Zweibrücken
Ausverkauf: Kult-Kneipe Beisl macht nie mehr auf
„Leider wird sich die Geschichte des Beisls NICHT fortsetzen“, steht über dem Eintrag im Internet, der in Zweibrücken viel geteilt und diskutiert wird. Die Betreiberfamilie Perez hat das Posting verfasst und kündigt darin an, dass am Sonntag zwischen 10 und 13 Uhr „alles, was wir am letzten Tag im Einsatz hatten“, zum Abholen bereit stehe. Als Beispiele nennt die Familie „Biergartenmobiliar, Lautsprecher, Pizzaofen (der für mich immer noch besten Pizza aller Zeiten) und vieles mehr“. Fotos zeigen Tische, Barhocker, Gläser, Audio-Ausstattung.
Seit die Meldung raus ist wurde die Familie laut Camilo Perez von Interessenten überrannt. Die Küche sei so gut wie weg. „Wenn sie der eine Interessent nicht nimmt, kommt der zweite zum Zug“, sagt Perez. Am Mittwochnachmittag seien nahezu alle Möbel aus dem Erdgeschoss bereits verkauft. Kassensysteme, Hifi, Geschirr und Gläser, Elektronik und vereinzelte Stühle und Tische seien noch zu haben.
Wie geht es mit dem Gebäude weiter?
Gastronomisch wird das Gebäude in Ernstweiler in Zukunft wohl nicht mehr genutzt. Denn der Käufer der Immobilie, die die Familie Perez zwischen 1998 und im Februar 2019 als Gasthaus betrieben hat, ist laut Perez eine auswärtige Immobiliengesellschaft. Und diese plant seinen Erkenntnissen zufolge, das Gasthaus – mit seinen zwei großen Gasträumen auf zwei Stockwerken samt Biergarten – zu Wohnungen umzubauen. Wer also Abschied nehmen will von der Kult-Gaststätte, die von vielen einfach nur ihr Wohnzimmer in Ernstweiler genannt wurde, kann am Sonntag ab 10 Uhr vorbeikommen. Dann kann unter Umständen noch ein Andenken an die Beisl-Zeit ergattert werden. Laut Perez könnte der Termin aber auch wieder abgesagt werden, wenn bis dahin alles weg sein sollte.
Das Gasthaus Beisl in Ernstweiler steht seit 2019 leer und zum Verkauf. Mehrere Interessenten waren abgesprungen, während Corona war es schwer für potenzielle Käufer, Kredite für gastronomische Objekte zu bekommen. An der Familie sei in den vergangenen eineinhalb Jahren ziemlich viel hängengeblieben, sie könne dies nun nicht mehr leisten, begründete Betreiber Angel Perez, Bruder von Camilo Perez junior, den Schritt im Januar 2019. Der Familie Perez gehört seit 1998 die Traditionswirtschaft, die nach einem Ausbau auf 315 Plätzen einer der größten Gastronomiebetriebe der Stadt war. Bis April 2013 hatten die Perez’ den Beisl selbst betrieben, es folgten zwei Pächter. Mit dem letzten Pächter scheiterten 2017 Verkaufsverhandlungen. Weil sie die Gaststätte weiterhin verkaufen wollten, hat die Familie laut Angel Perez damals entschieden, nicht mehr zu verpachten.