Leitartikel
Das Bau- und Klima-Dilemma
Ja, Wohnen in Speyer ist in vielen Fällen zu teuer. Aber es gibt eben auch ganz viele faire private Vermieter und vor allem in großem Maß Wohnungsbaugesellschaften wie Gewo, GBS und GSW mit großen Beständen in den günstigeren Preisklassen. Das von der Politik geliebte Attribut „bezahlbar“ sollte in diesem Zusammenhang vermieden werden. Es ist allzu unkonkret – denn für irgendjemanden ist jede Wohnung bezahlbar.
Zu den treuen Mietern und Vermietern kommen Eigenheim-Besitzer, die Speyer und ihre vier Wände lieben. Ob im Siedlerhaus in Nord, im Bungalow im Vogelgesang oder im liebevoll restaurierten Altstadthäuschen. Dennoch ist die Unzufriedenheit hoch, wozu vor allem drei Faktoren beitragen. Erstens gibt es für attraktive Wohnungen viel mehr Nachfrage als Angebot. Die Wartelisten etwa bei den Baugesellschaften sind teilweise unrealistisch lang. Zweitens haben bei größeren Neubauprojekten in den Vorjahren solche das öffentliche Bewusstsein geprägt, die preislich am oberen Ende der Spanne liegen. Und drittens finden etwa Familien, die ein Haus bauen wollen, kaum Möglichkeiten vor. Das ist aber tendenziell schon lange so, und auch das hat Orte von Harthausen bis Heiligenstein groß gemacht. Dass sich ein Gebiet wie das am Russenweiher, in dem Einfamilienhäuser möglich werden, planerisch um fast ein Jahrzehnt verzögert hat, macht die Sache natürlich nicht besser.
Endlich wieder mehr Neubau
Also, was tun? Die Baugesellschaften bauen endlich wieder mehr. Sie werden auch zum Zug kommen, wenn größere Flächen entwickelt oder Nachverdichtung möglich wird. Dass sie vor 20 Jahren weniger getan haben, angeblich wegen der Konditionen weniger tun konnten, rächt sich heute. Die Politik hat eine Sozialquote beschlossen, nach der bei größeren Neubauvorhaben 25 Prozent der Einheiten zu Festpreisen vermietet werden müssen. Das wird Wirkung entfalten, denn hier könnten die Investoren teilweise deutlich höhere Summen erlösen, dürfen es aber nicht. Das ist effektiver als die vom Land für Speyer durchgesetzte Mietpreisbremse mit überwiegend symbolischer Wirkung.
Der Platz fürs eigene „Häusle“ wird eine Dauerbaustelle bleiben. Hier sieht es eher nicht so aus, als dass in großem Maße Flächen für Durchschnittsfamilien frei würden, zumal sich der Wind bei der Nutzung von Ackerflächen wie der Wingertsgewann in Speyer-Nord gedreht hat: Das Pionier-Quartier wird längst nicht so groß werden wie zunächst geplant. Wenn der Rat dem Vorschlag von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) folgt, auf die Bebauung der Flächen zwischen Kaserne und Waldseer Straße zu verzichten, ist das klimapolitisch ein Meilenstein. Baupolitisch lässt es viele Fragen offen.
