Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Das sind die zehn Erstimmenkandidaten im Wahlkreis Homburg

An Wahlwerbeständen in den Innenstädten – wie hier am Homburger Christian-Weber-Platz – versuchen die Parteien und ihre Kandidat
An Wahlwerbeständen in den Innenstädten – wie hier am Homburger Christian-Weber-Platz – versuchen die Parteien und ihre Kandidaten, auf sich aufmerksam zu machen.

Im saarländischen Bundestagswahlkreis 299 (Homburg) stellen sich am 26. September zehn Direktkandidaten zur Wahl. Sie bewerben sich über die Erststimme auf den Wahlzetteln um das Homburger Mandat im Berliner Parlament. Drei Frauen und sieben Männer treten an. Die Reihenfolge, in der sie auf dieser Seite vorgestellt werden, entspricht derjenigen auf dem Stimmzettel.

Die Bundesrepublik ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Am südwestlichen Zipfel Deutschlands, an der Grenze nach Frankreich, trägt der Wahlkreis Homburg die Nummer 299. Das ist die letzte im Bundesgebiet. Hoch im Norden, an der dänischen Grenze, ist dagegen Bundestagswahlkreis Flensburg-Schleswig mit der laufenden Nummer eins angesiedelt. Aber zurück zur 299: Der Wahlkreis Homburg umfasst nicht nur die Kreisstadt und den Saarpfalz-Kreis, sondern auch die Stadt Neunkirchen und Spiesen-Elversberg im Kreis Neunkirchen sowie die drei Orte Friedrichsthal, Sulzbach und Quierschied im Regionalverband Saarbrücken.

Im Bundestag wurde der Wahlkreis Homburg bislang stets von direkt gewählten Wahlkreisabgeordneten vertreten, die entweder der CDU oder der SPD angehörten.

Markus Uhl (CDU)

Seit 2017 sitzt der Diplom-Kaufmann aus Homburg-Erbach im Bundestag. Dort gehört der 41-Jährige dem Haushalts- und dem Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur an. Ebenfalls seit 2017 ist Markus Uhl Generalsekretär der Saar-CDU. Nun kandidiert er für eine weitere Legislaturperiode. Ins Saarland, so sagt er, habe er als Abgeordneter „einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag geholt“. Etwa beim Ansiedeln des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung (HIPS) an der Uni Saarbrücken – „mit einem Volumen von 70 Millionen Euro, davon 47 vom Bund“. Das HIPS leiste „Weltspitzenforschung gegen künftige Pandemien und Antibiotika-Resistenzen“ , und das in enger Kooperation mit den Homburger Unikliniken. „Und die neue Außenstelle des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wäre ohne mein Zutun wohl auch nicht nach Saarbrücken gekommen.“ Nach Homburg habe er Millionen Euro für Denkmalschutzprojekte auf dem Schlossberg geschleust, für die Umgestaltung des Hohenburgschul-Vorplatzes und fürs Erbacher Sportzentrum. Neben einer engeren Anbindung des Saarlandes ans internationale Eisenbahnnetz will sich Uhl für ein leistungsfähigeres Internet („Gigabit-Netze“) einsetzen. „Und die technische Transformation, in der sich die Industrie in unserer Region befindet, müssen wir so gestalten, dass es im Saarland auch in Zukunft gute Industriearbeitsplätze gibt.“ Industrie könne „klimagerecht“ sein: „Ich trete ein für Technologie-Offenheit. In Homburg gibt es da schon gute Ansätze, etwa beim Wasserstoff. Wir müssen Kräfte bündeln und an die richtigen Fördertöpfe herankommen.“

Esra Leon Limbacher (SPD)

Bei der Bundestagswahl 2017 war Esra Limbacher seinem CDU-Kontrahenten Markus Uhl mit 3080 Stimmen Unterschied nur knapp unterlegen. Aufgewachsen in Kirkel-Limbach, lebt der Jurist und Lehrbeauftragte an der Saar-Uni heute in Homburg. Der 32-jährige ruft zum Umdenken in Umweltfragen auf, kritisiert „Fehlentscheidungen in der Corona-Pandemie“ und „Korruptionsfälle in der CDU“. Jetzt müssten Investitionen ins Gesundheitswesen her. Die Beschäftigten in der Pflege gelte es „zu stärken und zu respektieren“. „Industrie und Klimaschutz können nur zusammen funktionieren“, will Limbacher „zukunftsweisende Technologien in die Region holen, um in der Industrie die Jobs zu sichern und weitere zu schaffen“. Im Saarland seien über 40.000 Arbeitsplätze von der Auto- und Zulieferindustrie abhängig. Zusammen mit Salvatore Vicari, dem Betriebsratsvorsitzenden von Schaeffler in Homburg, bemüht sich Limbacher um die Ansiedlung eines Technologie- und Transformationszentrums, das Industriearbeiter fort- und zukunftssicher weiterbildet. Esra Limbacher fordert mindestens zwölf Euro Mindestlohn, die Beschränkung der Leiharbeit und einen Umbau des Rentensystems nach österreichischem Vorbild mit nur einer Rentenkasse für alle.

Politisch war er zunächst im Gemeinderat Kirkel tätig; heute sitzt er im Saarpfalz-Kreistag und im saarländischen Landtag. Seinen recht ungewöhnlichen Vornamen hat der Reserveoffizier dem Propheten Esra aus dem Alten Testament zu verdanken.

Florian Spaniol (Die Linke)

Der 20-jährige Sohn der saarpfälzischen Linken-Kreisvorsitzenden Barbara Spaniol studiert Jura an der Universität des Saarlandes. „Jetzt, im Wahlkampf, möchte ich der jüngeren Generation eine Stimme geben“, sagt der saarpfälzische Kreis-Geschäftsführer der Linken, der seine Partei auch im Homburger Stadtrat repräsentiert. „Den Klimaschutz müssen wir für unsere Generation durchsetzen“, fordert Florian Andreas Spaniol. „Aber das geht nur mit der gleichzeitigen Lösung der sozialen Frage. Klimaschutz will jeder. Das kann auch jeder – man muss ihn sich aber auch leisten können.“

Mit Blick auf 70-prozentige Zuwachsraten beim Lkw-Verkehr auf den Autobahnen erklärt der Kandidat, „dass die dort transportierten Güter dringend auf die Schiene müssen“. Gefragt seien „intelligente, weitsichtige Maßnahmen gegen den Klimawandel und keine Symbolpolitik wie die blinde Erhöhung der Spritkosten“. Spaniol sagt, ihm als Homburger liege die Verbundenheit zur Uniklinik sehr am Herzen. „Dort müssen wir unbedingt den Pflegenotstand beenden. Das Personal am Klinikum muss entlastet und ordentlich bezahlt werden.“ Ohnehin findet er, dass „die Krankenhäuser wieder zurück in die öffentliche Hand“ müssten. Die Gesundheit der Menschen sei nichts, aus dem man Profite schlagen sollte. Und auch die Zukunft des Automobilstandorts Homburg gelte es nachhaltig zu sichern.

Christian Wirth (AfD)

In Niederwürzbach am Weiher wohnt der 58-jährige Landesvorsitzende der AfD Saar. Nachdem der Bundesvorstand der Partei im März 2020 den bisherigen saarländischen Landesvorstand um den Landtagsabgeordneten Josef Dörr abgesetzt hatte, gewann Wirth im Herbst auf einem Landesparteitag die Vorsitzenden-Neuwahl gegen Dörr und den Neunkircher Christoph Schaufert. Seit 2017 gehört Christian Wirth über die Saar-Liste der AfD-Fraktion im Bundestag an. Dort, im Berliner Parlament, habe er inzwischen fast 50 Reden gehalten – „die meisten der saarländischen Abgeordneten“, wie er vorrechnet. Im Bundestags-Innenausschuss legt er Schwerpunkte auf die Themen Staatsbürgerschaftsrecht und Bundespolizei. Wirth spricht sich dafür aus, dass im Saarland eine Bundespolizei-Akademie angesiedelt werde. „Auch die EU-Grenzschutzbehörde Frontex sollte ein Standbein im Saarland haben – hier in der Mitte zwischen Brüssel, Straßburg, Luxemburg und Paris.“ Das Bundesland hält er dafür für bestens geeignet – „mit seiner hervorragenden Uni mit ihren Fakultäten für Informatik und Jura und dem Europa-Institut“.

Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik spricht Wirth von einem „Krieg gegen den Verbrennungsmotor“, der enden müsse. Und auf Corona angesprochen, sieht der Niederwürzbacher „keinen Grund mehr für einen Lockdown. Die epidemische Lage kann nicht weiter aufrechterhalten werden, denn ein ausreichendes Impfangebot ist vorhanden.“

Ralf Armbrüster (FDP)

Aufgewachsen in Martinshöhe und Wallhalben, ist der heute 51-jährige Software-Unternehmer im Jahr 2001 mit seiner Ehefrau in den Blieskasteler Ortsteil Mimbach gezogen. Selbstständig im Bereich Schnittstellenentwicklung und Automatisierung, liegen dem Mittelständler ein allgemeiner Bürokratieabbau und die Digitalisierung am Herzen. Ralf Armbrüster kritisiert etwa die Blieskasteler Stadtverwaltung: Für einen Rathausbesuch müsse man coronabedingt vorab einen Termin vereinbaren – telefonisch, wobei man oft in der Warteschleife hängen bleibe. Auch die Telefax-Wirtschaft in vielen Gesundheitsämtern sei ein Zustand, den man mit moderner Software eigentlich längst überwunden haben müsste. Die Klimakrise lässt sich in Ralf Armbrüsters Augen nicht durch Verbote, Preis- und Steuererhöhungen lösen. Gerade im Saarland sei es fatal, „die Autoindustrie platt zu machen“. Der Wandel müsse technologieoffen gemeistert werden: Nicht nur einseitig Elektroautos und Windräder, sondern auch alternative Energien wie Wasserstoff gelte es zu nutzen und zu fördern.

Evelyne Görlinger (Die Partei)

Die St. Ingberterin studiert Kunstgeschichte und Theologie an der Uni Saarbrücken. „Aber schreiben Sie beim Beruf nicht Studentin, sondern lieber Privatière. Das klingt seriöser.“ Im Stil der Satire-Partei bringt die 28-Jährige ihre „drei Kern-Anliegen“ auf den Punkt: „Feminismus, Bier und Männerhass. Aber dass ich unverheiratet bin, hat damit nichts zu tun. Denn Emotionen sollte man nicht in Verträgen festhalten.“ „Wir wollen Inhalte überwinden“: Diese Devise werde in ihrer Satirepartei „ganz offen kommuniziert, während andere Parteien das so nicht sagen, sondern nur praktizieren“. Weitere Forderungen umfassen „die Wirecard für alle“ sowie „Faxgeräte für alle Schulen, um die Digitalisierung voranzubringen“. Falls nötig, gerne auch mit Commodore-Computern und Brieftauben. Indem sich Evelyne Görlinger für ein „Tempolimit von 136 Stundenkilometern“ ausspricht, „verlange ich ja immerhin sechs Kilometer mehr als alle anderen.“ Im Gegenzug plädiere sie auf Autobahnen für eine „Mindestgeschwindigkeit von 136 Stundenkilometern für Dreirad, Bobbycar und Tretroller“. Und Corona? „Das ist eben nun mal da und wird wohl bleiben“, fällt es ihr „gar nicht so leicht, auch dieses Thema satirisch zu verpacken. Aber mit dem ursprünglichen Anliegen, alte weiße Männer zu schützen, hat’s ja wohl nicht so richtig geklappt. Jetzt liegt die ganze Last auf den Schultern der jungen Leute.“

Axel Kammerer (Freie Wähler)

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Freien Wähler Saar wohnt im Blieskasteler Ortsteil Wolfersheim. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Saarland kritisiert Kammerer „die Einflussnahme der SPD und CDU in den Verwaltungsapparat“, wo viele Posten „nicht über die Bestenauslese, sondern über das Parteibuch oder familiäre Verbindungen vergeben“ würden. Der 52-jährige Software-Unternehmer plädiert für eine Gesetzgebung, „die den Bürger mitnimmt und zukunftsorientiert die Defizite im Bereich Bildung, Sozialsystem und Umweltschutz zielgerichtet aktiv angeht und nicht fortwährend auf die lange Bank schiebt“.

Bei der Digitalisierung der Schulen, sagt Axel Kammerer, sei es nicht damit getan, „großzügig Fördergelder zu genehmigen, die dann aber nicht abgerufen werden können, weil den Schulen jede Hilfestellung bei der Entwicklung Ihrer eigenen digitalen Infrastruktur verweigert wird“. Know-how und gute Konzepte seien hier gefragt.

Der Kandidat der Freien Wähler engagiert sich im Umwelt- und Landschaftsschutz. Unter anderem als Vorsitzender des Beirats im Biosphärenzweckverband Bliesgau, als Zweiter Vorsitzender des Biosphärenvereins, als Finanzvorstand des Vereins Bliesgau-Obst, im saarländischen Landesbeirat im Bundesverband der Naturschutzinitiative Deutschland und als Vorsitzender des Fördervereins „Haus Sonne“ in Walsheim.

Ute Weisang (Die Basis)

Aus der Protestszene gegen die Corona-Politik hat sich im Juli 2020 die Basisdemokratische Partei Deutschlands (Die Basis) gegründet. Ute Weisang aus St. Ingbert bestreitet nicht, dass es Corona gibt und dass Menschen daran sterben. „Meine Sorge ist aber, dass wir die Kinder durch Impfung einem unkalkulierbaren Risiko aussetzen“, bezweifelt Weisang, dass die Impfstoffe voll ausgereift sind. Sie ist auch gegen mehr Freiheiten für Geimpfte gegenüber Ungeimpften. „Denn auch Geimpfte können das Virus weitergeben.“ Der Politik wirft Weisang vor, sie verlasse sich zu sehr „auf zwei oder drei Wissenschaftler“. Ihre Partei setze dagegen auf „Schwarmintelligenz“. Und die Querdenker? „Ich selbst habe mit ihnen strukturell nichts zu tun“, sagt sie. Doch man solle „geistig offen sein, auch für neue Lösungsansätze“.

Ute Weisang ist Marketing-Angestellte im St. Ingberter Software-Unternehmen ihres Ehemanns. Politisch engagiert sie sich, weil sie im Land die Freiheit bedroht sehe. Die Kandidatin plädiert für eine „Stärkung des Minderheitenschutzes“ und fordert „Machtbegrenzung“: „Es ist nicht gut, wenn jemand über mehrere Legislaturperioden hinweg sein Wahlamt ausübt. Dies sollte man begrenzen, am besten auch auf kommunaler Ebene.“

Claus Jacob (ÖDP)

Der Direktkandidat der Ökologisch-Demokratischen Partei ist Professor für Pharmazie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Der verheiratete Vater zweier Kinder wohnt im St. Ingberter Ortsteil Hassel, wo er sich im Ortsrat kommunalpolitisch engagiert. Der 51-Jährige sieht seinen inhaltlichen Schwerpunkt in einem „Dreiklang aus Ökologie, Familien- und Wirtschaftspolitik“. Claus Jacob plädiert nicht für ein stetiges Wirtschaftswachstum, sondern bevorzugt „eine marktwirtschaftlich orientierte Ökonomie, die das Menschen- und Gemeinwohl vor den Profit“ stelle. Höhere Löhne und mehr Flexibilität am Arbeitsplatz gäben dem Menschen mehr Zeit für die Familie. Klimaschutz sei durch Ressourcenschonung und einen geringeren Verbrauch an Rohstoffen erreichbar. Jacob fordert ein „Erziehungsgehalt“ für Eltern und ein Pflegegeld für Familien.

Maria Luise Herber (Grüne)

Nach internen Grabenkämpfen können die Grünen im Saarland am 26. September nicht mit einer Landesliste für die Zweitstimme auf den Wahlzetteln antreten. So haben sie es sich eingebrockt, dass die Ökopartei im Saarland heuer nur mit Direktkandidaten für die Erststimmen stattfindet. Marie Luise Herber aus Illingen bei Neunkirchen sagt: „Das hätte niemals passieren dürfen. Aber so habe ich jetzt die Chance, stärker auf mich aufmerksam zu machen.“ Die 58-jährige Mutter von vier Kindern engagiert sich in ihrem Heimatort Illingen-Wustweiler. Dort gebe es heute kein einziges Geschäft mehr. „Den Trend zu Laden-Leerständen beobachte ich aber auch in Städten wie Homburg. Die Menschen sollten nicht alles im Internet bestellen. Wichtig ist es, die heimische Geschäftswelt beim Einkauf zu unterstützen.“ Und statt weitere Neubaugebiete auszuweisen, solle man lieber leere Häuser in den Orts- und Stadtkernen neu beleben.

Herbers Hauptthema ist der Klimaschutz. Sie setzt auf einen Bewusstseinswandel: „Die Leute sollten mehr den öffentlichen Nahverkehr nutzen.“

Im Kreistag Neunkirchen arbeitet Herber im Schul- und Bauausschuss mit. „Und auch die soziale Gerechtigkeit ist mir ein Anliegen. Natürlich muss die Energiewende und die wirtschaftliche Transformation mit stabilen Arbeitsplätzen einhergehen.“

Markus Uhl (CDU)
Markus Uhl (CDU)
Esra Limbacher (SPD)
Esra Limbacher (SPD)
Florian Spaniol (Die Linke)
Florian Spaniol (Die Linke)
Christian Wirth (AfD)
Christian Wirth (AfD)
Ralf Armbrüster (FDP)
Ralf Armbrüster (FDP)
Evelyne Görlinger (Die Partei)
Evelyne Görlinger (Die Partei)
Axel Kammerer (Freie Wähler)
Axel Kammerer (Freie Wähler)
Ute Weisang (Die Basis)
Ute Weisang (Die Basis)
Claus Jacob (ÖDP)
Claus Jacob (ÖDP)
Maria Luise Herber (Grüne)
Maria Luise Herber (Grüne)
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