Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Blick in Alterswohnsitz, Übergangsbleibe und Mehrgenerationendomizil

Esstisch mit Blick zum Balkon: So wohnt Angelika Riemer.
Esstisch mit Blick zum Balkon: So wohnt Angelika Riemer.

Seit August hat die RHEINPFALZ in der Reihe „Wohnen in Speyer“ zahlreiche Aspekte rund um Immobilienmarkt und Wohnungssuche beleuchtet. Das Thema bleibt in der Domstadt ein Dauerbrenner. Zum Abschluss berichten Speyererinnen und Speyerer, wie sie wohnen und warum. Wir haben hinter drei Türen geschaut.

Vor sieben Jahren hat Angelika Riemer beschlossen, nie mehr umzuziehen. Nach zahlreichen Wohnungswechseln mit Eltern, Mann und Kindern wollte sie sich in ihrem kleinen Appartement in der Speyerer Petschengasse mit unverbaubarem Blick in der dritten Etage einrichten und sich fürs Alter fit machen. „Da kam das Angebot eines Betreuungsvertrags mit dem damals im Wohnblock angesiedelten Roten Kreuz inklusive Gemeinschaftsraum für die ganze Nachbarschaft gerade richtig“, erzählt sie. Der Gedanke habe ihr gefallen, Gleichaltrige beim gemütlichen Kaffeetrinken kennenzulernen. „Leider war es damit bald vorbei“, berichtet sie vom DRK-Auszug und der Vertragsauflösung.

Ausziehen will die Seniorin dennoch nicht. Zu gerne hat sie ihren winzigen Balkon, liebevoll bepflanzt und ein idealer Platz für heimische Singvögel. Diese füttert Riemer ganzjährig und hat auch eine kleine Tränke für sie angelegt. Die Wohnung sei hell, barrierefrei und vollkommen auf sie zugeschnitten. „Für Speyerer Verhältnisse und für das sonstige Mietkonzept des Vermieters Deutsche Wohnen ist sie auch gerade noch bezahlbar.“ In ihrer Küche kann sie alles gut erreichen, das Bad ist perfekt für eine Person. Einen Aufzug, der sie bis unters Dach fährt, gibt es auch. „Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es eine bessere Reinigung der Allgemeinflächen“, sagt sie. „Aber das ist ein Luxusproblem.“ Ja, Angelika Riemer will bleiben, wo sie ist.

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Auch im oberen Stockwerk und dennoch ganz anders lebt Raizan Mohamad mit seiner Familie in der Viehtriftstraße. Er, Ehefrau Fatme Muslem und vier Kinder müssen dort mit zweieinhalb Zimmern auf knapp 60 Quadratmetern auskommen. Die Söhne Zakarya (17) und Sherko (16) teilen sich einen winzigen Raum mit Schrank und Wäscheständer, Karins (11) Bett steht im Elternschlafzimmer. Ruslin (5) schläft bei Mutter und Vater. „Für ihr Bett ist kein Platz mehr da“ erklärt Fatme Muslem.

Aus der schmalen Küche duftet es. Die Mutter trägt Gemüse, Fleisch und Salat auf den Tisch an der Eckbank, die im Wohnzimmer steht. Gleich kommt der Älteste. Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Mechatroniker. Sherko und Karin besuchen die IGS, Ruslin die Kita. „Gelernt wird im Auto“, beschreibt Muslem eine Wohnsituation, die Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen nicht zulasse. „Im Sommer ist es unerträglich heiß“, weist sie auf schlechte Isolierung hin.

2014 ist die Familie aus Syrien geflohen. Zunächst war sie in der Unterkunft „Erlichhaus“ in West untergebracht. „2015 hat uns die Stadt die Wohnung in der Viehtriftstraße zugewiesen“, sagt Muhamad. Damals sei er dankbar dafür gewesen, endlich eigene vier Wände zu haben. Inzwischen hat er den Taxischein erworben und seit zwei Jahren eine unbefristete Vollzeitstelle bei der Speyerer Firma Merl. Von Gehalt und Kindergeld kann er die Familie finanzieren und wäre auch in der Lage, eine angemessene Wohnung zu bezahlen, betont er. „Wir finden einfach keine“, sagt er über die Suche.

Seit Jahren stehe er auf der Warteliste von Gewo und GBS, schaue wöchentlich in Zeitung und Internet, höre sich im Bekanntenkreis um. „So können und wollen wir nicht länger leben“, sagt Muhamad. „Aber die Nachbarschaft in der Viehtriftstraße ist gut“, berichtet seine Ehefrau von viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Haus und drumherum. „Das macht viel aus.“

Drei Generationen in einem Haus

Dass hier Kinder leben, ist weder im Haus noch im Garten zu übersehen. Sie sind die Hauptpersonen im Haus in der Remlingstraße. „Besser zusammen“: Michael Klomann ist vom Wohnmodell seiner Familie überzeugt. Drei Generationen leben unter einem Dach: Er und Ehefrau Monika wohnen ganz oben, die ältere Tochter Vanessa mit Tochter Amina (2) in der Mitte, die jüngere Dominique mit Ehemann Björn und den einjährigen Zwillingen Max und Felix im Erdgeschoss. Vor genau zwei Jahren haben sie ihr Eigenheim bezogen und fühlen sich wohl damit. „Jeder kann jeden unterstützen“, erklärt Dominique Schuster. Sie möchte nach der Elternzeit bald wieder arbeiten. „Die Kinder sind immer betreut“, freut sie sich.

Vanessa Klomann ist bereits zurück im Job. „Wir sind alle froh über unsere Hausgemeinschaft“, sagt sie. „So sind wir auch aufgewachsen“, erzählt sie von der Kindheit in einem Drei-Generationen-Haus. „Das wollen wir für unsere Kinder auch.“

Bei Monika Klomann laufen die Fäden zusammen. Neben ihrer eigenen Berufstätigkeit hütet sie die Enkel, kocht für alle und berät in Erziehungsfragen. „Wichtig ist, dass jeder seine abgeschlossene Wohnung hat“, sagt sie. Für den Großvater ist es schwer, sich nicht einzumischen. „Die Kinder wollen, dass wir uns zurückhalten“, berichtet er von Konflikten, die bisher immer schnell ausgeräumt worden seien. „Reden hilft“, sagt er. Max und Felix sitzen auf seinem Schoß, Amina lässt sich von der Oma den Sand aus den Haaren kämmen. Für alle Familienmitglieder sei das Miteinander im eigenen Haus ideal, ist der Opa überzeugt. Gerade im Lockdown hätten sie das schätzen gelernt. „Wir waren nie voneinander getrennt.“

Für Monika Klomann und ihren Mann ist es wunderbar, die Enkel beim Großwerden zu begleiten, Töchter und Schwiegersohn hätten beruflich und privat mehr Freiheiten, für die Enkel sei immer mindestens ein Erwachsener da. „Sie wachsen alle drei wie Geschwister auf“, berichtet die Großmutter. „Wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist.“

Mal ohne Kinder: Fatme Muslem und Raizan Mohamad.
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Familie unter einem Dach (von links): Max, Björn, Dominique und Felix Schuster, Michael, Vanessa, Amina und Monika Klomann.
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