Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel „Vorhersehbarer Umweltskandal“: Hunderte tote Fische im Erbach

Katrin Lauer, die vor Ort war, schätzt, dass Tausende Fische im Erbach verendet sind. Noch sind die Gründe für das Fischsterben
Katrin Lauer, die vor Ort war, schätzt, dass Tausende Fische im Erbach verendet sind. Noch sind die Gründe für das Fischsterben unbekannt. Proben wurden entnommen.

„Da gab es nichts mehr, das gelebt hat“, sagt Katrin Lauer. Die Ortsvertrauensfrau von Homburg-Beeden ist fassungslos. Am Mittwochabend erfuhr sie, dass tote Fische im Erbach schwimmen. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz nahm Proben – das reicht aber nicht, findet sie. Was sie nun fordert.

War es das Regenwasser, das die Fische aus dem Kanal gespült hat? Sind es Giftstoffe, die sich im Erbach befinden und die Fische töteten? Zu den Ursachen der toten Fische im Homburger Erbach weiß man momentan noch nichts. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) in Saarbrücken nahm am Donnerstag Proben vom Wasser und tote Fische zur Untersuchung mit. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage sagte Pressesprecher Matthias Weber, die Auswertung der Proben laufe noch. Wann die Ergebnisse da sind, kann er noch nicht sagen. „Die Proben werden darauf geprüft: Sind toxikologische Stoffe nachweisbar?“, sagte er am Freitagmittag. Eine Vermutung habe man schon: Das LUA vermutet, dass der starke Regen in den letzten Tagen die Fische rausgeschwemmt haben könnte. Das Regenwasser könnte sich mit dem Wasser im Bach vermischt und die Fische aus dem Teil des Überlaufs, der unterirdisch verläuft, rausgespült haben.

Katrin Lauer: „Der Erbach ist biologisch tot“

Homburgs Bürgermeister Michael Forster (CDU) sagte: „Mutmaßungen und Spekulationen, was das Sterben der Fische ausgelöst haben könnte, verbieten sich allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt.“ Die Stadt Homburg geht davon aus, dass um die 150 tote Fische im Erbach verendet sind. Dem widerspricht Katrin Lauer. „Es sind Tausende“, sagt sie der RHEINPFALZ am Freitagmittag. „150 Fische habe ich auf einem Sieb gehabt, auf zehn Quadratzentimeter. Auf der Strecke oberhalb der Kläranlage haben wir von unten den Schlamm rausgekratzt. Da waren auch die Flusskrebse tot, und die Wasserflöhe. Der Erbach ist biologisch tot“, meint sie. Konkret geht es um den Bachverlauf Entenmühlstraße und der Brücke an der Kläranlage.

Katrin Lauer war am Mittwochabend vor Ort, als sie von der Spaziergängerin informiert wurde, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. An der Brücke direkt an der Kläranlage seien die Fische bereits tot gewesen. Ihre Vermutung war zuerst, dass durch die Ableitung der Kläranlage in den Erbach „das Wasser kontaminiert wurde“. Vermutlich sei aber laut Lauer „sehr viel kontaminierte Fracht in den Erbach“ gelangt. „Und das hat die Ökologie nicht mehr geschafft. Das war so ein trauriges Bild, ein paar Fische haben noch gezappelt und ums Überleben gekämpft. Die Jungbrut war tot“, so die Grünen-Politikerin. Im Erbacher Stadtpark habe sie überhaupt keine Fische mehr sehen können.

Seit Jahren schwimmt Schaum auf dem Erbach

Die Fische, die Lauer zusammen mit einem Nabu-Experten für Proben aus dem Erbach geholt hat, „sind völlig aufgequollen, waren ganz weiß und geschwollen.“ Forellen, Rotschwänze, Hechte, Karpfen, Zander – all diese Fische waren im Erbach verendet.

Seit Jahren schwimmt Schaum auf dem Erbach, seit Mai schäumt er sogar dauerhaft. Katrin Lauer vermutet, dass das mit der Tensid-Einleitung zu tun hat. Tenside sind oberflächenaktive Substanzen, die sich an Grenzflächen anreichern und die Grenzflächenspannung zwischen zwei verschiedenen Phasen herabsetzen. „In den letzten drei Monaten gab es vielleicht drei Tage, wo er nicht geschäumt hat.“ An dem Tag, an dem die Fische starben, schäumte er ausnahmsweise auch nicht, berichtete Lauer. „Da war er so klar, wie ich es schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe.“

Anzeige wegen eines Umweltdelikts

Lauer sei aufgefallen, dass ihr, als sie am Erbach zusätzlich Proben genommen hatte, die Augen gebrannt hätten. Sie erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen eines Umweltdelikts. Denn: „Das ist ungeheuerlich.“

Dieter Dorda, Abteilungsleiter Umwelt und Grünflächen bei der Stadt Homburg, hat sich ebenfalls ein Bild von der Lage gemacht. Es würden auch tote Fische aus dem Bereich der Verrohrung im Bereich Entenmühle gespült wurden. Dorda sagt: „Es ist bekannt, dass auch im verrohrten Teil des Erbachs Fische vorkommen. Diese steigen in der Talstraße auf bis auf Höhe Mannlich-Gymnasium, wo sie wegen eines Absturzes im verrohrten Kanal nicht mehr weiterkommen.“ Weil tote Fische auch aus dem Bereich der Verrohrung angespült wurden, müsse laut Dorda momentan angenommen werden, dass die Ursache für das Fischsterben auch im Bereich der Verrohrung liegt. Es könnte auch sein, dass Schadstoffe der Grund sind. Das könne schon am Vortag, also am Dienstag, passiert sein.

Am Freitag waren plötzlich alle Fische weg

Im Bereich der Verrohrung sei der Stadt keine Einleitstellen bekannt, die Ursache für das Fischsterben sein könnten. Die Stadt werde den Erbach kontrollieren, kündigt die Pressestelle an. Alle weiteren Schritte werde die Stadt mit dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz abstimmen. Am Freitagmittag, als die RHEINPFALZ vor Ort war, waren weit und breit keine Fische mehr im Erbach zu finden. Katrin Lauer vermutet, dass die Fischleichen alle Richtung Blies gespült worden sein könnten – auch wegen des starken Regens seit Donnerstag.

Für Katrin Lauer sind die Probleme tiefgreifender – und liegen teils schon Jahre zurück. „Wir haben ein Kanalisationsproblem in Homburg.“ Zum Problem gehören für sie auch die Regenüberlaufbecken. „Wenn es lange trocken ist, und regnet plötzlich stark, laufen die Regenüberlaufbecken über und bringen den ganzen Schmaddel, was im Kanal in Trockenheit hängengeblieben ist, mit.“ Der Haken: Das alles sei unverdünnt. Lauers Idee: Mehr Flächen entsiegeln, mehr Regenrückhaltebecken schaffen. Sie sieht in den maroden Kanälen in Homburg grundsätzlich ein Problem. Der Fall des Fischesterbens müsse „jetzt transparent gehandhabt werden, das kann so nicht weitergehen“, sagt Lauer. Bis die Untersuchungsergebnisse der Proben vom LUA vorliegen, wird es noch ein paar Tage dauern.

Am Mittwoch und Freitag trieben die Fische noch tot im Erbach. Am Freitag wurden sie vermutlich wegen des Regens Richtung Blies
Am Mittwoch und Freitag trieben die Fische noch tot im Erbach. Am Freitag wurden sie vermutlich wegen des Regens Richtung Blies gespült.
Der Schaum auf dem Bach könnte auch ein Grund sein.
Der Schaum auf dem Bach könnte auch ein Grund sein.
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