Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Die Mieterbetreuung kümmert sich, darauf ist Verlass

Eva Hein vom Sozialmanagement der Gewobau und Gregor Grzesiak vom Sozialamt (rechts) besuchen den langjährigen Mieter Jürgen Eis
Eva Hein vom Sozialmanagement der Gewobau und Gregor Grzesiak vom Sozialamt (rechts) besuchen den langjährigen Mieter Jürgen Eisenkopf in der Schwalbenstraße 45.

Krach unter Nachbarn, Müll falsch getrennt – kommt vor in Mehrfamilienhäusern. Dass es in den Einfachwohnungen der Gewobau nicht eskaliert, dafür sorgt Eva Hein von der sozialen Mieterbetreuung. Wir haben sie einen Morgen lang begleitet.

„Die sind ganz schön laut obendrüber“, sagt der ältere Mann. „Ich komm’ gleich rüber und kümmere mich darum“, entgegnet Eva Hein. Der Rentner ist zufrieden. Eva Hein kümmert sich. Darauf ist Verlass, das weiß er.

Aber erst muss die 39-Jährige noch Schlüssel verteilen, Kellerschlüssel, an Mieter, die einen Vertrag abgeschlossen haben mit der Gewobau. Die Wohnungsbaugesellschaft ist Eva Heins Arbeitgeber und setzt auf Sozialmanagement. Das heißt: Eva Hein ist an mehreren Tagen in der Woche in den Wohnblöcken in der Schwalben- und in der Webenheimer Straße unterwegs, geht von Tür zu Tür, klingelt, fragt, wie’s so geht, ob’s was gibt – und kümmert sich, meist direkt.

Seite an Seite mit dem Sozialdienst der Stadt

An Heins Seite: Gregor Grzesiak vom sozialen Außendienst der Stadt. Zusammen sieht das gemischte Doppel an diesem Morgen in den Mehrfamilienhäusern der Schwalbenstraße 45, 47 und 49 nach dem Rechten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Viel zu beanstanden gibt’s nicht. Zwei Mieter werden darauf hingewiesen, dass sie mit Treppenhaus mit Putzen dran sind, die Pläne hängen aus. In der 47 gibt’s einen Wasserschaden, und weil die Fenster offenstanden, sind Rohre eingefroren. Hier ist Eva Hein etwas länger zugange, doch auch diesem Mieter kann sie am Ende versichern: Es wird sich gekümmert.

Das Konzept des Sozialmanagements scheint aufzugehen. „Seit wir regelmäßig vor Ort sind und persönlichen Kontakt zu den Mietern halten, sieht es hier sehr viel besser aus“, hat Hein festgestellt. Die Bewohner sollten zum Mitmachen motiviert werden, und das funktioniere. „Sie zeigen uns, dass sie ihren Teil beitragen, und wir tragen dann den unseren bei, indem wir reparieren, sanieren oder eben auch Wasserschäden beseitigen“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Von sozialen Brennpunkten spricht sie nicht. „Die Menschen leben hier, manche schon lange und viele nicht ungern. Es ist ihr Zuhause.“ Sie schätzten ihr Umfeld, das „Leben und leben lassen“. „Man sollte es nicht meinen, aber die Wohnungen hier gehen weg wie warme Semmeln“, so Hein. Oft schlössen auch Menschen, die von der Stadt zunächst in eine Sozialwohnung eingewiesen wurden, später einen regulären Mietvertrag mit der Gewobau ab, weil sie bleiben wollen. Deshalb bekommen heute auch drei Mietparteien Kellerschlüssel ausgehändigt: Als offizielle Gewobau-Mieter stehen ihnen Keller zu.

Schwalbenstraße: ordentlich und sauber

Früher habe es in den Blöcken oft wild ausgesehen, schmutzige Böden, verkritzelte Wände, Müll und Sperrmüll im Treppenhaus, kaputte Türen und so weiter. „Das hat sich massiv gebessert, seit wir hier unsere Rundgänge machen“, ist Gregor Grzesiak zufrieden. Tatsächlich: Es sieht ordentlich aus, im Treppenhaus stehen viele Fahrräder und Kinderwagen, aber es ist sauber, die Wände sind gestrichen. Wie das? Grzesiak: „Die Bewohner ermahnen sich mittlerweile gegenseitig, geben mehr acht auf ihre Wohnungen, das Gebäude, das ganze Umfeld.“

Sind Eva Hein und er dann nicht unnötig hier? Grzesiak lacht. „Nicht ganz.“ Zwischendurch seien beide mal drei Wochen in Urlaub gewesen. Und siehe da: „Es wurde wieder schlimmer.“ Und direkt nach dem ersten Besuch nach dem Urlaub wieder besser. Gewobau-Chef Jörg Eschmann und Sozialamtsleiter Tim Edinger haben auch keineswegs vor, das Duo abzuziehen. Ganz im Gegenteil, es werde überlegt, ob man nicht um zwei weitere Leute aufstockt. „Es läuft richtig gut“, meint Edinger, und dass man sich frage, warum es nicht schon früher so gemacht wurde.

Die Schlüssel in der 47 sind verteilt, Eva Hein läuft rüber zum Nachbarhaus und klopft bei der Familie, über die sich der Rentner wegen der Lautstärke beschwert hat. Ein Mann öffnet, zwei kleine Kinder lugen naseweis um die Ecke. „Sie waren krank“, sagt der Mann, „sie haben geweint, auch nachts“, und die Mutter sei nachts auf gewesen, um nach ihnen zu sehen. Das habe man wohl in der Wohnung darunter gehört, entschuldigt sich der Vater. Eva Hein bedankt sich, gibt die Info an den Rentner weiter. „Und wenn’s nicht besser wird, melden Sie sich einfach noch mal bei mir“ – „Eijo, das mach ich.“

So einfach wie an diesem Morgen sei es nicht immer, räumen Hein und Grzesiak ein. Manche Gespräche seien anstrengend, alleine schon der Sprache wegen. 70 bis 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner in der Schwalbenstraße seien Migranten aus den unterschiedlichsten Ländern. Wie unterhält man sich da? „Auf Deutsch und Englisch, mit Händen und Füßen“, sagt Eva Hein. Grzesiak spricht zudem Polnisch und Russisch. Ein weiterer Mitarbeiter der Stadt könne Kurdisch, Arabisch, Türkisch und ein bisschen Farsi, er komme manchmal mit zum Übersetzen. Bisher habe man alle Sprachbarrieren überwinden können, sagt das Duo. Am wichtigsten sei es, ohne Scheu auf die Leute zuzugehen. „ Und das ist genau mein Ding“, erklärt die 39-Jährige, die früher in der Altenpflege gearbeitet hat.

Webenheimstraße: Eine ganz andere Welt

Heute also alles paletti in der Schwalbenstraße, weiter geht’s zur Webenheimstraße 3. Hier bietet sich ein ganz anderes Bild. Schon der Hauseingang ist übersät mit Kippen, Glasscherben, eine kaputte Weinflasche liegt rum, im Flur lehnen alte Matratzen an der Wand. In diesem Treppenhaus hat niemand geputzt, es riecht nach kaltem Zigarettenrauch. „Hier gibt’s noch viel zu tun“, weiß Eva Hein. Allerdings wohne hier auch eine ganz andere Klientel als in der Schwalbenstraße mit ihren vielen Familien. In der Webenheimstraße 3 wohnt kein Kind. Die meisten hier leben alleine, Drogen und Alkohol bestimmen oft den Alltag, „eine Tagesstruktur haben die Leute hier nicht“, sagt Grzesiak.

Das Duo legt sich auch für diese Menschen ins Zeug, sie aufzugeben kommt nicht in Frage. Auch hier wird an die Türen geklopft, nachgefragt, nachgehakt, bei Bedarf direkt geholfen oder auch später. Ein Mann lässt die beiden rein, freut sich sichtlich über ihr Erscheinen, es ist vor 12 Uhr, der Fernseher läuft, er trinkt Bier, bietet auch welches an. „Wie geht’s dir denn?“, will Eva Hein wissen. „Gut, gut, alles okay, Eva.“ Dass das nicht ganz stimmt, zeigt schon sein äußeres Erscheinungsbild. Und es wird klar, dass das geputzte Treppenhaus hier nicht so wichtig ist.

„Alle verdienen ein menschenwürdiges Leben“

Eva Hein und Gregor Grzesiak legen größten Wert darauf, den Bewohnern auf Augenhöhe zu begegnen, allen Bewohnern, auch und gerade jenen, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat, die vielleicht trinken oder aus sonstigen Gründen für die Gesellschaft verloren scheinen. „Sie haben genau so ein menschenwürdiges Leben verdient wie alle anderen“, dieser festen Überzeugung ist das Sozialarbeiter-Duo. Und auch in der Webenheimstraße mache man Fortschritte, wenn es auch etwas mühsamer sei. Auch hier könne man Konflikte unter den Bewohnern oft schon im Keim ersticken. Und auch hier helfe es immens, dass regelmäßig jemand vorbeischaut, sich interessiert und zuhört.

Eine Endstation sei die Webenheimstraße 3 auch nicht. Eva Hein erzählt von einem Mann, der zehn Jahre hier wohnte und jetzt in eine Zweizimmerwohnung umziehen konnte, nachdem ein Betreuer sich um seine Finanzen kümmert. „Der ist überglücklich, hält die neue Wohnung sauber, da ist alles tipptop, der blüht richtig auf“, freut sich Eva Hein für ihn. Manchmal müsse man nur an kleinen Stellschrauben drehen.

Ist man bei so einem Job eigentlich sicher? „Ja“, bekräftigen beide. Passiert sei ihnen noch nie was, angegriffen habe sie auch noch kein Bewohner. „Einer wurde mal ein bisschen lauter mir gegenüber und hat mich am Arm gepackt“, sagt Grzesiak. So was dulde er nicht, zeige solche Vorfälle auch konsequent an. „Aber wie gesagt, das war einmal.“ Ansonsten müsse er nur manchmal verbale Schlachten schlagen. Nicht gleich angezeigt wird, wer etwas kaputtmacht, etwa eine Tür eintritt. „Wer es zugibt und auch selbst wieder in Ordnung bringt, kommt ohne Anzeige davon.“ Das gelinge, nicht immer, aber immer öfter.

Dumme Anmachsprüche fielen zuweilen schon, meint Eva Hein, aber auch nicht mehr als anderswo. Angst habe sie bei ihrer Klientel noch nie gehabt. Man sei ja auch immer zu zweit unterwegs. Und vielleicht demnächst sogar zu viert.

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