Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Das Wasser und die Folgen

wahrheit kopie

Hochwasser: Die Flut kommt

In Speyer ist die Flutkatastrophe ausgeblieben. Die Deiche haben gehalten, die Vorbeugung hat trotz selten hoher Pegelstände funktioniert. Der Rhein ist gut überwacht und gut gesichert. Dass es am bisher vor allem bei Rotweinliebhabern bekannten Flüsschen Ahr im Norden von Rheinland-Pfalz nicht so war, hatte tragische Folgen. Schnell haben sich auch Speyerer auf den Weg gemacht, um diese zu mildern. Sie haben als Katastrophenhelfer angepackt und sie haben Spendenaktionen initiiert. Die Stadt will eine Art Patenschaft für den Wiederaufbau des stark betroffenen Dorfes Mayschoß übernehmen, in der Speyerer Feuerwehrleute tätig sind. Wie so oft im Leben: Freud und Leid liegen nah beieinander. Und doch war diese Woche erhöhte Sensibilität gefragt. CDU-Politiker Armin Laschet hat das gemerkt, als er im Unglücksgebiet öffentlich lachte. Leute, die in Speyer bei Hochwasser verantwortungslos auf dem Deich picknickten oder sich am „Welle“-Denkmal unvernünftig in die Flut begaben, holten sich entsprechende Kritik in den sozialen Netzwerken ab. Da galt es auch mal, unbequeme Wahrheiten auszuhalten.

Druckwasser: Die Folgen belasten

Die RHEINPFALZ bekam es auch ab. Wie sie über die Druckwasser-Klagen der Speyerer Kleingärtner berichten könne, wenn es im Landesnorden ungleich härtere Schicksale gebe, kritisierte etwa ein Leser. Klar: Es ist immer schwierig, Leid und Leid gegeneinander abzuwägen. Es wird aber stets auch so bleiben, dass eine Tageszeitung gute wie schlechte Nachrichten, große wie kleine Themen parallel präsentiert. Dazu gehört auch das im Vergleich kleine Leid in den Speyerer Kleingärten, das für die Betroffenen so klein gar nicht ist. Eine weitere unangenehme Wahrheit im Zusammenhang mit dem Druckwasser und der Zeitung: Bilder von der durchnässten Klipfelsau waren nicht aus dem Juli, sondern aus dem Februar, als es dort schon einmal dieses Problem gab. Die Stadt, die darüber per Pressemitteilung informierte, hatte aus Versehen in den falschen Ordner gegriffen. Die Redaktion hat’s nicht gemerkt, eine Leserin schon – und für die anderen ist es eine unbequeme Wahrheit, dass sie das sichere Indiz übersehen haben: „Wenn ich genau hinschaue und weiß, dass gerade Juli 2021 ist, stelle ich fest, dass hier etwas nicht stimmt. Die Bäume haben keine Blätter!“

Wasserläufe: Der Dieb reagiert

Flutwelle hin, Armin Laschet her. Wasser konnte in dieser Woche dennoch Anlass zum Schmunzeln geben. Im Speyerer Amtsgericht war es soweit, als es darum ging, wo ein frustrierter Dieb seine Beute entsorgt hatte. Modeschmuck hatte er nämlich im Speyerbach versenkt, und die Richterin meinte sich zu erinnern, dass der alte Bekannte früher ähnlich agiert hatte: Da habe er doch schon mal Diebesgut in den Speyerbach geworfen. Hier war die unbequeme Wahrheit eigentlich gar keine, aber immerhin die Wahrheit, die man vor Gericht natürlich stets sagen muss: Nein, damals sei es der Woogbach gewesen.

Meinungsfreiheit: Die Stadt würdigt

Unbequeme Wahrheiten auszusprechen, fällt in einer funktionierenden Demokratie wie Deutschland nicht schwer. Im Land Belarus von Diktator Alexander Lukaschenko sieht das anders aus. Viele Oppositionelle müssen um ihre Zukunft, ihr Leben fürchten. Für besondere Schlagzeilen haben dort die Bürgerrechtlerinnen Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa gesorgt, die eine Protestwelle gegen Lukaschenko entfacht haben. Es war bezeichnend, dass etwa Kolesnikowa inhaftiert war, als sie am Dienstag in Worms den Preis „Das unerschrockene Wort“ der 16 Lutherstädte hätte entgegennehmen dürfen. Auch Speyer ist eine dieser Städte, und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hat Wiege der Protestation in Worms vertreten. „Es braucht starke Persönlichkeiten, die sich gegen herrschendes Unrecht und Unterdrückung wehren und unerschrocken ihre Stimme erheben“, betont sie. Sie selbst sporne das Beispiel der Belarusinnen an, sich für das Recht auf freie Meinungsäußerung einzusetzen, so Seiler. Das ist auch nicht immer bequem …

Bundestagswahl: Das Altpörtel glüht

Zur freien Meinungsäußerung gehört die politische Vielfalt. Ein Zeichen dafür sind auch die zehn Kandidaten, die im Wahlkreis Neustadt-Speyer um das Direktmandat konkurrieren, wenn am 26. September ein neuer Bundestag zusammengestellt wird. Eine neue Gruppierung ist die Partei Volt, die ebenfalls einen lokalen Kandidaten stellt. Er hat sich am Freitag mit einem Stand am Altpörtel vorgestellt. In der Ankündigung ist dabei etwas verrutscht – in eine Sprachform, die eigentlich von anderen Parteien als den Europafreunden von Volt bekannt ist: Nicht „vorm Altpörtel wird’s lila“ stand in der Presseinfo, sondern „vorm Altpartei wird’s lila“.

Weihnachtszeit: Der Passant pfeift

Unbequeme Wahrheit: Es weihnachtet sehr. Normalerweise merkt man da an den Lebkuchen, der ab September in den Supermarkt-Regalen liegt. Diese Woche schien es aber ein ebenso sicheres Anzeichen schon im Juli zu geben. „Der pfeift gerade ein Weihnachtslied“, sagte eine Kollegin über einen Passanten. Wie gesagt: mitten im Juli. Wir sind uns dann allerdings doch einig geworden, dass es das Liedlein „Froh zu sein bedarf es wenig“ war. Ist also noch mal gut gegangen.

x