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Mittwoch, 15. Mai 2019 Drucken

Zweibrücken

Zweibrücken: Baumschnitt, während Krähen brüten

Von Paul H. Kreiner

Laut Sandra Labenski vom Verein der Wildvogelrettung hat eine Augenzeugin gesehen, wie Nestlinge während des Baumschnitts in der Allee auf den Boden fielen.

Laut Sandra Labenski vom Verein der Wildvogelrettung hat eine Augenzeugin gesehen, wie Nestlinge während des Baumschnitts in der Allee auf den Boden fielen. ( Foto: Moschel)

Der UBZ sieht sich weiterhin Kritik ausgesetzt. Hintergrund sind die Baumschnittarbeiten von voriger Woche in der Allee, die laut Wildvogelrettung die Krähen aus ihren Nestern scheuchen und für den Tod der Jungtiere verantwortlich sind. Der Umweltschutzverband Nabu fragt, warum die Arbeiten in der Brutzeit stattfinden.

Dass die Krähen – wie vergangene Woche vom Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) so gesagt – vom Baumschnitt in der Allee nicht gestört oder gar getötet würden, kann man laut Sandra Labenski vom Verein der Wildvogelrettung „vorne und hinten“ nicht bestätigen. „Der UBZ redet sich schon wieder raus und will sein Handeln, das so nicht erlaubt ist, rechtfertigen“, erklärt Labenski. Sie beruft sich dabei auf das Bundesnaturschutzgesetz. Demnach dürfe der UBZ, es sei denn er habe eine Ausnahmegenehmigung, die Bäume in der Allee während der Brutzeit der Krähen nicht schneiden. Eine solche Genehmigung kann laut Labenski die Untere Naturschutzbehörde erteilen. Sie sei aber schwer zu erhalten.

Der UBZ lieferte dazu bis Dienstagnachmittag keine Stellungnahme. Heiko Wunderberg, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, die wiederum beim UBZ angesiedelt ist und solche Genehmigungen für den Raum Zweibrücken ausstellt, war für eine Auskunft am Dienstag nicht zu erreichen.

"UBZ will Saatkrähen bewusst stören"

„Eine Augenzeugin hat gesehen, dass Altvögel wegen des Baumschnitts weggeflogen und Nestlinge auf den Boden gefallen sind“, ergänzt Labenski. Nach ihrer Auffassung war der Baumschnitt wenig dringlich. „Die Brut dauert nur sechs bis acht Wochen. Der UBZ will die Saatkrähen ganz bewusst stören und nimmt den Tod der Nestlinge billigend in Kauf“, mutmaßt die Vogelschützerin.

Die Begründung des UBZ, der Baumschnitt diene der Verkehrssicherheit, wird von Labenski als „faule Ausrede“ zurückgewiesen. Dass die Bäume, wie vom UBZ geschildert, wirklich derart vom Massariapilz zerfressen sind, dass sie jederzeit brechen könnten, bezweifelt sie: „Sie sollen dafür einen Nachweis bringen.“ In ihren Augen ist der Aspekt Verkehrssicherheit ohnehin eine gern genutzte Ausrede. „Wenn der Mensch irgendwo eingeschränkt ist, dann sind die Arbeiten − egal in welcher Form − immer in Ordnung“, kritisiert Labenski.

"Die Krähen haben Angst"

Vergangene Woche hatte der UBZ auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt, dass Krähen Arbeiter angriffen, wenn sie sich gestört fühlen. Doch da die UBZ-Mitarbeiter von den Krähen nicht attackiert würden, könne man dies als Indiz dafür ansehen, dass der Baumschnitt für die Krähen ungefährlich ist. Für Labenski ist diese Aussage ebenfalls leicht zu widerlegen: „Die Krähen wollen ihre Brut schützen. Das stimmt. Aber das will jedes Lebewesen. Die Krähen könnten natürlich die Arbeiter vom UBZ attackieren, aber die Tiere haben natürlich auch Angst“, erklärt Labenski, „Aber bevor die alten Vögel sterben, verlassen sie das Nest, und die Brut ist in diesem Moment ungeschützt“, erläutert Labenski weiter. Die Folge sei, dass die Jungtiere erfrieren. Gerade so wie beim kalten Wetter vergangene Woche.

Auch Miriam Krumbach vom Naturschutzbund Nabu wundert sich über den Baumschnitt mitten in der Krähen-Brutzeit. „Ich hätte mich doch sehr gefreut, wenn die noch vier Wochen hätten warten können“, sagt sie. Dass die Arbeiten an den Ästen derart dringlich gewesen sein sollen, hält auch sie für unwahrscheinlich.

UBZ: Tote Vögel schon vor dem Baumschnitt

Krumbach sieht die Lage allerdings etwas weniger dramatisch als Sandra Labenski von der Wildvogelrettung. „Auf dem Boden liegen in diesem Jahr angesichts der hohen Population wesentlich weniger tote Vögel als 2018“, sagt Krumbach. Der Grund dafür sei das kühlere Wetter. Dieses sei wesentlich besser für die Jungtiere. Dass man beim UBZ mit Ignoranz handle, kann Krumbach nicht sagen: „Die machen sich vorher auch ihre Gedanken.“

Der UBZ erklärte nach einer Presseanfrage vergangene Woche, dass schon vor dem Baumschnitt tote Vögel in der Allee gelegen und Jungtiere am Boden gesessen hätten. Der Betrieb wies damit die Anschuldigung zurück, dass der Baumschnitt die Krähen verscheuche beziehungsweise töte.

Das rheinland-pfälzische Landesministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten hat indes eine Prüfung veranlasst, in der herausgearbeitet werden soll, wie in Zukunft generell gegen den Zuzug von Saatkrähen in die Städte vorgegangen werden kann. Die bisherigen Maßnahmen sind laut Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) Baumkappung und Nestzerstörung. Der Auftrag für die Prüfung ging an die staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Ergebnisse sollen laut Höfken bis Ende des Jahres per Handreichung an die Kommunen, also auch an Zweibrücken, weitergegeben werden.

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