Speyer
Firmen vermissen Fläche und Busse
Anlass für die digitale Runde war die Standortumfrage der IHK, bei der die Stadt im Vorjahr die Note 2,6 (nach 2,4 im Jahr 2018) erhalten hatte und dabei mit Frankenthal und Landau unter den kreisfreien Städten der Pfalz am besten bewertet worden war. Acht Prozent von 1600 angefragten Firmen hatten mitgemacht und einige Handlungsbedarfe aufgezeigt, so Nicole Rabold von der IHK. Als Stichworte nannte sie die digitale Infrastruktur, den Zugang zu Wohnraum und Gewerbeflächen und ein wichtiges Verkehrsthema: „Es macht uns Sorgen, wenn die Salierbrücke in 20 Jahren vom Netz geht und es heute noch keine Planung gibt, wie es weitergehen soll.“
Mit Bezug auf den Flächenmangel skizzierte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) den Plan, Produktionsbetriebe aus dem verstärkt verdichteten Innenstadt-Bereich auszusiedeln und so Wohnraumpotenziale zu heben. Sie wolle Brachflächen aktivieren, müsse mit Blick auf die Gemarkung aber auch die „Grenzen des Wachstums“ anerkennen. So habe die Stadt derzeit nur noch eine Gewerbefläche (im Industriegebiet West) im Angebot, die sie gegen Jahresende an den Markt bringen und nach einem Punktesystem vergeben wolle. Der Mangel werde sich eher noch verschärfen, so die OB. Unternehmensberaterin Jennifer Reckow (Processline) sagte, dass sie weitere Gewerberäume suche, derzeit aber in Speyer wenige Aussichten habe.
Zu hohe Mietpreise
Bei Unternehmerfragen nach den Perspektiven für die Innenstadt verwiesen Seiler und ihre Wirtschaftsförderin Katja Gerwig ebenfalls auf strukturelle Probleme. Ein Hauptgrund für die Leerstände seien zu hohe Mietpreise. Es gebe gute Interessenten, die den Branchenmix verbessern würden, aber diese kämen bei den Eigentümern nicht zum Zug. Diese schlössen zum Teil lieber Verträge mit der nächsten Optiker- oder Telekommunikationskette, als inhabergeführten Geschäften eine Chance zu geben. Seiler warb für den Ankauf von Gewerbeimmobilien durch die Stadt. Bislang sei man aber nicht zum Zug gekommen. Ein Anwesen wie die Münze in städtischem Besitz zeige, dass bei guten Mietkonditionen interessante Geschäfte kämen.
Kritik gab es am Nahverkehrsangebot in Richtung Auestraße. Patrick Bacher, Vorstand des dortigen Gesundheitsprodukte-Anbieters PM-International, berichtete von Mitarbeiterinnen und Gästen, denen es nicht zumutbar sei, sich im Dunkeln auf den Weg vom Bahnhof zum Firmensitz zu machen. Personal drohe daher mit Kündigungen. Das Unternehmen habe auf eigene Kosten mit einem Taxishuttle im Winterhalbjahr ab dem Bahnhof reagiert. Jennifer Reckow bestätigte das Problem. OB Seiler sagte ab Ende 2023 verbesserte Busverbindungen zu. Diese brächten für das Industriegebiet Süd eine neue Verbindung und für die Auestraße eine neue Haltestelle im Einmündungsbereich der Hofweide mit sich, wo PM-International sitzt.