich die Saison 2021/22 dann ganz anders entwickeln sollte, die Nachwuchsspielerinnen nicht nur in die Oberliga reinschnuppern, sondern tragende Säulen der ersten SV 64-Frauenmannschaft werden sollten, „das war ja zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen“, erinnert sich Bullacher. So bekamen vor allem Spielerinnen wie Janine Baus, Lucy Hilz, Lea Bullacher und Hanna Müller extrem viel Spielpraxis – als Stammspielerinnen im Oberliga- und Bezirksklasse-Team. Das bedeutete im Schnitt um die 50 Spiele in dieser Saison – inklusive des Saar-Pokals –, die diese Spielerinnen absolvierten. Teilweise standen sie binnen sieben Tagen für drei bis vier Spiele in der Halle.
Bestes Beispiel für die Belastung mancher Spielerinnen war der letzte Bezirksklasse-Spieltag. Die Meisterschaft war am späten Donnerstagabend eingetütet worden. Sonntags standen die Spielerinnen erneut auf dem Feld. Um 16 Uhr in der Oberliga gegen Friesenheim. Ein schnelles, kräftezehrendes Spiel. Das war kaum abgepfiffen, da hieß es kurz auslockern und dann gegen Itzenplitz das Saisonfinale in der Bezirksklasse bestreiten. Mit 42:28 setzten sich die Zweibrückerinnen auch im letzten Bezirksklasse-Spiel souverän durch.
Nur am grünen Tisch geschlagen
Auf dem Feld unbezwingbar, war das SV-Meisterteam nur am grünen Tisch zu schlagen. Die einzige Niederlage aus 18 Partien resultierte aus einer nicht nachvollziehbaren Entscheidung des Handball-Verbandes Saar. Die Partie gegen die HSG Ottweiler/Steinbach sollte im Einvernehmen beider Vereine während der Corona-Hochphase verlegt werden. Der Klassenleiter stimmte der Verlegung aber nicht zu und wertete die Partie zugunsten der HSG.
Auf dem Feld dominierten dagegen die Zweibrückerinnen: Sie stellten den besten Angriff (493 Tore) und hätten als einziges Team die 500-Tore-Marke geknackt, wenn alle Spiele auf dem Feld entschieden worden wären. Lea Luga, die enorm schnelle Außenspielerin, steuerte allein 107 Tore bei. Dass der SV 64 mit 298 Gegentoren auch die beste Defensive stellte, rundete die Meisterschaft ab.
Trainerin Bullacher tritt künftig kürzer
„Und zu diesen ganzen Spielen kam ja auch noch Training dazu“, erinnert Dunja Bullacher. Den Spaß am Handball verloren die jungen Zweibrückerinnen dennoch nie. Auch wenn die Saison enorme Kraftreserven erforderte. Riesen-Respekt habe sie deshalb vor dem, was die Mädels geleistet hätten, „und umso schöner, dass sie es geschafft haben, einen perfekten Abschluss der gemeinsamen Zeit hinzubekommen“, freut sich Bullacher, die die Mannschaft seit der D-Jugend betreute. Die Lehrerin für Sport und Mathematik, die am Neunkircher Gymnasium am Krebsberg zum Schulleitungsteam gehört, wird, weil die beruflichen Anforderungen gestiegen sind, in Sachen Handball jetzt erst mal etwas kürzertreten. „Aber ich bin sicher nicht ganz weg“, sagt sie lachend. Ein Leben ohne Handball wäre im Hause Bullacher sicher nicht vorstellbar.
Mit der Meisterschaft „schließt sich für mich, für die Mannschaft ein Kreis“, sagt sie zurückblickend auf die Anfänge in der D-Jugend, als sie die Mannschaft als reines Mädchenteam übernahm. Der Kern der Truppe blieb immer zusammen und spielte erfolgreich Handball. Die RPS-Oberliga wurde immer erreicht, die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft der B-Jugend nur hauchdünn verpasst.
Mindestens sechs Spielerinnen im Oberliga-Kader
„Dass kommende Runde mindestens sechs der Mädchen in der Oberliga spielen werden, ist absolut schön“, unterstreicht die Trainerin. Mit diesem Ziel, den Nachwuchs fürs SV-Frauenteam auszubilden und bei den Aktiven erfolgreich zu spielen, war in der D-Jugend gestartet worden. Mission erfüllt, lässt sich sagen. Nicht wenige Experten trauen der Mannschaft in den nächsten Jahren in der Oberliga einiges zu, wenn sie wie über die Jugendjahre im Kern zusammenbleibt.
Kader SV 64 Zweibrücken 3
Tor: Mariam Midani, Nina Schillo, Malena Lange
Feld: Janine Baus, Lea Bullacher, Lea Luga, Lucy Hilz, Hanna Müller, Vera Jänicke, Lara Neff, Johanna Gab, Celine Jag, Denise Reiser, Angelina Günther
Trainerin: Dunja Bullacher.