Saarbrücken
Was tun, wenn keiner mehr den Job machen will?
„Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Handwerkerinnen und Handwerkern in der HWK, die sich über fehlende Fachkräfte beklagt haben.“ So startet Wirtschaftsminister Jürgen Barke mit einer Anekdote in seine Begrüßung an die vielen Gäste, die zum großen Fachkräftegipfel ins Atrium des Wirtschaftsministeriums gekommen sind. Er habe in die Runde gefragt, wie es bezüglich des eigenen Nachwuchses aussehe. Herausgekommen sei dabei, dass auch der vorwiegend einer akademischen Ausbildung nachgehe. Das zeige, wie schwierig es ist, junge Leute für gewisse Berufsfelder zu begeistern. „Da haben wir dicke Bretter zu bohren und müssen in vielen Bereichen auch viel früher anfangen“, erklärt er.
Das saarländische Wirtschaftsministerium sieht in der Fachkräftesicherung eine zentrale Aufgabe der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Land und Bund hätten hierfür geeignete Förderinstrumente geschaffen, was sich an den unterschiedlichen Unterstützungsangeboten an Unternehmen mit Blick auf den Fachkräftebedarf zeige. Deshalb lud das Ministerium unter dem Titel „Fachkräfte für das Saarland – Welche Möglichkeiten haben Unternehmen?“ zahlreiche Unternehmer aus dem Saarland ein, die sich anhand von Vorträgen, Diskussionen, Workshops und auf einem „Markt der Möglichkeiten“ zu Hilfsangeboten und Strategien informieren konnten.
Barke: Es braucht immer mehr Kompetenzen
Den Markt, auf dem sich über 20 Aussteller, darunter die Handwerkskammer, das East Side Fab oder Saaris präsentierten, sieht der Minister dabei als wichtigen Baustein. In Zukunft werde es eine dauerhafte Nachfrage nach immer mehr Kenntnissen geben, da sowohl technologische als auch digitale Kompetenzen immer wichtiger werden. Man müsse sich in einer verändernden Wirtschaft dementsprechend nicht nur um junge Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt kommen, kümmern, sondern auch Angebote für diejenigen schaffen, die schon in gewissen Branchen arbeiten. Dafür brauche es auch ein hohes Maß an Ausbildungs- und Qualifizierungsbereitschaft, zu dem sich die Besucher auf dem „Markt der Möglichkeiten“ informieren konnten.
Auch die Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) hat die Wichtigkeit dieser Möglichkeiten erkannt. Der Fachkräftemangel sei ein großes Problem, man sei jedoch auf einem guten Weg, erklärt Marcel Woll aus der Abteilung für Weiterbildung am Stand der Handwerkskammer. Die HWK bietet dabei eine breite Palette an verschiedenen Weiterbildungen an: „Egal, ob als Friseur oder nur zum Spaß“, erläutert Woll und ergänzt: „Jeden Tag bildet man sich weiter, und das wird bei uns großgeschrieben“. Hierbei biete man zahlreiche Meisterkurse an, die mit einem Studium praktisch gleichzusetzen seien. Gerade bei der Meisterausbildung seien auch ein zunehmendes Interesse und steigende Zahlen zu verzeichnen.
Wie gehen Unternehmen damit um, wenn Mitarbeiter fehlen?
Ein Unternehmen, das ebenfalls mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat, ist die Karl Schmidt Spedition aus Heilbronn, die rund 2500 Mitarbeiter an insgesamt 49 Standorten in Europa beschäftigt. In einem Impulsvortrag sprach Personalleiter Marcus Riecker über die Probleme und Lösungsansätze des Unternehmens beim Fachkräftemangel. Ein großes Problem sei, dass viele ältere Berufskraftfahrer in Rente gehen und wenig Nachwuchs folge. Die Gründe sind seiner Meinung nach vielschichtig. Neben dem demografischen Wandel seien eben auch Lücken im Ausbildungssystem oder die mangelnde Attraktivität des Berufs ein Problem.
Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, hat sich das Unternehmen laut Riecker auf drei Dinge spezialisiert. Zum einen setze man, beispielsweise mithilfe digitaler Plattformen und sozialen Medien, auf neue Rekrutierungsmethoden, die die Ansprache von Nachwuchskräften erleichtern. Dafür arbeite man mit einer speziellen Agentur zusammen. Auch das Fachkräftemarketing nehme im Unternehmen eine wichtige Stellung ein. Es sei für ein mittelständisches Unternehmen wichtig, als starke Arbeitgebermarke aufzutreten und sich zu Fragen: „Bin ich sichtbar? Wer kennt mich?“. „Man muss an positiven Dingen festhalten und diese entsprechend vermarkten“, betont Riecker.
Acht Monate hat es gedauert, bis ein Fahrer aus Serbien im Unternehmen anfangen konnte
Der dritte Punkt seien die Arbeitsbedingungen. In einem Kampf um Talente müsse sich jedes Unternehmen fragen, was man seinen Mitarbeitern von flexiblen Arbeitsmodellen über Homeoffice bis hin zu Mitarbeiterrabatten oder Job-Tickets anbieten könne. Auch das Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland sei zudem natürlich eine Komponente. Das sei aber oft mit einem hohen Maß an Bürokratie verbunden. So habe man versucht, einen serbischen Fahrer in das Unternehmen zu bringen. Insgesamt acht Monate habe es bis zur Erlaubnis gedauert. „Das ist eindeutig zu lange“, erklärt er. Generell sei die Suche nach geeigneten Arbeitskräften aber ein stetiger Prozess, bei dem es stets Verbesserungsmöglichkeiten gebe. Auch sein Unternehmen sei dabei noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.