Interview
E-Autos in Speyer: Das müssen Sie über „Wallboxen“ wissen
Herr Nett, ich spiele mit dem Gedanken, mir ein E-Auto zuzulegen. Der Kauf und die Zulassung ist das eine. Aber wie und wo lade ich mein Fahrzeug?
Im einfachsten Fall fährt man damit abends nach der Arbeit nach Hause und kann da in ein gesichertes System einstöpseln. Gerade in Mehrfamilienhäusern kann es aber nicht ganz so einfach sein, eine eigene Ladestation zu installieren. Dann ist man auf die öffentlichen Ladestationen angewiesen oder kann beim Arbeitgeber nachfragen, ob es dort eine Lademöglichkeit gibt. Der erste Schritt ist also, abzuklären, wo man sein E-Auto überhaupt laden kann.
Sagen wir mal, ich habe ein Einfamilienhaus mit Garage und will da laden. Was dann?
Die SWS bieten mit einem Partnerunternehmen einen Vorab-Check an. Nur mit Fachpersonal kann man feststellen, ob Sie überhaupt eine Ladebox betreiben und sie unter der vollen Auslastung nutzen können. Denn so eine Ladestation schlägt beim Stromverbrauch schnell zu Buche. Wenn Sie schon eine Sauna, ein Klimagerät oder einen Pool haben, ist die begrenzte Leistung des Hauses vielleicht schon ausgeschöpft. Und mit der Elektromobilität käme noch ein immens großer Verbraucher dazu. Hier müssen dann Leistungserhöhungen durch Ihren Netzbetreiber geprüft werden – in Speyer und Otterstadt sind das die SWS.
Im schlimmsten Fall kann ich also einfach so gar keine Wallbox installieren?
Das kann durchaus passieren, kommt aber selten vor. In der Regel wird die Ladebox dann einfach gedrosselt, das heißt, sie kann statt der 11 kW pro Stunde, die für so ein Ein- oder Mehrfamilienhaus Standard sind, vielleicht nur noch 7 kW laden.
Und wenn ich schneller laden will und mein Stromnetz das hergibt, kann ich auch eine Schnellladestation zu Hause haben?
Wenn Sie eine Ladebox installieren möchten, die mehr als 11 kW laden kann, müssen Sie das mit dem Netzbetreiber abklären. Der schaut sich noch mal die Leitungen in der Straße an und gibt sein endgültiges Okay. Bis zu 22 kW können so zu Hause möglich sein. Ohne eine Genehmigung geht das aber nicht. Bei Schnellladestationen mit Ladeleistungen ab 100 kW aufwärts, wie sie im öffentlichen Ladenetz zur Verfügung stehen, bekommen Sie den Akku in 30 Minuten „voll“. Aber zu Hause ist das von den Kosten her einfach nicht realisierbar. Entscheidend ist aber auch immer: Was kann mein Auto überhaupt laden?
Kann ich meine Wallbox überall hinhängen oder muss sie in die Garage?
Vom Prinzip her kann die Ladebox überall hängen. Wand oder Garage ist gut, teilweise gibt es die Boxen auch auf Standfüßen. Wichtig ist aber, auf die Schutzart zu achten, damit sie gegen Wasser oder Feinpartikel geschützt ist. Das haben die allermeisten Modelle aber.
Was mache ich denn, wenn ich in einer Mietwohnung lebe und auch nur einen gemieteten Stellplatz habe? Kann ich dann auch eine Wallbox installieren?
Dafür gibt es seit Ende vergangenen Jahres eine rechtliche Grundlage. Die besagt, dass Sie als Mieter darauf bestehen können, eine Ladestation auf ihrem Parkplatz zu installieren. Der Eigentümer kann das nicht verweigern. Am besten ist es in so einem Fall, auf die Hausverwaltung und die anderen Mieter zuzugehen. Vielleicht haben noch mehr Mieter daran Interesse und man kann ein ganzheitliches Konzept für die Gemeinschaft entwickeln.
Ist Ladebox denn gleich Ladebox?
Die Spannbreite ist da mittlerweile riesig. Es gibt ganz einfache Ladestationen, die man nur einstöpselt und das war es dann. Andere Modelle haben eine Steuerung über eine Handy-App dabei und zeigen zum Beispiel die Ladedaten an. Möglich ist mit einigen Varianten auch, sie mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach zu verbinden und einzustellen, dass nur dieser Strom geladen wird. Außerdem gibt es natürlich Stationen mit zwei Kabeln, sodass man zwei Autos mit einer Ladebox „tanken“ kann. Auch das Zubehör variiert von Modell zu Modell.
Was kostet mich so eine Ladebox?
Da muss man zwischen Ein- und Mehrfamilienhaus differenzieren. Die Box an sich plus Installation beginnt bei einem Einfamilienhaus bei den SWS ab 1649 Euro. Davon können Sie 900 Euro abziehen, die Sie bei der KfW als Förderung für die Ladebox bekommen, allerdings auch vorstrecken müssen. Im Mehrfamilienhaus hängen die Kosten stark von der Ausgangssituation und dem Aufwand ab. Da sprechen wir von 2000 bis 3000 Euro oder auch von 5000 Euro. Die 900-Euro-Förderung gibt es aber auch hier.
Bekomme ich die Förderung einfach so?
Nein. Voraussetzung dafür ist, dass Sie mit Naturstrom oder mit Strom aus Ihrer Photovoltaikanlage laden. Für die Förderung müssen Sie dann zum einen die Rechnung nachweisen, die belegt, dass die Box von einem Fachbetrieb montiert wurde. Zum anderen müssen Sie belegen, dass Sie grünen Strom nutzen. Das hat die Bundesregierung so festgelegt.
Ein paar Hundert Euro muss ich dann ja trotzdem noch zahlen. Lohnt sich eine Ladebox für mich zu Hause überhaupt finanziell? Oder lade ich lieber am öffentlichen Netz?
Das kommt auf den eigenen Stromtarif an, mit dem man die Kosten am öffentlichen Netz gut vergleichen kann. In der Regel ist es aber günstiger, zu Hause zu laden – vor allem, wenn die Ladebox in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage und einem Speicher genutzt wird. Wer zu Hause tankt, hat natürlich den Komfort, dass er nicht zum Auto laufen muss, wenn er irgendwo anders lädt und zudem sofort laden kann. Wer dennoch auf das Laden am öffentlichen Netz angewiesen ist, kann spezielle Autostromtarife abschließen.
Und wie schnell ist die Box bei mir zu Hause installiert?
Im besten Fall erfolgt die Umsetzung innerhalb eines Monats. Die Nachfrage ist hoch, gleichzeitig gibt es viele Lieferverzögerungen, vor allem bei den Elektroteilen. Die Umsetzung kann daher aktuell drei bis vier Monate dauern.
Haben die Speyerer Interesse an Elektromobilität?
Auf jeden Fall. Dafür gibt es mehrere Anzeichen: Zum einen kommen viele Anfragen dazu bei uns rein. Zum anderen verkaufen wir durch die Förderprogramme mittlerweile viel mehr Ladeboxen für zu Hause. Auch die Abnahmemenge an den öffentlichen Ladestationen in der Stadt nimmt zu. Gerade im vergangenen Dreivierteljahr – seit die Förderung für Privathaushalte zugenommen hat – nimmt das Thema Fahrt auf.
Zur Person
Michael Nett (23) hat bei den Stadtwerken Speyer (SWS) 2017 ein duales Studium im Bereich Energiewirtschaft begonnen. Nach seinem Bachelor-Abschluss hat er 2020 in der Abteilung Technischer Vertrieb angefangen.
Zur Sache: Öffentliches Ladenetz in Speyer
Die Stadtwerke Speyer betreiben in der Domstadt aktuell 25 Normalladesäulen und sieben Schnellladestationen für E-Autos. Allein sieben normale und zwei Schnellladestellen kamen in diesem Jahr dazu. Zwei weitere Normalladesäulen sollen laut Auskunft einer SWS-Sprecherin „in nächster Zeit“ am St.-Vincentius-Krankenhaus und in der Burgstraße entstehen. Eine weitere Schnellladestation sei für den Fliederweg geplant. Die Stadtwerke betreiben ihre Ladesäulen nach eigenen Angaben ausschließlich mit Naturstrom. tiko