Speyer
Erlichschule: Leiter Peter Schmid geht in Ruhestand
Noch sieht nichts nach Abschied aus. In Schmids Zimmer stapeln sich Ordner, an den Wänden hängt Schüler-Kunst, daneben das Statement „Nein zu Rassismus“. Schmid telefoniert, bespricht sich mit Kollegen, redet mit Schülern, bestellt eine Portion vom Schulessen. So wie seit 20 Jahren. Dass am Freitag endgültig Schluss ist, habe er zwar selbst entschieden, aber noch nicht realisiert, erklärt er. „Meine Gefühle fahren Achterbahn.“
Kein Mittagessen bei Mama
Schmid fängt im Gespräch über seinen Berufsweg hinten an – da, wo er vom Lehrer zum Leiter wurde, nämlich ganz klassisch vom Konrektor zum Rektor. 16 Jahre lang hatte er die Verantwortung für die Förderschule inne. Sein Stellvertreter Jürgen Schall war immer an seiner Seite. „Das war und ist Freundschaft“, betont Schmid. Aus dieser Erfahrung heraus sei er grundsätzlich für eine Doppelspitze an jeder Schule. „Das fördert die Qualität und die Motivation des Kollegiums“, ist Schmid überzeugt. Er gerät ins Schwärmen, wenn er vom großen Engagement der Lehrer und Mitarbeiter erzählt, vom kreativen Einsatz ohne Limit, von der Entschlossenheit, jedes Kind seinen Fähigkeiten entsprechend voranzubringen. „In der Erlichschule dürfen auch Erwachsene Fehler machen“, erklärt Schmid das Konzept, das sich nach den Bedürfnissen der rund 180 Schüler richte.
Schmid ist sich sicher, dass es für ihn jetzt an der Zeit ist, die Schule zu verlassen. Er will Zeit mit den beiden Enkeln beim Bootfahren, Zelten und Feuermachen verbringen, „solange sie das noch wollen“. Schmids Eltern – beide Lehrer – leben in Dudenhofen, er in Burrweiler im Kreis Südliche Weinstraße. Das Mittagessen jeden Freitag nach der Schule bei der Mutter werde er vermissen, sagt Schmid. „Burrweiler ist ja nicht aus der Welt.“ Er plane regelmäßige Besuche in Dudenhofen.
Dort ist Schmid auch aufgewachsen. Zur Welt gekommen ist er in der Eifel. Der Vater war Schulmeister, die Dorfklasse direkt hinter der Küchentür der Schmids. Vater, Mutter, er und zwei Brüder waren im Schulhaus daheim.
Zivildienst ändert alles
„Sobald ich laufen konnte, habe ich dem Schulalltag zugeschaut.“ Später, im Hans-Purrmann-Gymnasium in Speyer, habe ihn die Schule nicht sonderlich begeistert. Den Ausschlag, selbst den Lehrerberuf zu ergreifen, habe der Zivildienst in einer Schule für Körperbehinderte gegeben. „Ich wollte Schule anders gestalten, als ich sie selbst erlebt habe“, erklärt er.
Dass einer seiner drei Söhne in seine Fußstapfen getreten ist, bringt Schmid zum Nachdenken. „Vielleicht war meine Begeisterung der Schlüssel.“ Die ist auch wenige Tage vor dem Abschied spürbar, beispielsweise, wenn Schmid von seiner Leidenschaft für Erlebnispädagogik erzählt, vom Zirkusprojekt, von Schülern, die von seiner Einführung des zehnten Schuljahres profitiert haben, von ersten beruflichen Erfahrungen in Schulküche und Schulkiosk, von der Schülerin, die nach Abschluss der mittleren Reife die Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen hat, oder der, die im Drogeriemarkt Karriere gemacht hat.
Gegen Rechtsradikale wirken
Nach dem Studium hat Schmid das Angebot erhalten, zum Programmierer umzuschulen, erzählt Schmid und berichtet von der „Lehrerschwemme“ Mitte der 1980er-Jahre. Damals war er bereits Vater und fest entschlossen, am Lehrberuf festzuhalten. Direkt an der niederländischen Grenze hat er diesen in den ersten fünf Jahren ausgeübt. „Ich habe mich da sehr wohl gefühlt, hatte aber Heimweh.“ Deshalb sei er nach Neustadt gewechselt. „Mittlerweile war der dritte Sohn geboren.“
Seit 30 Jahren leben die Schmids jetzt in Burrweiler und wollen da nicht mehr weg. Vielleicht hin und wieder zum Wandern oder zum Verreisen mit dem Campingbus. Als Vorstand der reformierten katholischen Kirche in Landau will er sich künftig stärker in der Gemeinde einbringen, Demokratie-Projekte anstoßen und präventiv gegen rechtsradikales Gedankengut wirken. Schmids Pläne für den Ruhestand sind vielfältig. Die Förderschule im Erlich, die Erfolge, Rückschläge und Kämpfe wird er mitnehmen. Und die Erinnerung an den Schüler, der seinen Kopf ins Schmids Zimmer steckt und alles Gesagte so zusammenfasst: „Geile Schule.“