Speyer
Normand-Reithalle: Mit Gang zum Gericht gedroht
Was schlägt Michael Webers Gruppe vor?
„Speyer together“ nennen Katja und Frank Schmidt (Römerberg), Vibeke Walger und Michael Weber (Speyer) ihr Konzept, an dem als „zunächst stiller Gesellschafter“ auch Fußballprofi Erik Durm (Frankfurt) beteiligt ist. Sie wollen das Gebäude mit 1000 Quadratmeter Grundfläche außen unverändert lassen und innen zwei Zwischenebenen einziehen, um auf 2000 Quadratmeter Nutzfläche zu kommen. Das Erdgeschoss soll zur multifunktionalen Begegnungsstätte mit offenem Foyer, Café und drei Veranstaltungsräumen werden. Gewerbliche Nutzer sollen dafür normale Mieten zahlen, private ermäßigte, kommunale und gemeinnützige lediglich die Nebenkosten.
Im ersten Obergeschoss sollen flexible Büroflächen entstehen, die für Coworking und Homeoffice auch kurzfristig gemietet werden könnten. Das zweite Obergeschoss – büromäßig ähnlich ausgestattet – ist als „offene Plattform für Start-ups und Gründer“ geplant. „Für all diese Nutzungen besteht in Speyer Bedarf“, so Weber. Die Investoren seien jeweils bereit, Nutzer zu coachen. Generalmieter solle die Firma Regus als bundesweit führender Coworking-Anbieter werden. Von ihr liege eine mündliche Zusage vor. Wegen des Sozialbezugs sei die Renditeerwartung gegenüber einem vollkommerziellen Konzept um 40 Prozent vermindert, so Weber. Beim Kaufpreis habe man „etwas mehr“ als die geforderten 650.000 Euro geboten.
Was will die Pada Projektentwicklung?
Ihr Konzept trägt den Namen „Mitten im Leben“ und hat neben der Firma Pada drei weitere Projektinitiatoren, die sich Synergieeffekte erhoffen: den Speyerer Pflegedienst Adessa, die auf die Gewinnung ausländischer Pflegekräfte spezialisierte Firma Talentum und Weiterbildungsträger Consil. Um ein Begegnungscafé als Herzstück herum sollen ihre Dienstleistungen angesiedelt und verzahnt werden. Adessa-Pflegedienstleiterin Natalia Ringlstetter sagte, zu einer Intensiv-WG könnte ein Weiterbildungszentrum von Consil kommen. Die Talentum-Kräfte könnten beim einen Partner ausgebildet werden, beim anderen schon mitarbeiten und im – auch für die Öffentlichkeit zugänglichen – Café Deutsch lernen. „Wir wollen Pflegekräfte nicht nur vermitteln, sondern auch im Alltag begleiten.“
Baulich plant Pada-Architekt Andreas Günther eine „Haus-in-Haus“-Lösung: Die Fassade bleibt unangetastet, im Inneren entsteht ein Bau mit zwei Stockwerken und 1400 Quadratmeter Nutzfläche. Zwischen den beiden „Häusern“ wäre halböffentlicher Raum, der Erschließungsfunktionen für das private Innere erfüllen, aber auch für Ausstellungen genutzt werden könnte. Wie beim ersten Konzept sollen zur gestalteten Außenfläche (1900 Quadratmeter) eine Terrasse für das Café und Parkplätze gehören. „Wir wollen ein Projekt machen, das sich komplett selbst trägt“, betonte Günther.
Warum hat die Stadt die zwei anderen Angebote nicht zugelassen?
Eines davon sehe „hochwertigen Wohnraum mit Loft-Charakter“ in den Obergeschossen sowie Gewerbeeinheiten vor; da fehle der in der Ausschreibung geforderte soziale Bezug, so die Stadt. Das zweite Konzept sehe Wohnraum in einem neu zu errichtenden Gebäude neben der Reithalle vor und fordere zudem von der Stadt einen Zuschuss sowie die Miet- und Betriebskosten für ein Kulturzentrum in der Reithalle. „Das läuft insgesamt dem Ziel der Ausschreibung zuwider“, so die Stadt-Pressestelle. „Auf diesem Gelände kein Neubau“, ergänzte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) am Donnerstag im Hauptausschuss eine weitere Bedingung aus ihrer Sicht.
Was sind die Knackpunkte?
Die Pada-Gruppe schien ihren Ohren nicht zu trauen, als das konkurrierende Konzept vorgestellt wurde. Es plant mit drei Nutzungsebenen in der Halle, bräuchte dafür aber Dachflächenfenster. Die habe er vor vier Jahren, als er schon einmal Interesse und 875.000 Euro geboten hatte, aus Denkmalschutz-Gründen verboten bekommen, so Pada-Chef Stefan Johann. Wenn nun Etage drei samt Fenster zugelassen würde, „würden wir klagen“, sagte er. Er beschäftige sich seit neun Jahren mit dem Objekt, habe schon hohe Planungskosten investiert. Kontrahent Weber zeigte sich hingegen zuversichtlich, mit Zustimmung des Denkmalamts „Dachflächenfenster optisch reinzubekommen“. Außerdem gilt es, die Fraktionen zu überzeugen. Weber war bei diesen schon, hat bei den Grünen einen „sehr positiven Eindruck“ hinterlassen und laut CDU „sehr überzeugend präsentiert“.
Wie geht es weiter?
In der Ratssitzung am 24. September will OB Seiler das Thema nochmals nichtöffentlich aufrufen, um zu beraten, ob die Vergabe in der Sitzung am 29. Oktober öffentlich oder nichtöffentlich erfolgt. „Wir hätten dann eine Entscheidung in diesem Herbst.“ Danach müsste der „Sieger“ einen Bauantrag genehmigt bekommen. Die reine Bauzeit könnte nochmals zwölf bis 15 Monate betragen, rechnete Bewerber Weber vor.
Stichwort: Normand-Gelände und -Reithalle
Die Halle in der Else-Krieg-Straße grenzt an einen Exerzierplatz (heute Spielplatz) und Mannschaftsgebäude an, die unter der Leitung von Architekt Franz Schöberl 1888/89 als „Neues Pionierkasernement für das 2. Pionier-Bataillon Speyer“ errichtet wurden. Die zunächst bayerische, dann bis 1997 französische Kaserne ging 1998 an die Stadt.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Wichtige Frage offen
konfliktfrei über die Bühne geht? Eher nicht. Und erst recht nicht bei der Normand-Reithalle.
Die historische Halle dient seit Jahren nur als Lagerfläche. Es gab schon viele Ideen. Die Stadt selbst prüfte eine Kita in Haus-in-Haus-Bauweise, winkte aber aus Kostengründen ebenso ab wie später Wohnbau-Investoren. Das Problem: Die Denkmalschutz-Auflagen machen das Ganze nicht direkt rentabel. Insofern ist es jetzt entscheidend, wie viele Etagen jetzt zugelassen werden. In dieser Frage steckt Potenzial für einen Rechtsstreit. Abgesehen davon, darf man sich im Rathaus aber freuen, dass sich zumindest zwei Interessenten mit ernstzunehmenden Konzepten auf die Ausschreibung mit sozialem Anspruch eingelassen haben. Bei den baulichen Details müssen sie aber noch konkreter werden.