Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Hebammen aus Klassensaal und Hörsaal

Hebammenausbildung in Speyer: Schülerinnen üben am Modell.
Hebammenausbildung in Speyer: Schülerinnen üben am Modell.

Fragen& Antworten: Das Speyerer Krankenhaus der Diakonissen ist die größte Geburtsklinik im Bundesland. Wie gut, dass der Träger in seiner Fachschule nebenan selbst Hebammen ausbildet. Diesen „Standortvorteil“ verliert er jetzt mit einer Ausbildungsreform. Er sieht darin jedoch nicht unbedingt einen Nachteil.

Was ändert sich?
Das Hebammenreformgesetz besagt, dass der Beruf ab 2023 nur noch in einem dualen Studium an einer Hochschule erlernt werden darf. Bis dahin gibt es jedoch eine Übergangsfrist für die bisherige fachschulische Ausbildung, wie sie die Diakonissen anbieten. Sie dauert drei Jahre, findet in Speyer statt und ist mit Mittlerer Reife möglich. Das neue duale Bachelor-Studium Hebammenwissenschaft ist hingegen an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen angesiedelt; die Speyerer Geburtsklinik ist einer der Kooperationspartner. Es setzt eine zwölfjährige Schulbildung voraus. Die Diakonissen sind nun erstmals bei beiden Modellen dabei: „Wir haben uns nun dafür entschieden, die Übergangsfrist zu nutzen und bis Ende 2022 sowohl die akademische als auch die fachschulische Hebammenausbildung anzubieten“, sagt auf Anfrage Krankenhaus-Geschäftsführer Jonas Sewing.

Was bedeutet das für den Standort?
Die Diakonissen loben das Entgegenkommen des Landessozialministeriums in Mainz, das ihnen schon im Vorjahr zusätzliche Ausbildungsplätze genehmigt habe. Zunächst werden es somit mehr angehende Geburtshelferinnen: je bis zu 15 in der Fachschule und im Studium, so Schulleiterin Jutta Breichler. Bisher seien es 20 bis 23 in der Fachschule gewesen. Das Pilotprojekt, das es seit 2013 gab, läuft aus: In dieser Zeit gab es berufsbegleitend schon Studienelemente an der Ludwigshafener Hochschule – womit die Speyerer das neue Gesetz quasi vorweggenommen haben. Jetzt folgt die Trennung: entweder Speyer oder Ludwigshafen – wobei sich ein Teil der Studierenden die Praxis auch weiterhin in der Speyerer Klinik holt, die voriges Jahr mit 3305 Geburten einen Rekordwert verzeichnet hat und bundesweit auf Platz zwölf der Geburtskliniken vorgerückt ist. 2025 sind die letzten Fachschülerinnen fertig; es gibt laut Breichler die Hoffnung, bis dahin bei mehr als 15 Studienplätzen kooperieren zu können.

Wie geht es jetzt konkret weiter?
Für beide Ausbildungsgänge laufen die Bewerbungsphasen. Das Interesse an der Fachschule sei sehr groß, betont Breichler. Bis Ende Februar sollten die Aufnahmeentscheidungen gefallen sein. Für die akademische Ausbildung gehen die Bewerbungen nach Ludwigshafen. „Wir kooperieren und telefonieren täglich“, betont Breichler. Das Verfahren sei nicht ganz einfach, was bei Bewerbern auch für Verwirrung gesorgt habe. Wer im Mai die Zulassung von der Hochschule erhalte, könne im Anschluss die Details mit den Diakonissen als Partner im Dualsystem vereinbaren und zum Wintersemester 2021/22 mit dem – tariflich vergüteten – Studium beginnen. „Wir sind auf die Akademisierung vorbereitet“, betonen die Diakonissen.

Was geschieht mit den Räumen?
Die Hebammenschule teilt sich heute ein Gebäude neben dem Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus mit den Diakonissen-Fachschulen für Pflege und Sozialwesen. „Die Räume werden auch künftig benötigt“, betont Schulleiterin Breichler. Schon der Bedarf der beiden anderen Schulen reiche dafür wohl aus. Auch die Koordination der Hebammenausbildung und der neue Simulations-Kreißsaal blieben im Gebäude angesiedelt.

Warum wird trotzdem investiert?
Der Simulations-Kreißsaal, der in wenigen Wochen eröffnet werden soll, ist dafür ein gutes Beispiel. Er ist einem Kreißsaal im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus nachempfunden und mit moderner Ton- und Videotechnik ausgestattet. „Fortbildung, Austausch, Training“, erklärt Breichler den Bedarf. Die große Geburtsklinik mit allein 41 eigenen Kreißsaal-Hebammen, 14 Beleghebammen und Kolleginnen auf der Wöchnerinnenstation und in der Elternschule brauche ständig Berufsnachwuchs. Auch im Ausland haben die Diakonissen dafür schon rekrutiert – Beispiel Italien. Weitere Neuerung ist laut Breichler ab Oktober der neunmonatige „Anpassungslehrgang“ für zehn bis 15 Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern, deren Abschlüsse in Deutschland nicht ohne Weiteres anerkannt würden. Sie kämen etwa aus Afrika, Russland, Iran und Irak; die Fachschule habe für sie ein spezielles Programm entwickelt.

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