Zweibrücken
Baustelle Alte Ixheimer Straße: Die Nerven liegen blank
Nachdem zuerst Asbestfunde den Abriss der früheren Schusterei Sebald vorübergehend stoppten, gibt es nun Probleme mit der Statik: Das Haus Nummer 3 droht einzustürzen, wenn das Haus Nummer 1 wie vorgesehen abgerissen wird, da das eine direkt an das andere angebaut ist und keine eigene Giebelwand hat.
Alexej Goldnik, Geschäftsführer der Zweibrücker Encore Immobiliengesellschaft, die den Abriss beauftragt hat und in der Alten Ixheimer Straße neu bauen will, verweist auf Anfrage auf einen Termin mit einem Prüfstatiker und dem Stadtbauamt am Mittwoch. Vorher könne er nicht viel sagen, außer, dass das Haus Nummer 3 bislang bewohnt und die Sache mit der Giebelwand deshalb nicht vorhersehbar war. Ob die Straßensperrung wie geplant am kommenden Dienstag aufgehoben werden kann, könne er nicht sagen, so Goldnik. Ende der Woche wisse er eventuell mehr.
Anlieger beschweren sich
Heinrich Grim, Inhaber der Metzgerei am Busbahnhof, ist wenig begeistert, dass vor seiner Ladentür derzeit keine Busse halten. Wegen der Sperrung der Alten Ixheimer und der Maxstraße wurde der Busbahnhof an den Bahnhof verlegt. „Natürlich haben wir Umsatzeinbußen. Mangels Busverkehr kommen keine älteren Leute mehr in die Innenstadt, und auch die Schüler fehlen uns“, so Grim. Weil die Alte Ixheimer, die Haupteinfallstraße aus Richtung Autobahn, gesperrt ist, fahre auch kaum jemand mit dem Auto in die Innenstadt, wenn er nicht unbedingt muss.
Nicht nur für die Kundschaft sei es eine blöde Situation. Auch die Lieferanten fast aller Innenstadtgeschäfte seien betroffen, weil sie meist über die Autobahn kämen. Da auch die Verbindung aus der Innenstadt zum Bahneinschnitt gesperrt ist, kämen Lieferanten auch nicht von der anderen Seite in die Stadt, klagt der Metzgermeister. Die Informationslage sei von Anfang an undurchsichtig gewesen. Ihn selbst habe die Sperrung nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub am 24. April überrascht.
Grim sieht den Investor, aber auch die Stadtverwaltung in der Pflicht, auch was das Zusammentreffen der zeitgleichen Baustellen in der Alten Ixheimer Straße und am Bubenhauser Kreisel angeht. „Der Rattenschwanz hintendran war wohl keinem bewusst. Und die geplante Abrisszeit ist nicht haltbar“, glaubt er, und dass man sich im Vorfeld zu wenig Gedanken über die Auswirkungen gemacht hat. Die Verkehrssituation betreffe fast alle Geschäfte in der Innenstadt, so Grim.
Vorgängerfirma soll gepfuscht haben
Der Firma, die die alte Schusterei Sebald abgerissen hat, werfen Anwohner der Alten Ixheimer Pfusch vor. Die Bagger hätten mehrere Bäume beschädigt, und man habe nicht genug gewässert gegen die massive Staubentwicklung beim Hausabriss vor zwei Wochen.
Die Firma Westricher Abbruch aus Reichenbach ist die zweite Firma, die Alexej Goldnik mit dem Abbruch beauftragt hat, nachdem die erste Firma von ihren Aufgaben entbunden wurde. „Da wurde nicht sachgerecht gearbeitet“, sagt André Dunkel von Westricher Abbruch. Ins Detail gehen will er nicht.
Nach unseren Informationen hat die Vorgängerfirma den asbesthaltigen Abfall hinter dem Haus im Hof aufgetürmt und mit Altholz bedeckt, anstatt das belastete Material fachgerecht zu entsorgen. Das erledigte dann die Westricher Abbruch, die Bauträger Alexej Goldnik direkt beauftragt hat.
CDU befürchtet monatelangen Stillstand
Die Zweibrücker CDU fordert die Stadt auf, bei der Lösung der Probleme einzugreifen. Sie fragt, ob die Stadt Möglichkeiten sieht, betroffene Geschäftsleute hinsichtlich möglicher Regressforderungen gegenüber den Verursachern juristisch zu unterstützen. Auch regt sie an, dass die Stadt mit alternativen Verkehrsleitführungen den Zugang zur Innenstadt trotz Sperrung verbessert. Eine Möglichkeit wäre laut CDU die vorübergehende Umkehr der Einbahnstraßenregelung in der Fruchtmarkstraße. Die CDU will auch wissen, ob die Stadt die Möglichkeit sieht, die Verkehrssicherheit der Straße auf eigene Kosten kurzfristig wiederherzustellen.
„Im Bereich der Baustelle Alte Ixheimer Straße droht ein monatelanger Stillstand der Bauarbeiten mit unabsehbaren Folgen für die Einzelhändler der betroffenen Straße und einem Großteil der Innenstadt. Gerade im Anschluss an die Corona-Pandemie halten wir eine solche Situation existenzgefährdend für viele Betriebe“, begründet die CDU ihr Vorpreschen.
Stadtpressesprecher Jens John sagte am Dienstag auf Anfrage, dass der Stadtrat am Mittwoch in Sachen Alte Ixheimer Straße informiert werde.