Böhl-Iggelheim
Winterdienst: Wer räumt wann welchen Weg?
„Bei Schnee und Eis sollen die wichtigen Fuß- und Fahrradwege in Richtung Schule und Bahnhof so früh wie möglich von der Gemeinde geräumt werden“, beantragten die Sozialdemokraten. Denn ungeräumte Wege seien für Fußgänger und Radfahrer extrem gefährlich, begründete Annette Schön. Im Januar, als sogar die App Katwarn vor Glatteis warnte, habe das bei dem Radweg entlang der L528 und beim Holzweg nicht geklappt. Dort habe auch nach Tagen noch eine dicke Eisschicht bestanden, während Straßen und landwirtschaftliche Wege vorbildlich von Schnee und Eis befreit worden seien. So habe der Eindruck entstehen können, „dass Fußgänger und Radfahrer Verkehrsteilnehmer dritter Klasse sind“, sagte sie. In Zukunft sollten daher auch die für die beiden Gruppen wichtigen Strecken schnellstmöglich geräumt werden, idealerweise vor Schulbeginn und notfalls per Hand, wenn es mit Maschinen nicht gelingt. „Wie stellen Sie sich das bei einem 500 Meter langen Radwege plus weiteren Radwegen vor?“, erkundigte sich Michael Knebel (CDU). Eine Antwort bekam er nicht.
Bei Schneefall habe die Gemeinde einen Streudienst, erklärte Bürgermeister Peter Christ (CDU). Dann hätten die Kollegen vom Bauhof Bereitschaft und rückten aus. „Zudem haben wir Vereinbarungen mit örtlichen Landwirten, die die nötigen Geräte zum Streuen haben“, sagte er. Das gelte für die Dorfstraßen. Für Landesstraßen und parallel verlaufende Radwege sei der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zuständig. Letztere hätten für diesen aber geringere Priorität. Deswegen habe sich die Kommune bereiterklärt, den Radweg entlang der L528 selbst zu reinigen.
Das hätten die Gemeindemitarbeiter im Januar auch versucht. „Allerdings haben sie mit der Kehrmaschine nur den Schnee wegbekommen, nicht aber die Eisschicht darunter“, schilderte der Rathauschef das Problem. „Wir hätten dann tatsächlich per Hand streuen müssen. Das haben wir nicht gemacht“, gab er zu. Denn zunächst habe die Kommune die wichtigsten Hauptverkehrsstraßen in den beiden Ortsteilen räumen müssen, wozu sie gesetzlich verpflichtet sei. Beim Holzweg habe sich das Thema ohnehin erledigt, da der Rat ja beschlossen habe, daraus eine Fahrradstraße zu machen. Um das Eis auf Radwegen zu entfernen, „bräuchten wir ein schmales Fahrzeug mit Schieber vornedran“, stellte Christ klar. Das würde ungefähr 90.000 Euro kosten. Denn Handeinsatz sei nur bei wichtigen Gehwegen wie den Zugängen zu Schulen, Friedhöfen und öffentlichen Gebäude vorgesehen.
Joachim Heidinger (Grüne) unterstützte den SPD-Antrag. Dieser sei sinnvoll, da Fahrradwege künftig ohnehin höher priorisiert werden sollten. Er regte an, bei Schnee und Eis eventuell mit Splitt oder Sand zu arbeiten wie in Wintersportorten.
Dieser Idee erteilte der Bürgermeister direkt eine Absage: „Unsere Landwirte haben keine Splittwurfmaschine.“ Das bestätigte Johannes Zehfuß (CDU). Er gab außerdem zu bedenken, dass Splitt oder Sand aufwendig gelagert werden müssen. Darüber hinaus müsse der Splitt hinterher auch wieder aufgesammelt werden. Technisch sei das alles möglich, aber eben eine Kostenfrage. Die entsprechende professionelle Infrastruktur vorzuhalten, lohne sich im Allgäu, im Rhein-Pfalz-Kreis mit zwei oder drei Tagen Schnee oder Eis im Jahr hingegen nicht. „Wir können nicht alle Eventualitäten abdecken“, ergänzte Knebel. Bei Glatteis sollten die Leute einfach so vernünftig sein, nicht aufs Fahrrad zu steigen.
Am Ende einigten sich die Politiker parteiübergreifend darauf, dass zumindest der Weg zwischen Bahnhof und Schule irgendwie geräumt wird.