Zweibrücken / Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Dara und das Zweibrücker Terminal: Ausgetanzt

Statt eines Banners für den Terminal prangt hier nun eines, das für das Partyhaus wirbt.
Statt eines Banners für den Terminal prangt hier nun eines, das für das Partyhaus wirbt.

Der Terminal Zweibrücken ist wohl Geschichte. Längst prangt dort wieder ein Banner des Partyhauses. Zurück bleiben möglicherweise ein Batzen Schulden und aufgebrachte Gläubiger. Eine Spurensuche.

Das Gebäude, in dem sich der Terminal befand, gehört dem Bechhofer Thomas Wolf. Ende 2021 wurde das Pirmasenser Unternehmen Dara Event Pächter der ehemaligen ACH-Eventhalle. Daniel Schneider – das „Da“ in Dara – und Raphael Wagenblatt - das „ra“ – hatten hier große Pläne. Konzerte und vor allem Tanzveranstaltungen sollten den Terminal beleben, hatten die beiden Geschäftsführer verkündet. Der Terminal sei Bestandteil eines Gesamtkonzepts, zu dem eine Soccerhalle und eine Almhütte gehörten. Das Oktoberfest 2022 werde man schon in der Almhütte feiern, kündigte Wagenblatt Ende 2021 an. Doch bis heute ist nicht klar, wann und ob Almhütte und Soccerhalle am Flughafen überhaupt kommen.

Als der Terminal eröffnet wurde, sagte Raphael Wagenblatt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Und selbst mit den drei ambitionierten Vorhaben war der Hunger der beiden Unternehmer wohl nicht gestillt. Sie bewarben sich im Sommer 2022 als neue Pächter der Zweibrücker Festhalle. Den Zuschlag erhielten sie nicht, sondern die Firma Festlicht. Wie die RHEINPFALZ erfahren hat, bestand auch Interesse an der Eishalle. Warum ein Kauf oder eine Pacht nicht zustande kamen, ist aber nicht bekannt.

Nutzungsuntersagung, Strafanzeigen, Gerichtsverfahren

Erste Probleme gab es dann in Zweibrücken im Dezember. Wegen eines Wasserschadens habe der Terminal schließen müssen, erklärte Wagenblatt. „Da war definitiv kein Wasserschaden“, bestreitet Wolf diese Aussage. Stattdessen hat das Zweibrücker Bauamt die weitere Nutzung des Terminals untersagt, unter anderem wegen fehlender Parkplätze, die aufgrund der geplanten Größe der Halle nicht zu verwirklichen gewesen seien.

Wolf, der letztmals im Oktober Pacht von Dara erhalten habe, habe bis zuletzt gehofft, dass der Terminal noch in die Gänge kommt. Deshalb habe er Dara wohlwollend Zeit verschafft und sein altes Partyhaus wiedereröffnet, um Einnahmen zu erzielen. Der von Dara umgebaute Terminal sei für ihn wertlos, aufgrund der Nutzungsuntersagung infolge einer fehlenden Baugenehmigung. Wolf habe einen Architekten mit dem erneuten Umbau beauftragt. Eine Werkstatt soll jetzt angesiedelt werden. Sein Partyhaus werde er ab Herbst einmal monatlich öffnen und für Feiern vermieten.

ACH-Geschäftsführer: 77.000 Euro stehen aus

Wolf ist möglicherweise einer von vielen Gelackmeierten aus einer Kette von Ereignissen. Diese gipfelten in mehreren Gerichtsverfahren und Urteilen des Arbeitsgerichts Pirmasens; zum Nachteil von Dara. Auch andere Parteien wollen dem Vernehmen nach Strafanzeige gegen die Firma erstatten oder haben es bereits getan. Ebenfalls betroffen von einer möglichen Dara-Schieflage sind die Geschäftsführer der ehemaligen ACH-Eventhalle, die namentlich nicht genannt werden wollen. Dara habe im Zuge der Übernahme der Eventhalle das gesamte damals vorhandene Inventar gekauft. Hier stünden noch 77.000 Euro zur Zahlung aus – seit über einem Jahr. Schon die zweite vereinbarte Kaufpreisrate sei Anfang 2022 nicht geflossen. Nun haben die ehemaligen ACH-Geschäftsführer Strafanzeige wegen Betrugs gestellt, berichten die beiden. Zuvor habe es noch einen vor Gericht getroffenen Vergleich gegeben. Nur etwas Geld sei geflossen, weshalb nun ein Vollstreckungstitel erwirkt worden sei.

Offensichtlich traf die Schieflage der Firma ihre Mitarbeiter wesentlich später, aber ebenso hart. Der Pirmasenser Gastronom Jörg Rockenmeyer war als Koch für die Zweibrücker Almhütte vorgesehen. Bis zur Eröffnung sollte er in der Sportsbar in Pirmasens arbeiten. Deren Betrieb wurde im Januar kurzfristig eingestellt. Rockenmeyer habe davon erst wenige Tage zuvor erfahren. Rückblickend sagt der Pirmasenser: „Im Laufe des Jahres 2022 merkte ich: Da stimmt was nicht. Da geht es nicht voran. Ich bekomme von der Geschäftsführung meine Fragen nicht befriedigend beantwortet. Oder gar nicht. Ich habe dann jobmäßig über den Tellerrand geschaut. Ab September und Oktober kamen die Lohnzahlungen der Firma immer wieder verspätet. Erst kurz vor Weihnachten haben ich und andere den Lohn von Oktober und einen Teil vom November erhalten. Dann habe ich die Entscheidung getroffen, nicht länger für dieses Unternehmen zu arbeiten.“

Mitarbeiter warteten auf ihr Geld

Rockenmeyer erlebte dem Vernehmen nach Ähnliches wie die ehemaligen Geschäftsführer der Eventhalle. Der Koch war zuvor mit der Pirmasenser Gaststätte Drebbelbrinche selbstständig. Dara habe ihm versprochen, im Zuge seines Wechsels ins Unternehmen dessen Kücheneinrichtung zu übernehmen. Es sei nur ein geringer Anteil des vereinbarten Betrags geflossen. „Etwa acht bis zehn Prozent. Mehr war das nicht“, wirft Rockenmeyer Dara vor.

Eine Eventmanagerin schildert Erlebnisse, die denen von Rockenmeyer gleichen. Bis Ende Dezember habe sie für Dara gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt habe sie von Zahlungsrückständen oder einem möglichen Wasserschaden im Terminal nichts gewusst. Sie und rund 15 Angestellte klagen über ausstehende Gehälter im vier- bis fünfstelligen Bereich. Sie habe Anzeige erstattet. Denn Dara habe von ihr geleistete Arbeitsstunden vor Gericht bestritten. „Man hat mir vorgeworfen, ich hätte im September und Oktober nicht gearbeitet. Ich habe sogar einen Stundennachweis dafür. Ich kann auch nachweisen, dass ich rückwirkend von der Krankenkasse abgemeldet wurde, obwohl ich gearbeitet habe. Bis zum 7. Dezember. Danach habe ich meinen Urlaub angetreten, war aber krank. Plötzlich kommt am 12. Dezember eine Mitteilung von der Krankenkasse, dass ich zum 31. Oktober abgemeldet wurde. Die Papiere habe ich nun bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.“

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